von Kay Patrick Kaymer
Die Fed hat nach ihrer zweitägigen Sitzung die Leitzinsen unverändert bei einem Stand von 5,25% gelassen. Das war keine Überraschung. Volkswirte, Analysten und ich ebenfalls hatten das genauso erwartet. Die Entscheidung fiel wieder einmal nicht einstimmig. Erneut wollte Jeffrey M. Lacker den Leitzins um weitere 25 Basispunkte anheben, während die anderen Mitglieder für ein unverändertes Niveau stimmten.
Wichtig war um so mehr das Statement. Um ehrlich zu sein, der Interpretationsspielraum ist hier fast unendlich. So habe ich von Volkswirten unterschiedlichste Aussagen dazu gelesen. Meine persönliche Meinung ist, dass die Fed im Januar 2007 die Zinsen senken wird. Falls sie sich sogar dazu im Dezember entschließt, steht es um die Konjunktur noch schlechter als gedacht.
Sinkende Zinsen sind übrigens tendenziell schlecht für die Aktien. Charts dazu hatte ich den Lesern meines D-Wave Dienstes in einer der letzten Ausgaben vorgestellt. Die Binnenweisheit „sinkende Zinsen = steigende Aktien“ passt nämlich nicht.
Immobilienmarkt sackt weiter ab
Einer der Gründe warum ich mit einer stark nachlassenden Konjunkturdynamik rechne ist der sich stark abkühlende Immobilienmarkt in Kombination mit der exorbitant angestiegenen Verschuldung. Ein Großteil des Konsums wurde erst durch die Neuaufnahme und Erhöhung der Hypotheken möglich. Da ist es natürlich um so wichtiger auf die Entwicklung der Hauspreise zu achten. Denn wenn das Beleihungsverhältnis nicht mehr stimmt, steigen die kreditgebenden Banken den Hauseigentümer ganz schnell aufs Dach.
Gestern wurden die Verkäufe der bestehenden Häuser vermeldet. Zum sechsten Mal in Folge wird hier ein Rückgang verzeichnet. Auf Jahresbasis sanken diese um 14,2%! Im Monatsvergleich wurde immerhin noch ein Rückgang von 1,9% gemeldet. Analysten hatten nur mit einem Abschwung von 1% gerechnet. Gleichzeitig kann die Halde der zum Verkauf angemeldeten Häuser nicht abgebaut werden.
Weiterhin ist ein Bestand vorhanden, der die Nachfrage von über 7-Monaten deckt. Denken Sie mal darüber nach, was erst einmal passiert, wenn nun einige zittrig werden. Dann fallen die Hauspreise noch schneller, als sie es eh schon rutschen. Denn nicht nur die Verkäufe gingen zurück, sondern auch die Hauspreise. Diese sanken zum weiten Mal in Folge. Auf Jahressicht betrug der Rückgang 2,2%. Heute werden die Daten für Neubauten gemeldet. Ich bin gespannt. Noch spielt die Wall Street das Thema keineswegs....