Weiterhin sind die internationalen Aktienmaerkte von Unsicherheit
gepraegt. Diese Unsicherheit bezieht sich sowohl auf die Angst
vor zweifelhaften Bilanzpraktiken, wovon auch eine ganze Reihe
BlueChips betroffen sind, als auch in konjunktureller Hinsicht
auf die Angst vor einer Double-Dip-Rezession (Erneuter Wirt-
schaftseinbruch).
So aeusserten sich in den letzten 14 Tagen mehrere Volkswirte da-
hingehend, dass sie einen erneuten Konjunktureinbruch befuerch-
ten. In der Tat spricht die Statistik in diesem Fall gegen einen
nachhaltigen, kontinuierlichen Wirtschaftsaufschwung, wie ihn die
positive Entwicklung der US-Wirtschaftsindikatoren der letzten 3
Monate signalisieren.
So folgte bei den letzten 6 grossen Wirtschaftsrezessionen in den
USA in 5 Faellen nach einer ersten Erholung ein erneuter Ein-
bruch. Die Dimension des erneuten Einbruchs fiel dabei jedoch
hoechst unterschiedlich aus und reichte von signifikant bis kaum
merklich. Die in der juengsten Presse kolportierte Statistik ist
also differenziert zu betrachten.
So wurde bspw. im spaeten Donnerstagshandel der weltfuehrende PC-
Chiphersteller INTEL durch ein US-amerikanisches Investmenthaus
herabgestuft. Zur Begruendung hiess es unter anderem, dass auch
saisonale Phaenomene dazu beitragen, dass die Ergebnisse des 2.
und 3. Quartals unter den Erwartungen liegen duerften.
Hierbei muss jedoch angemerkt werden, dass saisonale Phaenomene -
so ist seit Jahren bekannt, dass die Nachfragedynamik in der
Chipindustrie im 2. und 3. Quartal saisonalbedingt nachlaesst -
nicht erst seit diesem Jahr existieren. Ganz klar unterliegt die
Wirtschaft neben den temporaeren Konjunkturzyklen auch saisonalen
Effekten. So ist nun zu befuerchten, dass die saisonal natuerli-
che Abschwaechung der Wirtschaftsdynamik im 2. und 3. Quartal im
Rahmen der insgesamt suspekten Marktverfassung als Vorboten einer
"Double-Dip-Rezession" fehlinterpretiert werden.
WORST-CASE-SZENARIO: Japan im Blickpunkt strategischer Investoren
Bezugnehmend auf den vorangegangenen Artikel darf dies jedoch
keineswegs darueber hinwegtaeuschen, dass neben den politischen
Risiken nicht tatsaechlich erhebliche Risikofaktoren auf konjunk-
tureller Ebene bestehen, die vom Markt bislang eventuell nur un-
gebuehrend beachtet wurden. So wird allgemein die starke Verzah-
nung der US-Wirtschaft mit der andauernden Krisenlage unter-
schaetzt. Durch den Kumulierungseffekt haben japanische Investo-
ren erhebliche Finanzmittel in den USA investiert.
Spitzt sich die japanische Wirtschafts- und Finanzkrise weiter
zu, oder kann hierbei in absehbarer Zeit keine vernuenftige Ent-
wicklung erreicht werden, ist zu befuerchten, dass diese Gelder
zurueck nach Japan fliessen, insbesondere in Bezug auf den Bond-
bzw. Kapital-Markt. Zudem leidet die US-Wirtschaft derzeit unter
dem niedrigen Yen, was besonders die exportorientierte Industrie
belastet.
Sollte die bereits seit mehr als 10 Jahren anhaltende Krise in
Japan weiter andauern (die japanische Staatsverschuldung ist ge-
genueber Deutschland dreimal hoeher), ist zudem zu befuerchten,
dass die japanische Regierung langfristig keinen anderen Ausweg
mehr sieht, als eine Waehrungsreform durchzufuehren. Dieser der-
zeit noch undenkbare Schritt koennte bei fortgesetzter Wirt-
schaftsbaisse in Japan langfristig durchaus zu einer denkbaren
Option avancieren. Dies wuerde natuerlich erhebliche Verwerfung-
en des internationlen Finanzgefueges bedingen und kurzfristig
eine erhebliche Schwaechung der Weltwirtschaft herbeifuehren.
