Ich bin ebenfalls mit dem, was Du schreibst, einverstanden. In Deutschland sind die Realzinsen zurzeit allerdings auch negativ. Dem FTD-Artikel (unten) zufolge liegt die Inflation hier zu Lande bei 2,5 % - ergibt bei 2 % Zinsen einen negativen Realzins von -0,5 %. Dagegen ist der negative Realzins bei den Amis 3,75 % Zinsen minus 4 % Inflation = -0,25 %. Erhöht die Fed ein weiteres Mal, was wahrscheinlich ist, sind die Realzinsen in USA Null, während sie hier bei -0,5 % verharren. Angesichts der Daten (unten) wird die EZB allerdings auch kaum umhin kommen, die Zinsen demnächst zu erhöhen.
Ungeachtet der Realzins-Unterschiede ist eine mit nur 2,5 % Inflation belastete Währung wie der Euro (und das sind auch nur die Deutschland-Daten, EU-weit ist die Inflation niedriger) fundamental attraktiver als eine mit 4 % belastete - zumal sich aus den von Dir genannten Gründen (Asiaten-Keller voller Dollars) die US-Inflation weiter erhöhen dürfte. Zusätzliches Geld zu drucken ist für die USA die eleganteste Methode, auf Kosten der restlichen Welt in Saus und Braus zu leben.
Da die Börse und auch der Devisenmarkt ein "Folterinstrument" ist, das darauf abzielt, die maximale Zahl von Marktteilnehmern zu frustrieren, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Asiaten für ihre "Dummheit", so viele Dollars gekauft zu haben, nun auch noch mit steigenden Dollar-Kursen belohnt werden. Wer darauf wettet, wettet letztlich gegen die (klammheimlichen) Interessen der USA! Ein US-Banker bezeichnete die Dollar-überladenen Asiaten mal hinter vorgehaltener Hand als "foreign suckers" - zu deutsch: "ausländische Dummköpfe".
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FTD, 26.9.05
Inflation auf höchstem Niveau seit 2001
Der Anstieg des Ölpreises und ein unerwarteter Preissprung bei Bekleidung haben die deutsche Inflation im September auf den höchsten Stand seit über vier Jahren getrieben. Die letzte Stufe der Tabaksteuererhöhung unterstützte die Entwicklung.
Die Verbraucher mussten 0,4 Prozent mehr für ihre Lebenshaltung bezahlen als im August, ermittelte das Statistische Bundesamt auf Basis der Daten aus sechs Bundesländern. Die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr sprang von 1,9 Prozent im Vormonat auf 2,5 Prozent. Zuletzt stiegen die Preise im Juni 2001 dermaßen deutlich an.
Heizöl war um bis zu 45 Prozent teurer als im Vorjahr. Die Kraftstoffpreise kletterten um bis zu 19 Prozent. Bekleidung und Schuhe waren teilweise rund sechs Prozent teurer als im August, was Experten auch auf den EU-Import-Stopp chinesischer Textilien und das Ende der Schlussverkäufe zurückführten. Die letzte Stufe der Tabaksteuererhöhung verteuerte Zigaretten und Tabak.
Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,1 Prozent zum Vormonat und 2,3 Prozent zum Vorjahr gerechnet. Der für die europäische Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg um 0,4 zum Vormonat und lag damit 2,7 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Endgültige Daten will das Bundesamt Mitte Oktober vorlegen.