Die Misere des traditionellen US-Einzelhandels (Ketten, Malls) ist nicht nur die Kehrseite des Siegeszug von Online-Retailern wie Amazon. Brick&Mortar-Läden leiden auch durchweg unter einer erdrückenden Schuldenlast.
Besonders hart betroffen sind Ketten, die einst überteuert von Private-Equity-Firmen vom Markt weggekauft wurden. Denn dabei werden die Schulden für die Übernahme der übernommenen Firma aufgebürdet, was die Fremdkapitalquote noch weiter in die Höhe treibt.
Ich habe schon häufiger geschrieben, dass erhöhtes Leverage (resultiert z. B. auch aus immer mehr Junkbond-Emissionen für Aktienrückkäufe) besonders dann zur Gefahr wird, wenn das EBITA wegbricht. Denn dann können die Firmen auslaufende Bonds nicht mehr bedienen - und die Ratingagenturen senken ihre Bonitäts-Daumen, was ein Weiterrollen der Schulden fast unmöglich machen kann.
Zum Bankrott der 1948 gegründeten Spielzeug-Kette Toys R Us trug gemäß Financial Times (Artikel unten) vor allem die extreme Schuldenlast aus ihrer PE-Übernahme im Jahr 2005 bei. Diese belastete die Firma noch stärker als die immer dominantere Online-Konkurrenz. Toys R Us schob 5 Miliarden Dollar Schulden vor sich her, auf die jährlich 250 Mio. Dollar Zinsen zu zahlen waren - Geld, das vom ohnehin wegbröckelnden Umsatz abging.
www.ft.com/content/02a5edbe-9d93-11e7-8cd4-932067fbf946
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Artikel im TA-Blog (deutsch):
blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/...r-blauem-himmel/
Oder hier noch detaillierter bei Bloomberg (englisch):
www.bloomberg.com/graphics/2017-retail-debt/
...The reason isn’t as simple as Amazon.com Inc. taking market share... The root cause is that many of these long-standing chains are overloaded with debt — often from leveraged buyouts led by private equity firms. There are billions in borrowings on the balance sheets of troubled retailers, and sustaining that load is only going to become harder—even for healthy chains.
The debt coming due, along with America’s over-stored suburbs and the continued gains of online shopping, has all the makings of a disaster. The spillover will likely flow far and wide across the U.S. economy. There will be displaced low-income workers, shrinking local tax bases and investor losses on stocks, bonds and real estate. If today is considered a retail apocalypse, then what’s coming next could truly be scary...