Vor gut anderthalb Jahren kündigte das Management von SGL an, dass sich die Kosten für die Herstellung von Carbonteilen in den kommenden Jahren dramatisch reduzieren werden, was sich auf die preisliche Konkurrenzfähigkeit und Verbreitung der Endprodukte auswirken werde. Seither ist es um dieses Thema eher still geworden. Jedenfalls war nicht zu erkennen, woher die "Kostenrevolution" kommen sollte.
Nun habe ich in der Südwestpresse (Ulm) eine Nachricht entdeckt, die aufzeigt, wie es mit Carbon -genauer gesagt: mit dessen Herstellungsprozess- weitergehen könnte:
"Es könnte einer dieser Hidden Champions sein, die das Potenzial deutscher Ingen-ieure zeigen. Die Räume von Munich Composites in Ottobrunn unweit von München gleichen eher einer unaufgeräumten Garage als einer innovativen Produktionshalle. Aber was Felix Fröhlich und seine Mitstreiter - alle Absolventen der TU München - hier seit 2011 auf die Beine gestellt haben, ist mehr als bemerkenswert: Sie befas-sen sich mit dem ultraleichten Werkstoff Carbon und haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Carbonteile schnell, einfach und automatisiert hergestellt werden können - mit Flechtmaschinen.
"Unsere Kompetenz ist ein aufblasbarer Kern, der automatisiert umflochten wird. Damit erreichen wir bei jedem Teil eine gleich hohe Qualität. Das ist wichtig etwa für die Automobilindustrie", sagt Fröhlich.
Bislang werden Carbonteile zu 90 Prozent in Handarbeit gefertigt. Deshalb wird fast ausnahmslos in Asien produziert. Stabilisatoren, Luftfederträger für Busse, Fahrrad-lenker, Hockey-Schläger und eine Carbon-Rennradfelge sind etwa Produkte, die Fröhlich und Co. entwickelt haben und mit dem sie Arbeitsplätze nach Deutschland zurückholen wollen. Einige Teile gehen 2016 in Serienproduktion.
Zwar arbeitet Munich Composites mit Firmen wie MAN oder BMW zusammen und erhält Entwicklungsaufträge. Aber ohne Fremdmittel geht es nicht. Die kommen auch von der Förderbank KfW. Deren von der Bundesregierung gewünschte Auftrag ist auch die Unterstützung junger innovativer Unternehmen, zu neudeutsch Start-Ups. Dies geschieht über den ERP-Startfonds, über den sich die KfW mit maximal 5 Mio. EUR beteiligt. Voraussetzung: Ein privater Investor muss die gleiche Summe locker gemacht haben."
Link zum Artikel:
www.swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/...teine;art4325,3316070
Der entscheidende Hinweis scheint mir hierin zu liegen:
"Bislang werden Carbonteile zu 90 Prozent in Handarbeit gefertigt. Deshalb wird fast ausnahmslos in Asien produziert."
Durch die Automatisierung würde sich die Carbonproduktion hierzulande die technologische Position erobern, die es in anderen Ingenieursdisziplinen auch hat. Ich setze daher auf den Instinkt von Frau Klatten und auf die Cleverness von BMW und VW, dass sie diese Technik fördern und an sich ziehen.