Die Ratlosigkeit von Herrn Junius ist erstaunlich. Ich erklaere mir die Haltung der griechischen Regierung (gR) folgendermassen: die gR will einen Praezidenzfall schaffen, der, nach ihrer Auffassung, in ein sozialeres Europa fuehrt. Sie hofft dabei auf die Graswurzelbewegungen in Spanien, Italien und Portugal, die, falls Griechenland Erfolg damit haette, fuer eine politische Welle in den besagten Laendern sorgen wuerden. Es geht also darum den Eindruck zu erwecken, dass das griechische Volk der Unersaettlichkeit des Kapitalismus und seiner Unterhaendler zum Opfer faellt: "Wir sind auf der Zielgeraden" (Tzipras) "Nein, da ist noch viel zu tun" (Dijsselbloem). In diesem Sinne werden von der gR "verhandelbare Vorschlaege" eingereicht, die so wichtigen volkswirtschaftlichen Kriterien wie Ehre und Wuerde genuegen. Die europaeischen Institutionen muessen das Spiel von der anderen Seite spielen: Sie muessen Verhandlungsbereitschaft bis zur letzten Sekunde signalisieren. Keiner darf sagen: "Sie haben es gar nicht versucht!" Keiner darf sagen: "An Griechenland wurde eine Exempel statuiert!" Also heisst es weiterverhandeln. Darum kann und wird es auch keine Einigung vor dem 30.Juni geben. Jede Woche Hiebe aus Athen gegen deutsche und europaeische Politiker, Unmutsbekundungen aus Bruessel ueber nicht-gemachte "Hausaufgaben" etc, bis zum bitteren Ende.
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