DJ: AUSBLICK/Dresdner beschert Allianz in 4Q Milliardenverlust
MÜNCHEN (Dow Jones)--Die kürzlich verkaufte Dresdner Bank dürfte der Allianz SE
nach einhelliger Einschätzung von Analysten im vierten Quartal noch rund 2,5
Mrd EUR Verlust beschert haben. Aber auch in den übrigen Geschäftsbereichen
werde der Konzern am Donnerstag einen deutlich niedrigeren Gewinn ausweisen,
lautet die Prognose der Beobachter.
Welche Entlastung der Verkauf der Dresdner Bank für die Allianz bringt, lässt
sich für UniCredit-Analyst Andreas Weese an der Solvabilitätsquote ablesen.
Weese geht davon aus, dass die Dresdner Bank das Verhältnis zwischen den
verfügbaren Eigenmitteln und dem Eigenmittelerfordernis bei der Allianz zum
Jahresende auf 139% gedrückt hat.
Nach dem Verkauf, also ohne Dresdner Bank, wird die Quote nach Einschätzung
von Wiese bei 154% liegen und damit im selbstgesteckten Zielkorridor des
Allfinanzkonzerns. Die Dresdner Bank ist zum 12. Januar wie vereinbart an die
Commerzbank übergegangen.
Per Ende September hatte die Allianz noch eine Solvabilitätsquote von 157%
ausgewiesen. Die Kennziffer für die Kapitalausstattung wird von der
Versicherungsaufsicht BaFin genau beobachtet. Würde die Schwelle von 100%
unterschritten, wäre ein Versicherer unterkapitalisiert.
Aber auch abgesehen von der Dresdner Bank erwartet Analyst Weese einen
kräftigen Einbruch beim operativen Konzerngewinn. Niedrigere Prämieneinnahmen
und höhere Schadensmeldungen dürften im vierten Quartal zu einer deutlich
erhöhten Schadenkostenquote im Hausrat- und Haftpflichtgeschäft geführt haben.
Vor Steuern sei der Gewinn um 37% auf 1,037 Mrd EUR gefallen, so seine Prognose.
Sinkende Prämien und der schwache Aktienmarkt dürften im Geschäft mit Lebens-
und Krankenversicherungen dazu geführt haben, dass der operative
Vorsteuergewinn um 80% auf 120 Mio EUR eingebrochen ist. In der
Vermögensverwaltung soll die Kapitalmarktschwäche zu einem Rückgang des
Vorsteuergewinns um 54% auf 180 Mio EUR geführt haben.
Analyst Thomas Jacquet von Exane BNP Paribas erwartet hohe Abschreibungen auf
The Hartford und die Dresdner Bank im vierten Quartal. Rund 400 Mio EUR werde
die Allianz auf die US-Investment- und Versicherungsgesellschaft abschreiben,
bei der die Münchner im Herbst für rund 2,5 Mrd USD eingestiegen waren. Der neu
verhandelte Verkauf der Dresdner Bank führe zu einer Zusatzbelastung von 600
Mio EUR, schätzt Jacquet.
Im Blick haben die Börsianer am Donnerstag den Dividendenvorschlag für 2008.
Im Schnitt erwarten Analysten, dass der Konzern die Gewinnbeteiligung auf 3,98
EUR senken wird. Optimistische Beobachter schließen jedoch auch eine stabile
Dividende nicht aus. Außerdem werden Anleger darauf achten, ob Aussagen zum
laufenden Jahr auf weitere Belastungen von Seiten der Dresdner Bank hindeuten.
Ihre bisherige Prognose für 2009 hatte die Allianz Anfang November wegen der
Finanzmarktkrise zurückgezogen. "Ohne eine umfassende Erholung der Aktienmärkte
werden wir unser Ziel eines operativen Ergebnisses ohne das Bankgeschäft von 9
Mrd EUR in diesem Jahr und auch 2009 nicht erreichen können", hieß es damals.
Nachfolgend die Schätzungen der von Dow Jones Newswires befragten Analysten
für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2008 der Allianz SE (in Mio EUR,
Dividende und Kursziel in EUR, Combined Ratio in Prozent, nach IFRS).
===
Ge- op Erg Erg
samt- Netto- Erg vSt(1) nSt(1)
4. Quartal ertrag prämien Konzern Konzern Konzern
MITTELWERT 22.395 15.890 1.071 148 47
Vorjahr 25.600 16.048 2.598 1.830 1.252
MEDIAN 22.506 15.563 1.095 171 76
Erg op Combined Dividende/
nSt(2) Erg(1) Ratio Aktie
Konzern Bank (3) 2008
MITTELWERT -2.522 -22 95,8 3,98
Vorjahr 665 4 90,9 5,50
MEDIAN -2.528 -20 95,5 3,65
Ge- op Erg Erg
Gesamtjahr samt- Netto- Erg vSt(1) nSt(1)
2008 ertrag prämien Konzern Konzern Konzern
MITTELWERT(4) 90.479 60.013 7.548 5.808 4.197
Vorjahr 97.600 59.362 10.313 10.563 7.316
MEDIAN(4) 90.590 59.686 7.572 5.831 4.226
Erg op Combined
nSt(2) Erg(1) Ratio
Konzern Bank (3)
MITTELWERT(4) -1.855 -28 190,7
Vorjahr 7.966 32 93,6
MEDIAN(4) -1.861 -26 190,4
Quelle Vorjahreszahlen: Angabe des Unternehmens - wie berichtet.
(1) Fortgeführtes Geschäft; Ergebnis nach Steuern ist nach Anteilen Dritter.
(2) Fortgeführtes und nicht fortgeführtes Geschäft (inklusive Dresdner
Bank).
(3) Schaden-Unfall.
(4) Eigene Berechnung von Dow Jones Newswires auf Basis des Konsenses
für das vierte Quartal und der bereits berichteten Neunmonatszahlen.
===
DJG/rso/rio
Besuchen Sie unsere neue Webseite
http://www.dowjones.de (END) Dow Jones Newswires
February 25, 2009 07:40 ET (12:40 GMT)
Dow Jones & Company, Inc.2009