Aktienkultur
Aktionärszahlen in Deutschland weiter rückläufig

28. Juli 2004 Die Deutschen haben das Vertrauen in Aktien als Anlageform immer noch nicht zurückgewonnen. Einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zufolge setzt sich der seit drei Jahren andauernde Rückgang der Aktionärszahlen sogar fort.
Die Zahl der Besitzer von Aktien oder Anteilen an Aktienfonds habe sich in den ersten sechs Monaten 2004 auf 10,6 Millionen von 11,1 Millionen im vorangegangenen Halbjahr verringert, teilte das DAI am Mittwoch in Frankfurt mit. Im ersten Halbjahr 2001 hatten noch 13,4 Millionen Deutsche Aktien oder Fondsanteile gehalten - der bisherige Rekordwert.
Mit einer Aktionärsquote von derzeit 16,4 Prozent der Bevölkerung liege Deutschland weiterhin weit hinter anderen Industriestaaten wie beispielsweise Amerika zurück. Vor allem der direkte Kauf von Dividendenpapieren sei für viele Deutsche erneut unattraktiver geworden, fügte das DAI hinzu. Die Zahl der direkten Aktionäre habe sich im ersten Halbjahr um rund 500.000 auf 4,6 Millionen verringert, während die Zahl der Besitzer von Fondsanteilen mit etwa acht Millionen praktisch unverändert geblieben sei.
Nur steigende Kurse können für mehr Interesse sorgen
„Die Enttäuschung über die Kursverluste sitzt tief, und die Seitwärtsbewegung im ersten Halbjahr hat nur wenige Anleger zur Neuanlage ermuntert", sagte DAI-Chef Rüdiger von Rosen. Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), urteilte ähnlich, wies aber noch auf einen anderen Aspekt hin: „Das ist nach wie vor ein Resultat der katastrophalen Entwicklungen seit dem Jahr 2000", sagte sie mit Blick auf eine Reihe von Bilanzskandalen. „Das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt muß erst wieder hergestellt werden. Das ist ein langwieriger Prozeß.“
Sowohl von Rosen als auch Keitel sehen nachhaltige Kurssteigerungen und erfolgreiche Neuemissionen (IPO) als Medizin für wieder steigende Aktionärszahlen. Doch gerade an Letzterem hatte es am deutschen Aktienmarkt zuletzt gefehlt. Nachdem 2003 erstmals seit 25 Jahren kein einziges Unternehmen an die Börse gegangenen war, haben in den vergangenen Monaten bereits mehrere Firmen ihre Börsengänge abgesagt.
Außerdem wurde der milliardenschwere Börsengang der Postbank im Juni von einem wochenlangen Gezerre um den Emissionspreis überschattet. Die Muttergesellschaft Deutsche Post hatte nach massiver Kritik von Fondsmanagern den Ausgabepreis für die Postbank-Aktie in letzter Minute gesenkt.
Text: Reuters
Bildmaterial: F.A.Z.
