Ich bin der Meinung, dass das Börsen-Mekka nach wie vor Amerika ist. Geht es dort runter (z. B. wegen US-Konjunkturschwäche/Rezession und Housing-Krise), fällt auch der DAX, der international keine große Rolle spielt. Ob jetzt schwache oder starke Hände eine Allianz oder sonstwas halten, ist sekundär (ohnehin scheint mir zurzeit eine Umverteilung von starke in schwache Hände, die erst kürzlich dank BILD-Zeitung "die Börse entdeckt" haben, stattzufinden).
Wenn z. B. Amerikaner oder andere in USA tätige Anleger zur Risikominderung ihre DAX-Fonds (z. B. iShares IWG) abstoßen, gilt: mitgefangen, mitgehangen. Dann werden alle enthaltenen Aktien mitverkauft. In Krisenzeiten ziehen sich Amerikaner gern auf ihren Heimatmarkt zurück, der ihnen sicherer erscheint; sogar der Dollar könnte dann wegen der Repatriierung der Gelder steigen. "Foreign stocks" - ob aus Deutschland, Singapur oder Belutschistan - werden dann auf den Markt geschmissen.
Parabolische Moves wie der jetzige, meist am Ende eines langen Bullen/Bärenmarkts, werden sicherlich auch von hardgesottenen Hedgefonds-Profis "geritten" (die ja mit ihren Future-Käufen sogar aktiv den Trend treiben - siehe # 1630), ansonsten aber von gier-besoffenen Joe Sixpacks, die im März 2003 absolut NICHTS von Aktien wissen wollten. Gibt es eine Kehrtwende, MÜSSEN die Hedgefonds ihre Futures zwangsläufig wieder verkaufen - sie gingen sonst schnell Pleite. Hedgefonds sind daher de facto "schwache Halter". Die Späteinsteiger-Deppen sind erstaunlicherweise die treuesten Halter. Sie verkaufen erst Jahre später zu Tiefstkursen - die Hoffnung stirbt zuletzt, nämlich am Tief des nächsten Bärenmarkts (siehe mein Posting "Markt-Zyklus" von heute).
Eine Verdreifachung ab dem DAX-Tief von 2200 auf heute 6500 gab es in USA übrigens nicht: Dort stieg der SP-500 nur von 800 auf 1400, was nicht mal eine Verdoppelung ist. Die Märkte sind dort 2002/2003 einfach nicht so stark gefallen wie in Deutschland.
Und in USA spielt, wie ich oben schon anmerkte, die Musik. Das Rauswaschen der schwachen Halter (DOW 5000) hat in USA noch gar nicht stattgefunden. Zum Vergleich lohnt sich ein Blick auf den Nikkei-Chart ab 1990. Er fiel von 40.000 auf 7000 - und brauchte 13 Jahre dazu. Wer 1996 glaubte, das Schlimmste sei beim Nikkei überstanden, sah sich getäuscht. Der spektakulärste Irrgläubige war Nick Leeson, der 1995 Futures (long) auf den Nikkei kaufte, 4 Milliarden Dollar Verlust machte und seinen Arbeitgeber, die altehrwürdige Barings-Bank, in den Bankrott trieb.
Würde Leeson (es gibt ihn noch, er ist aus der Haft entlassen und hält gut bezahlte Vorträge) jetzt US-Futures kaufen, könnte ihm dasselbe noch einmal passieren. Denn das US-Hoch von 2000 war eine Wahnsinns-Euphorie, die durchaus mit der japanischen Blase von 1990 zu vergleichen ist. Sowas ist nicht in ein paar Jahren mit ein paar Zinssenkungen "auskuriert" (wie die Housing-Blase zeigt...).