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Analyst Ruland sieht fairen Dax nur noch bei 3.244 Punkten
21. November 2008 Auf die Börsianer prasselten in den vergangenen Tagen praktisch nur wirtschaftliche Hiobsbotschaften nieder. Der Zustand der Weltkonjunktur kann derzeit nur als sehr kritisch beschrieben werden. Laut Analyst Heino Ruland von der Ruland Research GmbH gibt es auch so schnell keine Aussicht auf Besserung.
Als Beleg für seine These verweist er auf den Ifo Geschäftsklimaindex. Dieser Index, den er für den besten Indikator zur Messung der Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft hält, ist zuletzt scharf auf den Stand Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre eingebrochen (siehe Grafik). Unter Berücksichtigung ähnlicher Verhaltensweisen in vergangenen Krisen lässt das mindestens noch für weitere zwölf Monate schlechte Nachrichten von der Konjunktur erwarten.
Gewinnschätzungen für 2009 weiter gesenkt
In Reaktion auf die schlechte Nachrichtenlage haben inzwischen auch die Analysten angefangen, ihre Gewinnschätzungen nach unten zu korrigieren. Laut Datenanbieter FactSet wird nun für die Dax-Vertreter in diesem Jahr mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang von 25,2 Prozent gerechnet. Für das kommende Jahr wird aber immer noch ein Gewinnplus von 16,5 Prozent vorhergesagt (siehe Grafik).
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* Gewinnhistorie bei Rezessionen verheißt beim Dax nichts Gutes
Ruland hält dies für eine völlig unsinnige Annahme. Er selbst rechnet jetzt für das kommende Woche nur noch mit einem Dax-Gewinn von 240,50 (siehe Grafik). Diese Kennziffer basiert auf der Summe des Gewinns je Aktie von allen 30 Unternehmen, die im Dax notiert sind. Verglichen mit seiner vor wenigen Wochen abgegebenen Schätzung von 262,90 ist er damit noch einmal etwas weiter zurückgerudert.
Beim Versuch, auf dieser Basis einen fairen Wert für den Dax zu errechnen, greift Ruland auf die durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse und gewährten Risikoprämien in den Vorjahren zurück. Wobei er aber die Bewertungen von 1990 bis 2002 ausklammert, weil es sich dabei aus seiner Sicht um Übertreibungen gehandelt hat.
Bärenmarktrallys zum Verkauf nutzen
Unter dieser Annahme und der hauseigenen Gewinnschätzungen kommt Ruland auf einen fairen Dax-Wert von 3.244 Punkten. Damit hat er das aus seiner Sicht faire Kursniveau noch einmal etwas abgesenkt. Denn Mitte Oktober hatte er den fairer Dax-Stand auf Basis der damaligen Gewinnschätzungen noch auf rund 3.500 Punkte beziffert.
Natürlich räumt auch Ruland ein, dass solche Kurszielberechnungen etwas theoretisches anhaftet, weil sich der wirklich faire Wert nie punktgenau bestimmen lässt. Aber zur Standortbestimmung darüber, ob man als Anleger kaufen oder verkaufen sollte, hält er die Vorgehensweise für opportun. Seinen Kunden rät er jedenfalls dazu, etwaige Bärenmarktrallys zum Abbau der Aktiengewichtung im Portfolio zu nutzen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
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