Um mal ein wenig Nüchternheit/Sachlichkeit in die ARP Diskussion zu bringen: grundsätzlich gehört das Überschusskapital, also der Teil des Cashes der nicht für das tägliche Geschäft gebraucht wird, der Unternehmung und damit den Aktionären. Das Management sollte dieses Überschusskapital im Sinne der Aktionäre verwalten/einsetzen was grundsätzlich vier Möglichkeiten bedeutet: a) einsetzen für organisches Wachstum (R&D Ausgaben), b) für externes Wachstum (Akquisitionen mit Mehrwert für die Aktionäre), c) Rückgabe an die Aktionäre über Dividenden und d) Rückgabe an die Aktionäre über Aktienrückkäufe. Ein simples Horten von Überschusskapital mit dem Blick Richtung „empire building“ gehört hingegen nicht zu den Aufgaben des Managements.
Das ARP von Dialog im Jahre 2016 war damals in meinen Augen der richtige Schritt. Ein Apple Design Out war sowohl für uns hier im Forum als auch scheinbar für Bagherli ein völlig unrealistisches Szenario (versteht sich von selbst: wenn Bagherli das damals als theoretische Möglichkeit gesehen hätte, dann hätte er das nie starten dürfen). Am Tag der Ankündigung des ARP stand der Kurs bei 27,47 Euro nachdem er kurze Zeit vorher bei 50 Euro stand und die Aussichten von Dialog waren damals sehr rosig inkl. content gain mit dem Sub PMIC in den neuen iPhones. Kein Jahr später stand der Kurs wieder bei knapp 50 Euro. Also aus Sicht von damals (klar, heute sind wir alle klüger) war das mE eine gute Entscheidung und gutes Timing - bis im April letzten Jahres die Apple Design Out Saga begann.
So, wie sieht das heute aus? Erst mal vorab: wie oben geschrieben, Dialog steckt mitten in Übernahmeverhandlungen, das Quartal ist so gut wie durch und Newsflow in Sachen Design Wins könnte anstehen. In so einer Situation dürfen die mE gar kein Programm starten.
Zweitens: der Start eines ARP wäre in der aktuellen Situation mE etwas hirnrissig. Wenn die diese riesige Akquisition stemmen wollen, dann brauchen die jeden USD an Cash und ein Vernichten im Rahmen eines ARP wäre kontraproduktiv.
Drittens: wenn die Übernahme scheitert, dann wäre die immense Cash Position Dialogs für mich das Hauptargument für eine Übernahme Dialogs, die uns Aktionäre halbwegs mit einem blauen Auge aus diesem Investment herausbringen würde. Anders gesprochen: die Attraktivität Dialogs für einen potenziellen Übernehmer formiert sich zu einem großen Teil aus der Cash Position, die man daher erhalten sollte.
Ein ARP wäre für mich daher nur in einem Szenario sinnvoll wenn a) Dialog sein SYNA-Abenteuer absagt (bzw. sich kleinere Ziele sucht) und b) sich auch selber nicht zum Verkauf stellen will. Also wenn Bagherli sagt „wir machen jetzt ganz normal weiter, der Markt übertreibt völlig, wir werden nie unter die Umsatz-Milliarde fallen und behalten die 500 MIo USD Apple Umsatz für die nächsten Jahre, in zwei Jahren sehe ich uns wieder bei 25 Euro“ oder so ähnlich.