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Prof. Otte-Kolumne: Die Aktie, die (k)einer will
Freitag 25. August 2006, 10:20 Uhr
Sehr geehrte Privatanleger,
seit dem Kursabsturz vom zehnten und elften August empfehle ich die Aktie der Deutschen Telekom AG (Xetra: 555750 - Nachrichten) . Mittlerweile ist die Aktie vom Tief bereits wieder sieben Prozent gestiegen und das kontinuierlich. Zusammen mit den sieben Prozent Dividendenrendite sind das 14 Prozent Rendite: ein schöner, und aus meiner Sicht risikoloser Gewinn. Es ist aber noch nicht zu spät, einzusteigen.
Der Kursabsturz war ein klares Beispiel für eine deutliche Überreaktion der Märkte. Am 10.08.2006 ANZEIGE
rutsche die Aktie zudem zeitweilig um satte zehn Prozent auf unter 11,00 Euro, da das Unternehmen seine Prognosen reduzieren musste. Damit fiel die Aktie wieder unter den Erstausgabekurs vom 1996. Viele Kleinaktionäre, die nach fast 100 Euro in der Spitze eine Talfahrt bis auf fast 8 Euro im Jahr 2002 mitmachen mussten und 2005 immerhin wieder gut 17 Euro gesehen hatten, waren nun endgültig frustriert: "Aus dieser Aktie wird nie mehr etwas!"
Eine Anlegerin, der ich die Aktie empfahl, schrieb kurz und bündig zurück:
Sehr geehrter Herr Prof. Otte,ich bestätige hiermit Ihr Schreiben. Möchte auf keinen Fall Telekom Aktien erwerben. Könnten Sie mir andere Vorschläge machen? Viele Grüße, O.
In diesem Sinne äußerten sich einige Anleger. Allerdings gab es auch Unterstützung:
Sehr geehrter Herr Prof. Otte,genauso, wie im folg. Analyse geschrieben, habe ich seit einiger Zeit die Dt. Telekom eingeschätzt, bevor ich diese Zeilen gelesen habe! Die Telekom wird von der Regulierungsbehörde stranguliert. Ich sehe im Moment keine Perspektive, außer: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern!" Gruß, G.
Warum ist die Telekom für den Value-Investor interessant? Immerhin hat das Unternehmen seine Prognosen zurücknehmen müssen. 1. Das Eigenkapital des Konzerns beträgt 49,3 Milliarden Euro. Die Börsenbewertung am 21.08.2006 betrug 48,9 Milliarden Euro, das Kurs-Buchwert-Verhältnis lag also unter eins. Eine Bewertung und solche Marktstimmung bei einem prinzipiell gesunden Unternehmen sind geradezu eine Einladung, die Deutsche Telekom näher zu betrachten.
Die Umsatzerlöse aus Telefonie- und anderen Dienstleistungen abzüglich der zurechenbaren Umsatzkosten (zum Beispiel Netze, Hard- und Software, Servicemitarbeiter) ergeben das Bruttoergebnis vom 27.742.000.000 Euro. Zieht man die Vertriebs- und Verwaltungskosten ab, kommt man zu dem, was die Amerikaner "operating income" nennen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge können außerordentliche Kosten (z.B. Sonderabschreibungen) und Erlöse (z.B. aus dem Verkauf von Tochtergesellschaften) beinhalten. Berücksichtigt man diese, erhält man das Betriebsergebnis von 7.622.000.000 Euro. Der Jahresüberschuss 2005 der Deutschen Telekom AG betrug 6.016.000.000 Euro. Damit ist die Deutsche Telekom das in absoluten Zahlen profitabelste deutsche Unternehmen. Das muss man auch mal sagen!
Die einfachste Möglichkeit, die Deutsche Telekom zu bewerten, wäre sicherlich, den Jahresgewinn anzusetzen und dann die Formel für die ewige Rente anzuwenden. Setzen wir zunächst Kapitalkosten von 10% an, so erhalten wir für den Ertragswert:
W = c/r = 6.016 * 1/0,1 = 60.16 Mrd. Euro
Damit wäre die Deutsche Telekom bei einer aktuellen Börsenkapitalisierung von 49,9 Milliarden Euro an der Börse unterbewertet. Allerdings – die Telekom schrumpft. Setzen wir einen jährlichen Rückgang von drei Prozent an, so müssen wir diese drei Prozent zu dem Kapitalkosten addieren (bei Wachstum würden wir sie subtrahieren). Der Wert einer permanent vor sich hinschrumpfenden Telekom betrüge:
W = c /(r-g) = 6.016 /0,13 = 46,3 Mrd. Euro.
Nach dieser konservativen Rechnung wäre die Deutsche Telekom leicht überbewertet. Das ist aber wirklich eine sehr konservative Rechnung, bei der wir mit einem Rückgang von drei Prozent pro Jahr ausgehen. Irgendwann werden sich Wettbewerber wie United Internet (Xetra: 508903 - Nachrichten) etabliert haben und der Anteilsschwund der Telekom wird aufhören. (Dann werden die Konkurrenten ja selber zu großen Konzernen und haben einige Vorteile nicht mehr.)
Also: die Telekom ist gut nach unten abgesichert, und sieben Prozent Dividendenrendite sind nicht zu verachten, und eine Aktie, die (k)einer will. So sehen Value-Investments aus!
