Siehe dazu auch meinen Beitrag 54. vom 20.2.2008 (oben in diesem Forum)
Lübeck – Wirbel um eine Veröffentlichung über das Lübecker Drägerwerk: In seiner jüngsten Ausgabe berichtet das renommierte „Manager Magazin“ über einen angeblichen Niedergang der Unternehmenskultur bei dem Lübecker Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik.
LN-Leserforum: Kultur des Mißtrauens bei Dräger?
Die Kritik richtet sich unter anderem gegen Claudia Dräger, Frau des Vorstandsvorsitzenden Stefan Dräger (45), die als Leiterin „Corporate Office“ im „Vorzimmer ihres Mannes“ sitzt. „Mittlerweile scheint es, als sei die ehemalige Unternehmensberaterin zur eigentlichen Herrscherin über rund 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 10 000 Mitarbeiter aufgestiegen“, behauptet das Magazin. Firmenintern reagiere man mit blankem Sarkasmus. Das Unternehmensmotto „Technology for life“ firmiere bei Mitarbeitern längst unter dem Etikett „Technology for wife“. Stefan Dräger und seine „häufig forsch auftretende Frau“ seien zu einem „bisweilen unkontrollierten Duo geworden“.
Stefan Dräger, so weitere Vorwürfe, habe sich aller Widerstände in der Führungsetage entledigt. Ein Spitzen-Manager, obwohl vom Vorstandschef selbst geholt, habe nach wenigen Monaten wieder gehen müssen. „Einige Rauswürfe waren wohl auch persönlichen Antipathien geschuldet“, schreibt das Blatt. Für Claudia und Stefan Dräger laute das Motto nach den Worten eines „Insiders“: „Entweder du bist mit uns, oder du bist gegen uns.“
Im Zuge des proklamierten Neuanfangs sei eine „Kultur des Misstrauens“ entstanden. Die Vorwürfe, die das „Manager Magazin“ erhebt, sind ungeheuerlich: Ehemalige Mitarbeiter erzählten, „dass gegen leitende Angestellte Sonderprüfungen angestrengt wurden und Kollegen sich aus Angst davor, abgehört zu werden, nicht mehr trauten, am Telefon Kritik zu üben“.
Angesichts dieses Betriebsklimas würden sich etliche erfahrene Führungskräfte mit Abwanderungsgedanken tragen. „Ich habe einen ganzen Stapel von Dräger-Bewerbungen auf meinem Schreibtisch liegen“, zitiert das „Manager Magazin“ eine Führungskraft, die inzwischen bei der Konkurrenz arbeite. Die vermeintliche Quelle bleibt allerdings anonym. Ein angeblicher „Vertrauter“ Stefan Drägers kritisiert die Unternehmenskultur aufs Schärfste. Der Vorstandschef sei „mit dem Stahlbesen durch die Firma gegangen, und dabei ist viel Blut geflossen.“ Erfolg hätten solche Maßnahmen nicht gezeitigt.
Stefan Dräger wollte gestern auf LN-Anfrage keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben. Er hatte den Vorstandsvorsitz vor knapp vier Jahren von seinem Onkel Theo Dräger übernommen. ctö