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Zu Deiner Frage „Ich frage mich warum Apple das tun sollte, wenn sie doch gar keine Absicht haben mit Dialog weiterzuarbeiten.“ gibt es mE mehrere Antworten:
1) Die für mich plausibelste: Apple ist einfach noch nicht so weit, da erst vor einigen Quartalen mit der Eigenentwicklung angefangen. Das gilt erst recht für das Premium iPhone, wo die Ansprüche die höchsten sind. JB hat das ja recht deutlich gesagt mit „can do a Main PMIC…not necessarily den für das Flagship“ oder so ähnlich (genaue Passage gerade nicht parat)
2) Es ging mE nie darum, dass Apple nicht mehr mit Dialog weiterarbeiten will, sondern JB hat ganz klar gemacht, dass es seiner Meinung nach maximal ein dual sourcing wäre und die sub PMICs klar bei Dialog bleiben.
3) Ein ganz banaler Grund könnte sein, dass Apple so viel Wissen wie möglich von Dialog abschöpfen möchte und deswegen den Prozess so weiterlaufen lässt. Außerdem ist der Prozess für das 2019er iPhone ja schon vor längerer Zeit losgetreten worden.
4) Vielleicht will Apple das zukünftig jedes Jahr machen, sprich: zu den internen Entwicklungen externe Konkurrenz zu behalten und dann immer wieder aufs Neue entscheiden, welches Produkt das bessere ist und genommen wird.
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Zu den möglichen „Beweggründen“ bzw. „wer etwas davon hat“:
Dass ein Nikkei-Artikel passend zur Charttechnik lanciert wurde, ist mE ne Räuberpistole. Bei dem Ausmaß von diesem Artikel (=> evtl. Verlust von 75% der Umsätze) bedarf es sicherlich keiner fragilen charttechnischen Sondersituation, um einen großen Kursrutsch loszutreten. Außerdem dachte ich, dass bisher keine langfristigen Investoren ausgestiegen sind (sowohl die Foristi als auch die großen Instis sind ja noch dabei)?
Was hat denn der chin. Investor bisher gewonnen? Ja, er hat vllt zwei Prozent zu günstigen (per Stand heute eher teuren) Kursen zukaufen können. Aber dafür hat er auf seinen bisherigen 7%igen Anteil Riesen-Verluste produziert und die equity story mittelfristig zerstört. Klingt für mich nicht plausibel.
Dass Apple so mit seinen Zulieferern umspringt und solche Geschichten über die Presse lanciert – und zwar gerade mit den „Freunden“ (sprich: Nicht-Konkurrenten), klingt für mich auch nicht schlüssig. Apple sollte ein Grundinteresse haben, dass es seinen Zulieferern gut geht und dass diese viel Geld in eine bestmögliche Technologie/Entwicklung stecken (dass man trotzdem hart im Preis verhandelt, versteht sich von selbst).
Dass Dialog das sogar selber absichtlich gemacht haben soll, ist für mich völliger Quatsch. Warum sollte man eine Übernahme wahrscheinlicher machen dadurch dass man einen Großteil der Umsätze verliert? Klingt so ein wenig wie die These, dass man als Stürmer Eigentore schießt, damit man von Real Madrid abgeworben wird. Man demoralisiert die Belegschaft, kreiert für jeden persönliche Verluste (alleine JB einen zweistelligen Mio-Betrag?), das Management Gehalt ist sicherlich auch vom Kurs abhängig, man macht sich für neue Mitarbeiter unattraktiv, etc. – warum?
Vielleicht muss man sich mal von dem Gedanken lösen, dass da jemand (böses) dahintersteckt, sondern dass da einfach eine ökonomische (oder von mir aus auch nicht-ökonomische) Unternehmens-Entscheidung Apples dahintersteckt. Durch eine solche Entscheidung Apples ist Dialog von 50 Cent auf 50 Euro gestiegen und falls sich das ganze bewahrheitet, geht es zurück auf 20 Euro.
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Zu dem Interview: bitte nicht vergessen, dass JB zwischenzeitlich auch mal ein äußerst fragwürdiges Interview in der FuW gegeben hat, in dem er „die Entwicklungen beim Hauptkunden bestätigte“ (Jack, hatte das damals hier reingestellt). Also die Botschaft war nicht immer konsistent.
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Deine Begründung für das Senken der Kursziele klingt für mich auch nicht schlüssig. Seit zig Jahren hat Apple einen 75% Anteil, dann hätten die die Kursziele gar nicht erst so hoch nehmen dürfen – und erst recht nicht die Aktie auf Kaufen haben dürfen.