Den US-Kongress haben die Demokraten mit klarer Mehrheit übernommen. Die Mehrheit im Senat wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vier Staaten haben die Demokraten bislang zusätzlich erobert. Gewinnen sie auch noch in Virginia und Montana, hätten sie die Senatsmehrheit. Die Ergebnisse aus Montana werden wegen techn. Probleme erst um 13:00 MEZ erwartet.
Wenn die Demokraten auch den Senat erobern, dürfte es in USA einen kräftigen Abverkauf geben. Wenn nicht, käme wohl ein gemäßigter. Nach oben dürfte es mMn nicht gehen - selbst dann nicht, wenn die GOP die Senatsmehrheit behält.
Es könnte gut sein, dass die demokratische Mehrheit im Senat an der Stimme eines einzigen parteilosen Senators aus Vermont hängt, der erklärt hat, er wolle für die Demokraten stimmen. Dann ergäbe sich eine
große Unsicherheit, die die Börse bekanntlich nicht liebt.
FTD, 8.11.06
Demokraten auch im Senat vor Sieg
Nach den Kongresswahlen in den USA muss Präsident George W. Bush künftig mehr Rücksicht auf die Opposition nehmen. Nach zwölf Jahren gewannen die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus, auch Bushs Mehrheit im Senat steht auf der Kippe.
Im Repräsentantenhaus werden die Demokraten nach einer Prognose des US-Fernsehsenders NBC ihre Zahl der Mandate von 201 auf 232 ausbauen können. Bereits der Zugewinn von 15 Mandaten hätte für die Rückeroberung der Kammer ausgereicht. Die Republikaner werden künftig 202 Abgeordnete stellen. Bei der Kongresswahl wurden alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus neu vergeben. "Das amerikanische Volk hat - von Küste zu Küste - den Wechsel gewählt. Heute haben wir Geschichte geschrieben", sagte die Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Nancy Pelosi, die damit zur ersten Präsidentin der Kammer in der Geschichte der USA wird.
Bei der Senatswahl konnten die Demokraten, die dort bisher 44 Mandate hatten, vier zusätzliche Sitze in Pennsylvania, Rhode Island, Ohio und Missouri zugewinnen. In den beiden noch hart umkämpften Bundesstaaten Montana und Virginia lagen am Mittwochmorgen demokratische Kandidaten knapp in Führung. Sollten die Demokraten beide Bundesstaaten gewinnen, hätten sie künftig auch eine Mehrheit im Senat.
Bush enttäuscht
US-Präsident Bush äußerte sich nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN enttäuscht über den Verlust der Mehrheit im Abgeordnetenhaus und will den oppositionellen Demokraten eine Zusammenarbeit anbieten. Das Präsidialamt setzte für 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz im Weißen Haus an. "Er wird damit anfangen, den Gewinnern zu gratulieren und die Hand auszustrecken, damit beide Parteien bei den Themen, denen unser Land gegenübersteht, kooperieren", sagte Bushs Berater Dan Bartlett.
Präsidialamtssprecher Tony Snow sagte, die Kongresswahl sei nicht so verlaufen, "wie wir uns das erhofft haben". Allerdings sei nun auch klar: "Die Demokraten haben viel Zeit damit verbracht, sich darüber zu beklagen, was der Präsident getan hat." Jetzt hätten sie die Gelegenheit, selbst zu agieren.
Zuvor hatte der oberste Präsidenten-Berater Karl Rove Bush offiziell darüber informiert, dass das Repräsentantenhaus an die Demokraten gegangen sei.
Hillary Clinton erfolgreich
In New York wurde die demokratische Senatorin Hillary Clinton für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die frühere First Lady der USA gilt als mögliche Anwärterin auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur bei der Wahl in zwei Jahren.
Der Republikaner Rick Santorum, ein enger Gefolgsmann von Präsident Bush, verlor in Pennsylvania gegen seinen demokratischen Herausforderer Robert Casey. In Ohio gewann die Demokratin Sherrod Brown gegen den republikanischen Amtsinhaber Mike DeWine, und in Rhode Island schlug der Demokrat Sheldon Whitehouse den bisherigen Senator Lincoln Chafee.
Mit Leichtigkeit gewannen zwei Veteranen im Senat ihre Wiederwahl: Edward Kennedy in Massachusetts und der 88 Jahre alte Robert Byrd in West Virginia. Byrd ist der mit 48 Amtsjahren dienstälteste Senator in der US-Geschichte.
Lieberman siegt als Parteiloser
Der parteilose Kandidat Bernie Sanders gewann im Staat Vermont einen Sitz im US-Senat. Sanders hat angekündigt, im Senat mit den Demokraten stimmen zu wollen. In Connecticut wurde der unabhängige Senator Joseph Lieberman wiedergewählt. Der ehemalige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten trat als Unabhängiger an, weil er bei der innerparteilichen Vorwahl wegen seiner Unterstützung der Irak-Politik Bushs gescheitert war. Er könnte zum Zünglein an der Waage im Senat werden. Lieberman hatte gesagt, er würde sich als Unabhängiger auf die Seite seiner früheren Partei stellen.