HANDELSBLATT, Montag, 4. Dezember 2006, 20:26 UhrInvestoren reagieren zunehmend nervösDollar-Schwäche bewegt die BörsenVon Norbert Häring und Torsten RieckeDie immer deutlicher werdende Konjunkturschwäche in den USA droht, die Finanzmärkte nach unten zu ziehen. Jüngstes Beispiel ist der überraschend starke Einbruch des Einkaufsmanagerindexes für die verarbeitende Industrie. Nachdem der Wert unter die magische 50-Prozent-Marke gefallen war, drehten am Freitagnachmittag die Aktienmärkte weltweit ins Minus.Illustration: Images.com/CorbisFRANKFURT/NEW YORK. Verstärkt wurde der Ausverkauf an den Börsen dadurch, dass sich mit der Wachstumsschwäche auch der Verfall des US-Dollars beschleunigt hat. Der „Greenback“ wird gegenüber dem Euro nur noch mit 1,33 Dollar gehandelt. Die US-Währung nähert sich damit ihrem Allzeittief. Vor zwei Jahren hatte der Euro 1,36 Dollar gekostet. Sollten sich Wachstums- und Dollar-Schwäche in den USA fortsetzen, könnte das nicht nur die Hoffnungen der Börsianer auf eine Jahresendrally zunichte machen. Experten rechnen außerdem damit, dass auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Kurs überdenken muss. „Wir gehen davon aus, dass der Wachstumsrückgang die Fed zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik bewegen wird“, schreibt James O’Sullivan, Volkswirt bei der Schweizer Großbank UBS in Stamford. An den Terminmärkten für Zinskontrakte haben die Händler inzwischen eine erste Zinssenkung bis März 2007 fest eingepreist.Die wachsenden Risiken von der Konjunktur- und Devisenseite bringen die amerikanischen Notenbanker in die Zwickmühle. Fed-Chairman Ben Bernanke hatte sich erst vergangene Woche zuversichtlich über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geäußert und das Augenmerk der Finanzmärkte auf die anhaltenden Inflationsgefahren gelenkt. Michael Moskow, Fed-Präsident in Chicago, will deshalb weitere Zinserhöhungen nicht ausschließen. Die Leitzinsen liegen derzeit bei 5,25 Prozent. <!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Ökonomen haltendie letzte Wachstumsprognose der Fed für viel zu optimistisch. <!--/nodist-->Viele Ökonomen halten jedoch die letzte Wachstumsprognose der Fed mit einem Plus von bis zu 3,25 Prozent im kommenden Jahr für viel zu optimistisch. Sie rechnen nur noch mit einem Zuwachs von rund zwei Prozent. „Wir sollten uns mehr Sorgen machen um die Rezession auf dem Immobilienmarkt als um steigende Arbeitskosten“, sagte Joe LaVorgna von der Deutschen Bank in New York. Eine Reihe von Fachleuten verweist zudem darauf, dass die Notenbank in der Vergangenheit meist innerhalb weniger Monate die Zinsen gesenkt hat, nachdem der wichtige Einkaufsmanagerindex unter die 50-Prozent-Marke gefallen war. Für November zeigt der Index nur noch einen Wert von 49,5 Punkten an und signalisiert damit einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität. Auch das Verbrauchervertrauen hat sich spürbar abgekühlt. Sollte es tatsächlich demnächst zu einer Zinssenkung in den USA kommen, würde das vermutlich den Dollar-Verfall noch beschleunigen. Zumal die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich gemacht hat, dass sie die Zinsschraube trotz des stärker werdenden Euros anziehen will. „Die (abnehmende) Zinsdifferenz (zwischen Amerika und Europa) könnte den Dollar kollabieren lassen“, sagte Brian Garvey der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Währungsstratege beim Finanzdienstleister State Street rechnet deshalb damit, dass sich die Schwäche der US-Währung fortsetzt, denn die hohe Zinsdifferenz war bisher eine wichtige Stütze für den Dollar-Kurs.<!-- ISI_LISTEN_STOP -->