- Innerhalb des letzten Jahres hat der S&P 500 6,69 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. Das ist bereits knapp eine Billion US-Dollar mehr als im gesamten Bärenmarkt von 2000 bis 2003.
- Der S&P 500 hat sich seit der großen Depression in den 30er-Jahren nie mehr so weit unterhalb der 200-Tages-Durchschnittlinie befunden wie aktuell.
- Die Dividendenrendite im S&P 500-Index ist inzwischen wieder größer als die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen. Das hat es seit 1958 nicht mehr gegeben.
- Die 30-Jahres-Rendite für Unternehmensanleihen mit durchschnittlichem Rating (BBB) ist inzwischen höher als die von Aktien. Es hat sich damit beim aktuellen Stand des S&P 500 in den letzten 30 Jahren nicht gelohnt, das erhöhte Risiko eines Aktienkaufs einzugehen. Das ist historisch höchst ungewöhnlich. Auf lange Sicht performen Aktien im Durchschnitt immer besser als Anleihen.
Gleichzeitig kam es in den letzten beiden Handelswochen zu einer dramatischen Beschleunigung des Abwärtstrends am US-Markt. Seit Anfang November hat der S&P 500 innerhalb von nur drei Wochen in der Spitze 25 Prozent an Wert verloren und neue Tiefs markiert. Auch wenn der DAX das bisher so noch nicht nachvollzogen hat (was auch an der nach wie irrational hohen Bewertung/Gewichtung von VW liegt) gilt: Die Leitbörse ist nach wie vor der US-Markt und der ist charttechnisch massiv überverkauft. Fundamental ist bereits ein extrem negatives Konjunkturszenario in den Kursen eingepreist.
Dabei sehen die unserer Ansicht nach für die Gesamtmarktentwicklung entscheidenden fundamentalen Indikatoren alles andere als schlecht aus:
1. Wir befinden uns in einer saisonal traditionell starken Phase des Börsenjahres. Im Zeitraum von Oktober bis März haben Aktien in der Vergangenheit eine deutliche Überrendite im Vergleich zum Jahresdurchschnitt erzielt.
2. Wir haben aktuell stark fallende Leitzinsen. Sowohl die EZB als auch die FED haben den Zinssatz zuletzt mehrfach deutlich gesenkt. In der Eurozone liegen wir inzwischen bei einem Zinssatz von nur noch 3,25 Prozent, Tendenz fallend. Eine weitere Absenkung auf 2,75 Prozent wird bereits diskutiert. Damit wäre wieder das Niveau aus dem Dezember 2002 erreicht. Kurz danach - im Frühjahr 2003 - setzte ja bekanntlich ein mehrjähriger Bullenmarkt ein, in dem gigantische Kursgewinne zu erzielen waren. Fallende Zinsen sind gut für den Aktienmarkt, weil die Renditen für festverzinsliche Anlagen fallen und Aktien im Verhältnis entsprechend attraktiver werden.
3. Wir haben einen starken Rückgang der Inflationsrate. Das heißt die Preise für Ver- und Gebrauchsgüter steigen nicht mehr so stark an. Die Kaufkraft der Konsumenten steigt. Damit kaufen diese mehr Produkte und die Wirtschaft kann wieder wachsen.
4. Besonders wichtig ist der dramatisch fallende Ölpreis. Die Konsumenten brauchen wieder weniger Geld für Benzin und Heizöl/Gas und können dafür wieder mehr konsumieren. Direkt profitieren dürften mittelfristig die angeschlagenen Transport-, Auto-, Reise- und Bauindustrien.
5. Der zuletzt wieder deutlich stärkere US-Dollar ist gut für die deutsche Exportwirtschaft, weil deutsche Produkte in den USA wieder erschwinglicher und damit konkurrenzfähiger werden. Für den "Export-Weltmeister" Deutschland sollte dies mittelfristig positive Auswirkungen auf die Konjunktur haben, und davon profitieren natürlich auch die Aktienmärkte.
Hinzu kommt ein extrem hoher Pessimismus im Markt. Nur noch gut 20 Prozent der so genannten Markt-Timer in den USA (Markt-Timing = Versuch, die künftige Entwicklung des Marktes zu prognostizieren) glauben derzeit an steigende Kurse. So wenig wie noch nie seit Beginn der Messungen.
In den Medien werden überwiegend Negativ-Szenarien behandelt. Nachrichtensendungen und Zeitungen sind voll mit dramatischen Meldungen zu Kurzarbeit, Entlassungen und finanziellen Schieflagen von Firmen und großen Investoren.
Nachdem an den Indizes charttechnisch wichtige Marken (Jahrestiefs) unterschritten worden sind, hat nun wohl ein großer Teil der verbleibenden Bullen das Handtuch geschmissen. Der Pessimismus dürfte neue Rekordwerte erreichen.
Doch wenn sich die schwachen Hände mit überwältigender Mehrheit an der Seitenauslinie befinden und viele Trader short im Markt positioniert sind, können bereits minimal positive News eine massive Kurs-Rallye entzünden. Der Wochenausklang bot bereits einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommen könnte: Der Dow Jones hat am Freitag innerhalb der letzten eineinhalb Handelsstunden satte sechs Prozent zugelegt.
Fazit: Sowohl kurzfristig als auch mittel- und langfristig wird mit steigenden Kursen gerechnet.