von Axel Retz
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
am Samstagmorgen versammelten sich in den hier angrenzenden Bäumen Hunderte von Staren, die dann wie jedes Jahr gemeinsam den Start in den Süden antraten. Da fragte ich mich: Was ist eigentlich aus der Vogelgrippe geworden, die uns Anlegern im vergangenen Jahr noch so sehr beunruhigt hatte? Gen-Gemüse und Gammelfleisch haben das Virus aus den Schlagzeilen verdrängt.
Das gleiche erfreuliche Schicksal teilen auch die völlig aus dem Ruder gelaufenen privaten und offiziellen Verschuldungsorgien in den USA. Erst Inflationsängste, dann die platzende Immobilienblase und nun aufkommende Rezessionsbefürchtungen haben die immensen Zwillingsdefizite der Vereinigten Staaten und die horrende Entwicklung der Verschuldung völlig aus dem Fokus verdrängt. Mehr noch:
Schulterzuckend konstatieren viele Anleger, dass es ja gerade dieser schuldenfinanzierte Konsum ist, der die Weltwirtschaft am Laufen hält. Und, so glauben viele, warum soll nicht weiter gut gehen, was bis jetzt auch gut gegangen ist?
Das erinnert an das sprichwörtliche Fass. Wer nur aus der Ferne sieht, wie Tag für Tag nur eine ein Eierbecher Wasser eingefüllt wird, wird nach einiger Zeit dem Irrglauben verfallen, dass dieses Fass niemals überlaufen wird. Oder dieses Fass, wie jetzt, gar nicht mehr beachten.
Die Immobilienkrise könnte der Verschuldungsproblematik allerdings neues Leben einhauchen. Dann nämlich, wenn die ins Rutschen gekommenen Hauspreise eine Lawine von Notverkäufen und damit einen weiteren Preisverfall auslösen sollten, der dann direkt in den Portemonnaies der Verbraucher ankommt.
Während der letzten zehn Jahre folgte der S&P 500 Aktienindex dem NAHB Housing-Index im Abstand von 12 Monaten. Und das mit einer positiven Korrelation von 0,79. Sollten sich diese Entwicklung weiter fortsetzen, stünden der Wall Street außerordentlich schwierige Monate bevor.
Verkaufen Sie also nicht das Fell des Bären, bevor er erlegt ist!