Bietergerangel nach Pleite
Streit um Zuschlag für Escada-Käufer
Exklusiv Escada-Gründersohn Sven Ley will am meisten für die Modemarke zahlen. Doch dem Insolvenzverwalter passt sein Angebot nicht: zu viele Bedingungen. Außerdem wird über eine Russen-Connection gemunkelt. Zuvor kam es zu einem Eklat.
von Birgit Dengel Düsseldorf und Gerhard Hegmann München
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Der Verkauf des Luxusmodehauses Escada wird durch einen Streit über das attraktivste Kaufangebot behindert.
Am Sonntag wurde bekannt, dass die Investorengruppe um den Escada -Gründersohn Sven Ley mit 70 Mio. Euro zwar das höchste Gebot für das Unternehmen abgegeben hat. Insolvenzverwalter Christian Gerloff verweigert nach FTD-Informationen aus Unternehmenskreisen aber den Zuschlag für die Gruppe, weil Ley sein Gebot von Bedingungen abhängig mache und keine Preisuntergrenze nenne. Finanzkreisen zufolge gibt es außerdem Querverbindungen zwischen ihm und einer Gruppe um den russischen Escada-Großaktionär Rustam Aksenenko.
Escada-Chef Bruno Sälzer Escada-Chef Bruno Sälzer
Gerloffs Zurückhaltung wurde am Wochenende scharf kritisiert. Weil in den kommenden Tagen die Order-Runde für die Vor-Herbst-Kollektion 2010 startet, droht der Verlust wichtiger Kunden, wenn bis dahin keine Klarheit über die Zukunft von Escada herrscht. "Escada ist dann nur noch einen Bruchteil dessen wert, was Gerloff heute erzielen könnte", sagte eine Person, die mit dem Verkaufsprozess vertraut ist. Der Insolvenzverwalter werde versuchen, in diesen Tagen noch an einen Preis um die 50 Mio. Euro heranzukommen. "Am Donnerstag oder Freitag hingegen müsste er ohne die Order-Eingänge zu fast jedem Preis unterschreiben."
Der Insolvenzverwalter hatte zuletzt drei bis fünf Interessenten herausgefiltert, mit denen die Schlussverhandlungen geführt werden. In der Endausscheidung sind nach FTD-Informationen die Gruppe Ley, die Inderin Megha Mittal, Schwiegertochter des Milliardärs Lakshmi Mittal , der US-Finanzinvestor Oaktree, ein weiterer ausländischer Finanzinvestor sowie Rustam Aksenenko.
Gerloff bevorzugt nach Informationen aus dem Unternehmen zwei Bieter aus dem Ausland. Ein Bieter sei Megha Mittal, heißt es. "Beides sind Schwergewichte mit operativem Anspruch, die bereits mehrere Investments betreiben, allerdings nicht unbedingt im Modebereich", sagte eine involvierte Person.
Die Entscheidung beeinflusst auch das Management um Escada-Chef Bruno Sälzer . "Mittal zumindest würde auf die bisherigen Führungskräfte angewiesen sein", hieß es. Ley würde sie austauschen.
Am Freitag war es bereits zu einem Eklat gekommen. Der Escada-Aufsichtsrat hatte sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen mit den Stimmen der Arbeitnehmer sowie von Aksenenko und seinem Vertrauten Jean-Christophe Hocke mehrheitlich gegen die Abgabe der Tochterfirma Primera an die Beteiligungsgesellschaft Endurance Capital ausgesprochen. Dennoch veröffentlichte Primera nach dem Ende der Sitzung eine Mitteilung, in der es heißt: "Die Escada AG verkauft Primera mit den Marken apriori, cavita und Laurèl am heutigen Tag an die Endurance Capital und tritt von dem noch nicht vollzogenen Verkaufsvertrag mit der Beteiligungsgesellschaft Mutares AG zurück."
"Gerloff geht davon aus, dass der Abschluss des Endurance-Kaufs am 30. Oktober zwingend erforderlich ist, um den Escada-Verkauf in den ersten Novembertagen vollenden zu können", hatte Escada-Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath dazu am vorigen Wochenende an die Aufsichtsräte in einem Brief geschrieben, der der FTD vorliegt. Pöllath wollte am Sonntag keine Stellung nehmen.
www.ftd.de/unternehmen/...ag-fuer-escada-kaeufer/50031507.html
Also in kürze stehen wir hier über 1EURO :-))