@Kaktus, ja, der 2018er Ausblick war solide/positiv, aber ich frage mich, warum hier im Forum so viel Wert darauf gelegt wird oder so viel davon erwartet wird wenn es doch ein ganz anderes beherrschendes Thema gibt.
Lass mich das mal mit einer Analogie versuchen: Dir wird ne Villa für einen Spottpreis im Ruhrgebiet angeboten; tolle Lage, Pool, Riesen-Grundstück. Das Problem ist nur: es kann sein, dass RWE den Ort in 2020 im Rahmen des Tagebergbaus platt macht. Kaufst Du die Villa und interessiert es Dich dabei ob in diesem Jahr und in 2019 noch der Garten gemacht und DSL verlegt wird?
In Zahlen ausgedrückt: sollte Dialog in diesem Jahr 100 Mio USD mehr Umsatz erwirtschaften als erwartet, das bei ca. 15% Nettomarge, dann bedeutet das weniger als 0,20 Euro je Aktie. Damit wird mE klar, dass sich der Unternehmenswert viel mehr an dem mittel-bis langfristigen Ertragspotential orientiert denn daran, was in diesem oder im nächsten Jahr noch verdient wird.
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Zum Thema Übernahme: wer soll denn Dialog übernehmen? Dazu ein paar Gedanken:
- Eine Übernahme-Offerte sollte ja immer einen Anreiz für die aktuellen Aktionäre beinhalten, die Aktien anzudienen.
- Nehmen wir mal 30% Prämie auf den Kurs an, dann bedeutet das, dass ein Angebot zu ca. 30 Euro reinkommen müsste.
- Damit müsste ein Aufkäufer ziemlich genau 3 Mrd. USD auf den Tisch legen.
- Der Nicht-Apple Umsatz in 2017 betrug rund 350 Mio USD (ca. 420 Mio USD inkl. Silego pro-forma), der underlying profit 33 Mio USD...aber VOR den nicht auf die Geschäftsbereiche verteilten Konzernkosten. Ex-Apple würde ich da bei der momentanen Kostenbasis einen deutlichen Verlust erwarten.
- Für Dialog ohne Apple Geschäft wird mE daher kaum jemand bereit sein ca. 30 Euro / 3 Mrd. USD auf den Tisch zu legen für ein <0,5 Mrd. USD Umsatz Unternehmen, das eine große Restrukturierung durchführen müsste.
Im Umkehrschluss bedeutet das für mich, dass eine Übernahme Dialogs nur stattfindet wenn i) mehr Klarheit herrscht wieviel der Apple Umsätze man behalten wird und vor allem ii) wenn Apple einer solchen Übernahme zustimmt. Dazu kommt noch, dass eine Übernahme auch von den Behörden genehmigt werden muss, siehe Atmel, Aixtron, Avago, Micron.
Das vorausgesetzt kann ich mir eine Übernahme durch Tsinghua eigentlich nur schwer vorstellen. Würde Apple das akzeptieren, dass die asiatische Konkurrenz in den Besitz hochrelevanter Daten kommt? Würden das die Behörden akzeptieren, dass das Dialog Know How in die Hände der Chinesen fällt? Gerade nachdem was in den letzten 10 Tagen passiert ist??
Apple selber kann ich mir auch nicht vorstellen - wenn dann hätten die das schon längst getan...warum gerade jetzt, wo man selber eigene Kapazitäten entwickelt hat?
Damit bleiben eigentlich nur amerikanische bzw. europäische Chip-Hersteller übrig. Und diese müssten sich ihren eigenen Aktionären ggü. verantworten, warum sie 3 Mrd. USD auf den Tisch gelegt haben, sollte Apple dann später wegfallen. D.h. diese Unternehmen könnten das nur rechtfertigen wenn sie groß genug sind und eine solche Transaktion auch aus strategischen Gründen sinnvoll wäre, z.B. um die Entwicklerteams zu sichern.
Ich lasse einfach mal ein paar Namen fallen, die Einzelanalyse überlasse ich Euch :-). Infineon, STM, Maxim, Intel, TI, Silicon Labs, Cirrus und andere Apple Zulieferer wie Skyworks (eher nicht w/ Apple Konzentration), TI, Qualcomm (eher auch nicht, eigenes Produkt). Oder man setzt dadrauf, dass eine Heuschrecke das Ding filetiert: Automotive an Elmos/IFX/Melexis, Connectivity an Nordic, Advanced Mixed Signal an die o.a. Gruppe. Klingt für mich auch nicht soo wahrscheinlich.
Abschließend: ja, klingt eigentlich toll für eine Übernahme - Cash, solide Bilanz, gutes Management, Kurs implodiert, M&A Mania im Chip-Bereich, Wachstumsbereiche, etc. Aber Unternehmen werden ja nicht theoretisch übernommen, sondern von realen Unternehmen. Und wenn man sich dann mal die möglichen Namen überlegt, dann sieht das ganze anders aus.
Freue mich wie immer über Rückmeldungen und dass ich falsch liege. Schönes WE!