Auf gute Investments, Ihr
Prof. Dr. Max Otte
Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
Prof. Otte-Kolumne: Die Aktie, die (k)einer will
Freitag 25. August 2006, 10:20 Uhr
Sehr geehrte Privatanleger,
seit dem Kursabsturz vom zehnten und elften August empfehle ich die Aktie der Deutschen Telekom AG (Xetra: 555750 - Nachrichten) . Mittlerweile ist die Aktie vom Tief bereits wieder sieben Prozent gestiegen und das kontinuierlich. Zusammen mit den sieben Prozent Dividendenrendite sind das 14 Prozent Rendite: ein schöner, und aus meiner Sicht risikoloser Gewinn. Es ist aber noch nicht zu spät, einzusteigen.
Der Kursabsturz war ein klares Beispiel für eine deutliche Überreaktion der Märkte. Am 10.08.2006 ANZEIGE
rutsche die Aktie zudem zeitweilig um satte zehn Prozent auf unter 11,00 Euro, da das Unternehmen seine Prognosen reduzieren musste. Damit fiel die Aktie wieder unter den Erstausgabekurs vom 1996. Viele Kleinaktionäre, die nach fast 100 Euro in der Spitze eine Talfahrt bis auf fast 8 Euro im Jahr 2002 mitmachen mussten und 2005 immerhin wieder gut 17 Euro gesehen hatten, waren nun endgültig frustriert: "Aus dieser Aktie wird nie mehr etwas!"
Eine Anlegerin, der ich die Aktie empfahl, schrieb kurz und bündig zurück:
Sehr geehrter Herr Prof. Otte,ich bestätige hiermit Ihr Schreiben. Möchte auf keinen Fall Telekom Aktien erwerben. Könnten Sie mir andere Vorschläge machen? Viele Grüße, O.
In diesem Sinne äußerten sich einige Anleger. Allerdings gab es auch Unterstützung:
Sehr geehrter Herr Prof. Otte,genauso, wie im folg. Analyse geschrieben, habe ich seit einiger Zeit die Dt. Telekom eingeschätzt, bevor ich diese Zeilen gelesen habe! Die Telekom wird von der Regulierungsbehörde stranguliert. Ich sehe im Moment keine Perspektive, außer: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern!" Gruß, G.
Warum ist die Telekom für den Value-Investor interessant? Immerhin hat das Unternehmen seine Prognosen zurücknehmen müssen. 1. Das Eigenkapital des Konzerns beträgt 49,3 Milliarden Euro. Die Börsenbewertung am 21.08.2006 betrug 48,9 Milliarden Euro, das Kurs-Buchwert-Verhältnis lag also unter eins. Eine Bewertung und solche Marktstimmung bei einem prinzipiell gesunden Unternehmen sind geradezu eine Einladung, die Deutsche Telekom näher zu betrachten.
Die Umsatzerlöse aus Telefonie- und anderen Dienstleistungen abzüglich der zurechenbaren Umsatzkosten (zum Beispiel Netze, Hard- und Software, Servicemitarbeiter) ergeben das Bruttoergebnis vom 27.742.000.000 Euro. Zieht man die Vertriebs- und Verwaltungskosten ab, kommt man zu dem, was die Amerikaner "operating income" nennen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge können außerordentliche Kosten (z.B. Sonderabschreibungen) und Erlöse (z.B. aus dem Verkauf von Tochtergesellschaften) beinhalten. Berücksichtigt man diese, erhält man das Betriebsergebnis von 7.622.000.000 Euro. Der Jahresüberschuss 2005 der Deutschen Telekom AG betrug 6.016.000.000 Euro. Damit ist die Deutsche Telekom das in absoluten Zahlen profitabelste deutsche Unternehmen. Das muss man auch mal sagen!
Die einfachste Möglichkeit, die Deutsche Telekom zu bewerten, wäre sicherlich, den Jahresgewinn anzusetzen und dann die Formel für die ewige Rente anzuwenden. Setzen wir zunächst Kapitalkosten von 10% an, so erhalten wir für den Ertragswert:
W = c/r = 6.016 * 1/0,1 = 60.16 Mrd. Euro
Damit wäre die Deutsche Telekom bei einer aktuellen Börsenkapitalisierung von 49,9 Milliarden Euro an der Börse unterbewertet. Allerdings – die Telekom schrumpft. Setzen wir einen jährlichen Rückgang von drei Prozent an, so müssen wir diese drei Prozent zu dem Kapitalkosten addieren (bei Wachstum würden wir sie subtrahieren). Der Wert einer permanent vor sich hinschrumpfenden Telekom betrüge:
W = c /(r-g) = 6.016 /0,13 = 46,3 Mrd. Euro.
Nach dieser konservativen Rechnung wäre die Deutsche Telekom leicht überbewertet. Das ist aber wirklich eine sehr konservative Rechnung, bei der wir mit einem Rückgang von drei Prozent pro Jahr ausgehen. Irgendwann werden sich Wettbewerber wie United Internet (Xetra: 508903 - Nachrichten) etabliert haben und der Anteilsschwund der Telekom wird aufhören. (Dann werden die Konkurrenten ja selber zu großen Konzernen und haben einige Vorteile nicht mehr.)
Also: die Telekom ist gut nach unten abgesichert, und sieben Prozent Dividendenrendite sind nicht zu verachten, und eine Aktie, die (k)einer will. So sehen Value-Investments aus!
Auf gute Investments, Ihr
Prof. Dr. Max Otte
Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