US-KONJUNKTUR: droht nun der Einbruch des Privatkonsums?
Die Stimmung "scheint" derzeit wesentlich schlechter, als die
realwirtschaftliche Lage - die Konjunkturampeln sollten nunmehr
auf gruen stehen: Das deutlichste Indiz einer bevorstehenden
Konjunkturwende stellt die Entwicklung der Lagerbestaende dar,
die in Rekordgeschwindigkeit sinken. Die Produktion wird also
wieder steigen - zumindest wenn die Verunsicherung der Verbrau-
cher nachlaesst.
Derzeit zeichnet sich jedoch ein Paradigmenwechsel mit erkennba-
rem Risikopotential ab - so verhinderte ein angesichts der pre-
kaeren Lage sehr stabiler Privatkonsum im letzten Jahr eine noch
nachhaltigere Rezession. In diesem Jahr koennten die massgeblich-
en Impulse mit Blick auf die Lagerbestaende zwar von den Produ-
zenten ausgehen, letztendlich sind jedoch auch die Produzenten
vom Endverbraucher abhaengig.
Zunaechst muss weiter mit zurueckhaltenden und verunsicherten
Verbrauchern und Marktteilnehmern (Stichpunkt Bilanzierungspoli-
tik, Double-Dip-Rezession, Risikopotential in Japan) gerechnet
werden. Allein der niedrige Lagerbestand bedingt noch keinen hoe-
heren Konsum. Die Verunsicherung der Verbraucher wird vorerst
noch anhalten. Ein grosses Hindernis stellt hierbei die hohe Ver-
schuldung der amerikanischen Privathaushalte dar:
So ist die hohe Schuldenlast der US-Amerikaner gerade jetzt eines
der groessten Risiken im Rahmen einer Konjunkturerholung. Mitt-
lerweile muss der durchschnittliche US-amerikanische Haushalt be-
reits 14% seines Einkommens zur Bedienung von Finanzverbindlich-
keiten aufwenden. Dieser Wert uebertrifft noch den Wert aus dem
Rezessionsjahr 1991 und stellt einen der groessten Hinderungsfak-
toren fuer einen neuen Konsumboom dar.
Darueber hinaus ist die Kapazitaetsauslastung der Unternehmen
noch lange nicht auf einem derart avancierten Niveau, dass wieder
umgehend von hoeheren Investitionen ausgegangen werden kann. Vor
diesem Hintergrund erleben wir in der Konjunktur derzeit eine
Rueckkehr zur Normalitaet. Ein selbsttragender, nachhaltiger Auf-
schwung ist insbesondere in Deutschland noch in weiter Ferne, zu-
mal die Schwaeche der US-Wirtschaft nur ein Grund unter vielen
fuer die Rezession in Deutschland war.
BOERSENAUSBLICK: Verunsicherung haelt weiter an
Wir befuerchten, dass die Verunsicherung von Verbrauchern und
Marktteilnehmern zunaechst weiter anhaelt. Dafuer werden weitere
Pleiten sorgen, auch die Wirtschafts- und Finanzkrise in Japan
wirkt belastend und ueber all dem schwebt die wachsende Wahr-
scheinlichkeit militaerischer Interventionen im Irak.
Normalerweise laege nach den erheblichen Kursverlusten in den
letzten 6 Wochen eine technische Erholung im Bereich des Wahr-
scheinlichen, die technische Lage legt eine solche jedoch nicht
nahe. So verkehren die indikativen US-Maerkte derzeit allesamt in
der Naehe bedeutender Supportzonen - sollten diese nach unten
durchbrochen werden, muessen weitere Abschlaege befuerchtet wer-
den.
Die in den vorangegangenen Menuepunkten aufgefuehrten Risikofak-
toren definieren das Worst-Case-Szenario. Wir rechnen weiterhin
zum Ende des 2. Halbjahres 2002 mit einem massgeblichen Auf-
schwung an den Aktienmaerkten. Bis dorthin duerfte sich die Kon-
junkturerholung als nachhaltig erwiesen haben.
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