Quelle: Börse am Sonntag 19.8.2007
Der Rohstoff-Sektor befindet sich in der Mitte des Superzyklus
Industrie- und Edelmetalle bieten
Anlegern noch immer gute Wachstumsmöglichkeiten.
Einer starken
Rohstoffnachfrage steht ein nur
langsames Angebotswachstum
gegenüber. Zudem haben starke
Fusions- und Übernahmeaktivitäten
das Potenzial für eine Verbesserung
der Wertentwicklung von Aktien aus
dem Rohstoff-Segment. Aktionäre
profitieren aber auch davon, dass
die aktuelle Manager-Generation
eine hohe Disziplin im Umgang mit
Kapital an den Tag legt. Durch die
verbesserte Unternehmensführung
erhöht sich in vielen Fällen der Aktienwert.
GEGENWÄRTIG BEFINDET sich der Rohstoff-
Sektor in der Mitte eines “Superzyklus”, einer
andauernden Phase hoher Preissteigerungen
bei Rohstoffen. BlackRock hat diesen
Zyklus in drei Phasen unterteilt, deren unterschiedliche
Charakteristik sich mit Vorsicht,
Pessimismus und Optimismus beschreiben
lässt. In der Phase der Verzagtheit, die mit
dem Tiefpunkt der Rohstoffpreise im Jahr
2001 endete, litt die Branche unter dem Zusammenbruch
der Sowjetunion und der Asienkrise.
Rohstoffe erschienen damals immer
weniger als brauchbare Anlageklasse, und
schlechtes Management führte in vielen Bereichen
zur Überproduktion. Die Phase des
Pessimismus ist dagegen gekennzeichnet
von einer dauerhaften Unterschätzung der
Rohstoffpreise durch Analysten und einem
Ungleichgewicht zwischen starker Nachfrage
einerseits und dem Mangel an Investitionen
in neue Kapazitäten andererseits, der
das Angebot begrenzt. In der optimistischen
Phase werden Rohstoffaktien nicht länger
mit einem Abschlag zu anderen Sektoren
gehandelt, Analysten werden in ihren Vorhersagen
höhere Preise antizipieren, und
die Produzenten werden sich mit ambitionierten
Expansions-Projekten beschäftigen,
um die steigende Nachfrage befriedigen zu
können.
Der Rohstoff-Sektor bietet weiterhin
hervorragende Wertsteigerungspotentiale,
denn er befindet sich trotz der zuletzt guten
Wertentwicklung noch immer in der pessimistischen
Phase des Superzyklus, die im
letzten Quartal 2001 mit dem Tiefstand des
MG Base Metal Index eingeläutet wurde.
Seitdem zog dieser Index um rund 320 Prozent
an, angetrieben von drei für die Mitte
eines Zyklus typischen Faktoren: Zum einen
unterschätzten Analysten, ungeachtet
der hohen Nachfrage, über Jahre hinweg die
Rohstoffpreise, was zu einem Abschlag der
Aktien führte. Zweitens wurden die aufgrund
der hohen Preise erzielten überschüssigen
Barmittel selten in neue Projekte investiert,
sondern in Form von Aktienrückkäufen oder
Sonderdividenden an die Aktionäre ausgeschüttet.
Der dritte für diese Phasen typische
Faktor sind die starken Fusions- und
Übernahmeaktivitäten, von denen der Sektor
profitierte. Seit Anfang 2005 summierte
sich das Volumen der Transaktionen auf
rund 200 Milliarden US-Dollar. Die daraus
entstehenden größeren Unternehmen stehen
nicht mehr unter einem großen Druck,
das Angebot bei einzelnen Rohstoffen erhöhen
zu müssen.
Solange die Bedingungen für die pessimistische
Phase des Zyklus anhalten, was noch
ziemlich lange der Fall sein kann, werden
die Erträge sehr zufriedenstellend ausfallen.
Das massive Nachfragewachstum, vor allem
aus China, Indien und anderen Schwellenländern,
hält die Rohstoffpreise auf hohem
Niveau. Diese hohen Preise spiegeln sich
aber in den Aktienkursen noch nicht vollständig
wider, sodass der Sektor für Anleger
noch eine hohe Werthaltigkeit aufweist.
Evy Hambro
Fondsmanager des
MLIIF World Mining