"Es gibt Aufträge noch und noch"


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"Es gibt Aufträge noch und noch"

 
04.02.03 11:52

Stimmungslage: Gründer im Netzwerk „Forum Kiedrich“ optimistisch – Initiator Klaus C. Plönzke macht vor allem IT-Anbietern Mut

VDI nachrichten, 31.1.2003
Kunden zu gewinnen, ist für die meisten Gründer ein Problem. Helfen könnte ihnen ein marktgerichtetes Netzwerk und ein aktiver Vertrieb – meint Start- up-Experte Klaus C. Plönzke. Bald schon blüht die Start-up-Szene wieder auf“, prophezeit Klaus C. Plönzke, Gründer der heutigen CSC Ploenzke AG. „Einzige Bedingung ist, dass wir endlich das ewige Nörgeln abstellen.“ Neben schlechten Nachrichten gebe es schließlich auch viele gute. Eine Umfrage unter 110 Jungunternehmen aus ganz Deutschland – allesamt eingebunden in das von Plönzke initiierte Gründernetzwerk Forum Kiedrich – brachte einige an den Tag. So würden über zwei Drittel der Entrepreneure den Schritt in die Selbständigkeit noch einmal wagen. Weit über die Hälfte der durchschnittlich vier Jahre alten Betriebe erwirtschaftet bereits Gewinn. Ein weiteres Drittel beabsichtigt, noch in diesem Jahr der Verlustzone den Rücken zu kehren. Lediglich bei knapp 3 % ist der Break-even noch nicht in Sicht. 60 % wollen in den kommenden zwei Jahren ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, nur 4 % erwägen Entlassungen. Über die Hälfte der Betriebe will in dieser Zeit sein Leistungsspektrum erweitern, nur knapp 6 % plant Einschränkungen oder grundsätzliche Überarbeitungen.

Ein weiteres Indiz für blühende Gründerlandschaften war der 12. Gründermarkt der Forum Kiedrich GmbH. Am vergangenen Wochenende stellten sich 26 Start-ups einem Kreis von über 200 Mentoren und Investoren vor. Ein Rekord. „Angefragt hatten sogar über 50“, erklärt Geschäftsführerin Claudia Erben. „Vor einem halben Jahr waren nur 20 angetreten.“
Getrübt wird das Bild vor allem durch das Wirtschaftsklima in Deutschland. Im Hinblick auf ihre Geschäftsentwicklung empfinden rund drei Viertel die augenblickliche Stimmung als „hinderlich“ (47 %) oder gar als „extrem hinderlich“ (30 %). In den Augen der Mehrheit ist ihre Heimat „gründerfeindlich“ (46 %) bis sogar „sehr gründerfeindlich“ (8 %)“.
Plönzke räumt ein, dass die Ergebnisse vielleicht nicht für alle Branchen gelten – über die Hälfte der befragten Unternehmen sind auf den Gebieten IT, Beratung und Internet aktiv. „Zumindest bei der Informationstechnologie bin ich aber sicher. Hier gibt es noch ein riesiges Potenzial. Da herrscht Aufbruchstimmung.“ Branchengrößen, die derzeit zum Abbau von Kapazitäten gezwungen sind, hätten den Fehler gemacht, in der Boomphase zu viel Management aufgebaut zu haben. „Das lähmt sie jetzt. Außerdem fühlen sich Auftraggeber von großen IT-Häusern schnell dominiert. Für junge, flexible Unternehmen gibt es Aufträge noch und noch.“
Das haben scheinbar auch die Gründer erkannt. Befragt nach ihren Erfolgsrezepten verwiesen 70 % auf ihre kundenindividuellen Lösungen. Fast eben so viele halten ihre besonders innovativen Produkte für das stärkste Zugpferd bei der Akquise.
Ein weiterer Erfolgsgarant scheint für viele das Networking zu sein. Kooperationen bei Angeboten und Projekten empfanden 67 % als hilfreich. 52 % halten den Know-how-Transfer in Gründerinitiativen für dienlich, 21 % gar für sehr dienlich. „Wichtig ist aber, dass zu den Treffen nicht nur Greenhorns erscheinen“, so Plönzke. Die Zeiten der „Youngsters von der Uni“ sei aber glücklicherweise vorbei. „Die heutigen Gründer haben jahrelange Erfahrungen in ihren Branchen. Die beherrschen das, was sie verkaufen.“
Über drei Viertel der Befragungsteilnehmer will sich in Zukunft stärker zu Gruppen formieren. „Gründerinitiativen wären allerdings noch hilfreicher, wenn sie stärker marktorientiert arbeiten würden“, ist Plönzke überzeugt. „Sie sollten bei der Auftragsbeschaffung direkt behilflich sein.“ Dazu bedürfe es mehr freiwilliger Ex-Manager, die sich im Ruhestand noch einmal engagieren wollen. Deren Verbindungen könnten jungen Unternehmen sehr helfen. Im Forum Kiedrich sind derzeit insgesamt 150 Mentoren aktiv – vor allem beratend.
Das Klagen der Gründer über fehlende Kundennachfrage lässt Plönzke nicht gelten. „Das haben sich viele selbst zuzuschreiben. Denen fehlt ein guter Vertrieb – glaubwürdige Menschen, die ihre Produkte bzw. Dienstleistungen kennen, die kommunikativ sind und eine Brücke zwischen ihrem Unternehmen und Abnehmern schlagen.“ Wer diese nicht in den eigenen Reihen habe, sei besonders auf marktgerichtete Netzwerke angewiesen.
Erstaunlich ist das Umfrageergebnis in Bezug auf die Kapitalstruktur: 83 % der Betriebe zählen eigene Mittel und laufende Überschüsse zu ihren wichtigsten Finanzquellen. Nur ein Fünftel hat Wagniskapital beansprucht, kaum mehr nutzten staatliche Förderungen oder Kreditinstitute. „Besonders enttäuscht bin ich von den Banken“, schimpft Plönzke. „Mit ihrer Zurückhaltung verunsichern sie die Gründer zusätzlich. Hinter die Schreibtische gehören mehr Unternehmer, also Leute, die schon mal richtig geschwitzt haben – nicht nur wegen wackeliger Kredite.“
Die schwierige Finanzlage ist laut Plönzke auch verantwortlich für das Übergewicht bei den Dienstleistungsgründungen. Nur jedes Fünfte der befragten Unternehmen bietet greifbare Waren an. „Die Entwicklung von marktfähigen Produkten kostet viel Zeit und Geld.“ Erst, wenn wieder mehr Kapital zur Verfügung gestellt wird, werde auch wieder mehr produziert. „Es liegen genügend gute Ideen in den Schubladen.“ 
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