"Ob die Bondmärkte das Richtige erwarten sei dahingestellt. Wenn man unterstellt, dass die Spekulanten im Aktienmarkt falsch liegen, dann müssen sie auch im Bondmarkt falsch liegen - es sind größtenteils dieselben."Es sind in der Tat dieselben Spekulanten (Hedgefonds bzw. large Specs), und die Wetten gehen beide in dieselbe Richtung. Hedgefonds sind "record-long" in S&P-500 Futures (große und "mini") und in 10-jährigen US-Staatsanleihen (10-year T-note Futures - siehe unten).
Hintergrund der Spekulation ist der Erwartung von Zinssenkungen durch die Fed, die heute morgen auch den Dollar zum Euro schwächeln ließ (EUR/USD stieg über 1,30).
Werden die Zinsen gesenkt, steigen die Kurse der 10-jährigen Staatsanleihen (wobei ihre Zinsrendite sinkt und sich damit den sinkenden Kurzfristzinsen anpasst). Wer einen Future auf 10-jährige (long) hat, verdient bei einer Zinssenkung der Fed daher Geld.
Das Gleiche gilt für den Aktienmarkt. Zinssenkungen erleichtern die Kreditbeschaffung, was die Wirtschaft ankurbelt. Zudem wird über sinkende Hypothekenzinsen der Druck vom Housing-Markt genommen. Folglich sinken die strukturellen Risiken, die Firmen machen höhere Gewinne - und die Aktien steigen. Last not least werden sie attraktiver, weil es weniger Zinsen auf kurzfristige Spareinlagen gibt.
Die große Frage aber bleibt: Stimmt das überhaupt? Kann die Fed in Anbetracht von 2,6 % Inflation (Kernrate, real 4 %) die Zinsen überhaupt senken, ohne die ohnehin schon starke Inflation weiter anzuheizen?
Ich meine: nein. Das glaubt auch Fed-Präsident Lacker, der bei den letzten Fed-Sitzungen für eine Erhöhung gestimmmt hatte, von den anderen, die die Zinsen konstant halten wollten, aber überstimmt wurde.
Eine Zinssenkung kann IMHO lediglich als Notmaßnahme kommen, wenn der Housing-Markt oder die US-Wirtschaft abstürzt. Und eine solche Liquiditätsspritze wird auch immer nur kurzfristig sein (es folgen also bald weitere Erhöhungen), weil sonst die Inflation aus dem Ruder läuft. Auch der schwächelnde Dollar macht Zinssenkungen schwierig, weil dies die Zinsdifferenz zum Euro weiter schmälern würde.
Tendenziell droht ein Stagflations-Szenario: Die Wirtschaft schwächelt, aber die Fed kann wegen wachsender Inflation die Zinsen nicht (oder nicht genügend) senken.
Dann liegen die large Specs - wie üblich - falsch, und zwar sowohl mit ihrer Aktien- als auch bei ihrer Anleihen-Wette. Sie gehen von einem Goldilock-Szenario (weiche Landung) aus, das aber von einer harten Landung - speziell im Housing-Markt - entzaubert zu werden droht.
Speculators Still Very Long S&P Futures
By Tony Crescenzi
10/16/2006 2:40 PM EDT
The latest data from the CFTC indicate that large speculators remain very long S&P 500 futures and 10-year T-note futures. For the 10-year, which has shown greater correlation to the CFTC data, with the activity of speculators seen as a contrary indicator, large speculators trimmed their record long position in the week ended Oct. 10.
But their collective position can still be characterized as extremely long. Large specs are now long 461,000 contracts, a big dip from the previous week when long specs reached a record 521,000 contracts. This is still about 200,000 more than the old record, which was set in March, just ahead of another large selloff in the bond market.
For the S&P, specs are now record long 37,825 contracts, adding about 3,100 contracts to their previous record long position.