Wenn Du Dir die Anfangspostings des USA-Bären-Threads durchliest (Feb. 2007), wirst Du dort viele Phänomene "vorangekündigt" sehen, die zwischenzeitlich eingetreten sind. Bereits im Juni 2006 haben meine Bären-Kollegen und ich im Doomsday-Bären-Thread auf die horrende Überbewertung von US-Immobilien hingewiesen...
http://www.ariva.de/...n_Schloesschen_t245194?pnr=2689525#jump2689525..., ab Herbst im selben Thread zusätzlich auf die windige Finanzierung - insbesondere der Subprime-Klientel.
Dass dieses "free money for everybody"-Masche irgendwann auch die Banken zurückschlagen würde, konnte man sich bereits damals an den zehn Fingern abzählen. Ich hab Anfang 2007 mit einer schweren Rezession in USA gerechnet und auch für den SP-500 ein Kursziel von 700 Punkten genannt. Inzwischen gehe ich noch weiter und rechne beim SPX mit Ständen unter 500.
Was ich ehrlich gesagt nicht in vollem Umfang vorausgesehen habe, war die Rückwirkung auf Deutschland - d.h. die aktuelle Kreditklemme in der Refinanzierung. Das lag allerdings auch daran, dass Anfang 2007 noch niemand ahnte, in welchem Umfang sich deutsche Banken mit Zweckgesellschaften an dem Immo-Wahn in USA beteiligt hatten. Ohne solche Kenntnisse sind schlechterdings keine Prognosen möglich. Daher hatte ich "nur" mit einer schweren Krise in USA samt Rückwirkungen bei den Ländern (D, China usw.) gerechnet, die in die USA exportieren (= indirekte Krisenfolgen in D.).
Die Finanzkrise - die letztlich eine Vertrauenskrise zwischen Banken ist - hat dann an Eigendynamik gewonnen und sich zu einem weltweite Credit Freeze ausgeweitet, unter dem auch dt. Firmen bis heute leiden. Weltweit ging der Konsum infolgedessen zurück, weil auch außerhalb der USA Vieles (z. B. Auto- und Immobilien-Käufe) von großzügiger Kreditvergabe abhing.
Es ist halt so, dass USA "der finanzielle Nabel der Welt" war. Europäische Banken (inkl. Schweiz) haben ist in gutem Glauben auf das falsche Pferd gesetzt und den Hype geglaubt - nicht zuletzt, weil ihnen US-Ratingagenturen ein AAA für US-Schrottpapiere vorlügten. Hinzu kommen eigene fatale Experimente in Osteuropa.
Überrascht hat mich vor allem, dass die Bankenkrise so weit ging, dass inzwischen sogar Staatspleiten drohen.
Wie auch immer: Die Finankrise ist eine Geschichte der "stufenweisen Eskalation", deren Ausgang sich am Anfang nur erahnen ließ. Die sich im Zuge der Krise verdichtenden Indizien führten dazu, dass sich die "bösen Ahnungen" immer stärker bestätigten und neue Abgründe erahnen ließen. Wir sind noch nicht am Ende in dieser Eskalations-Spirale.