Der Aufsichtsrat der Telekom ist höchst unzufrieden über die Entwicklung des Konzerns.
Nach Informationen der Netzeitung schaut sich das Gremium schon nach einem Nachfolger für Vorstands-Chef Ricke um.
Von Marcus Gatzke
Die Unzufriedenheit im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom über die schlechte Entwicklung des Unternehmens wächst.
Nach Informationen der Netzeitung ist das Kontrollgremium schon dabei, das Terrain nach einem möglichen Nachfolger für Konzern-Chef Kai-Uwe Ricke zu sondieren.
Dabei bevorzugen die Aufseher einen Manager, der von außerhalb kommt.
Dem jetzigen Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick werden wenig Chancen auf die Nachfolge eingeräumt.
Der Vertrag von Ricke läuft noch Herbst 2007 - viel Zeit bleibt deshalb nicht, einen Erben zu präsentieren.
Verträge von Vorständen werden im Regelfall schon ein Jahr vor dem offiziellen Ende vorzeitig verlängert.
Zwei-Jahres-Vertrag möglich
Die Alternative ist dem Vernehmen nach ein neuer Zwei-Jahres-Vertrag für Ricke und nicht fünf Jahre, wie normalerweise üblich.
«Das wäre eine Ohrfeige für Ricke und ein Abschied auf Raten», hieß es in informierten Kreisen.
Gerade nach dem Einstieg des Finanzinvestors Blackstone ist der Druck auf den Vorstandsvorsitzenden gewachsen, gute Zahlen und eine hohe Rendite vorzuweisen.
Die amerikanische Investment-Gesellschaft hatte sich im April mit knapp fünf Prozent am ehemaligen Staatskonzern beteiligt.
Beraten wird Blackstone von Ron Sommer - Vorgänger von Ricke im Amt des Vorstandsvorsitzenden der Telekom.
Ministerium: Nur Gerüchte
Offiziell werden jegliche Gerüchte über eine Ablösung des in jüngster Vergangenheit eher glücklos agierenden Ricke dementiert.
Die Telekom befinde sich in einem weltweit immens wandelnden Markt, sagte Ricke selbst am Donnerstag - kurz nach der Bekanntgabe einer massiven Gewinnwarnung für 2006 und 2007.
«Ich bin bereit und auch der Vorstand ist bereit, diese Chance wahrzunehmen.»
Auch in der Regierung, die über die staatseigene KfW und auch direkt noch einen großen Anteil an der Telekom hält, will man von einem Rücktritt nichts wissen.
Alles nur Gerüchte, heißt es aus dem Finanzministerium.
Ricke will Ergebnisse sehen
Die Frage ist, ob der Aufsichtsrat Ricke die notwendige Zeit gibt, die rasante Kundenflucht zu stoppen.
Wie groß der Druck ist, zeigen jüngste Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden in einem internen Gespräch mit Managern des Konzerns:
Er erwarte «Ergebnisse von jedem Einzelnen», soll Ricke dort gesagt und angekündigt haben, in den nächsten Wochen in jeder Sparte persönlich mit den Verantwortlichen über deren Leistungen zu sprechen.
Allein im zweiten Quartal verlor der Konzern 500.000 Kunden.
Kritiker monieren, dass Ricke die Schnelligkeit, mit der die verschiedenen Telekom-Märkte – Festnetz, Internet und Mobilfunk - zusammenwachsen, unterschätzt hat.
Auch die Konkurrenz hat Ricke nicht ernst genug genommen: Breitbandige Internetanschlüsse werden fast ausschließlich über den Preis verkauft – egal, wer ihn anbietet.
Aktienkurs bleibt schwach
Diese Entwicklung hat die Telekom zu spät erkannt - sie setzt erst jetzt auf transparente und günstige Tarife.
Im Herbst will der Konzern seine Tarifstruktur vereinfachen: So soll ein Bündel aus Telefonanschluss und DSL inklusive aller Festnetzgespräche und Internetzugang für deutlich weniger als 40 Euro angeboten werden - so weit sind viele Konkurrenten schon jetzt.
Die schwache Bilanz der Telekom spiegelt sich auch im Aktienkurs des Unternehmens wider.
Die Papiere verzeichnen die schlechteste Entwicklung im Dax und notieren unter dem ersten Ausgabekurs vom ersten Börsengang von vor zehn Jahren.