Wegen zwei beschädigter Glasfaserkabel im Mittelmeer ist das Internet in weiten Teilen des Nahen Ostens und Südasiens schon am zweiten Tag in Folge teilweise ausgefallen.
Im Nahen Ostens und Südasiens sind 70 Prozent der Netzkunden betroffen. Die Behörden riefen die privaten User auf, keine Filme oder Musik herunterzuladen. So würden Kapazitäten für Unternehmen frei, die "wichtigere Dinge zu tun" hätten, sagte ein Sprecher des Telekommunikations-Ministeriums.
Der Ausfall traf aber auch andere arabische Länder. In Saudi-Arabien blieben die meisten Netzkunden ohne Anschluss, berichtete die Zeitung "Arab News". Probleme gab es auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die beiden dortigen Anbieter "du" und "etisalat" leiteten ihren Datenverkehr zwar auf andere Verbindungen um - wegen deren Überlastung sank aber die Geschwindigkeit, schrieben die Dubaier "Gulf News".
Schwerer Schlag für Indiens IT-Branche
Besonders hart getroffen ist allerdings Indien. Seit dem Morgen seien vor allem die Verbindungen zur US-Ostküste und nach Großbritannien gestört, sagte ein Sprecher des indischen Verbands der Internet-Provider. "Die Bandbreite ist um 50 bis 60 Prozent gekappt." Er rechnete damit, dass die Breitband-Datenleitungen noch mehr als zwei Wochen gestört oder zeitweise sogar völlig unterbrochen sein könnten.
Nach Einschätzung von Raman Roy von der Callcenter-Firma Quattro war durch die Panne ein Fünftel der indischen Computerindustrie vom Rest der Welt abgeklemmt. In Indien gehört die IT-Industrie zu den wichtigsten Branchen: 700.000 Menschen arbeiten in Unternehmen, die Programmierungen oder Telefonberatungen über das Internet an ausländische Auftraggeber verkaufen. Die indischen Subunternehmer machen jährlich umgerechnet mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz.
Warum die Unterwasserleitungen ausgefallen sind, ist weiter unklar. Beide lägen nahe Alexandria unter Wasser, etwa einen Kilometer voneinander entfernt, sagte der Sprecher des Telekommunikationsministeriums. "Wir wissen nicht, wodurch sie beschädigt wurden." Nach Einschätzung von Christian Müller, Technikvorstand des deutschen Internet-Dienstleisters Strato AG, wird die Reparatur wohl mindestens zwei Wochen dauern. "Es würde mich aber nicht wundern, wenn das sogar noch zwei Monate dauert", sagte Müller.
Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu.
Quelle: Tseng-Kuang