Zu früh gekauft, zu spät ausgestiegen, zu lange an der vermeintlichen "Lieblingsaktie" festgehalten: Wer an der Börse nachhaltig Erfolge buchen will, steht sich oft selbst im Weg. Zu oft tappen Anleger in die vielfältigsten Psychofallen. Wer sie rechtzeitig erkennt und die richtigen Konsequenzen zieht, kann nicht nur viel "Lehrgeld" sparen, sondern auch seine Performance aufpolieren.
Egal ob man die milliardenschwere Versteigerung der UMTS-Lizenzen, die Kursverluste nach den Terroranschlägen von New York oder die Hausse der Biotechaktien nach den Fortschritten des Humane Genome Projects heranzieht - wenn es um die Interpretation von Zukünftigem geht, wenn im Hier und Jetzt Investitionsentscheidungen gefällt werden müssen, bleibt ein Platz am Verhandlungstisch oft leer. Es fehlt der "homo oeconomicus", der in der klassischen Wirtschaftslehre stets vorausgesetzte rational denkende und handelnde Marktteilnehmer. Mit sachlichen Argumenten jedenfalls, sind viele der erratischen Kursfluktuationen nicht zu erklären. Vielmehr ist das Anlageverhalten von institutionellen Investoren, mehr noch aber der Privatanleger, von höchst subjektiven Bewertungen, Motiven und psychologischen Reaktionen geprägt - eine Erkenntnis, die schon Börsenaltmeister Kostolany Gewinn bringend einzusetzen wusste.
Seit spätestens einem Jahr, nachdem mit Daniel Kahneman erstmals ein Psychologe für seine Arbeiten zum Themenkomplex "Wie Menschen unter Unsicherheit entscheiden" den Nobelpreis für Ökonomie erhielt, hat sich die "Verhaltensforschung am Anleger" zum festen und ernst zu nehmenden Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften gemausert. "Behavioral Finance" heißt der junge Zweig, von dem Anleger einiges lernen können.
Und das beginnt bereits bei der Wahrnehmung potenziell kursrelevanter Nachrichten. Wissenschaftliche Untersuchungen etwa zeigen, dass Anleger nicht nur spontan und emotional auf Nachrichten reagieren, sondern ihnen oft auch eine zu große Bedeutung beimessen.
Beispielsweise übersteigen nach Streikankündigungen von Piloten die Kursverluste der betroffenen Luftfahrtgesellschaften den tatsächlichen Ausfall nicht selten um ein Vielfaches. Demgegenüber werden schleichende Entwicklungen, wie langsam steigende Ölpreise oder die allmähliche Abwanderung von Kunden zu Billigfliegern, lange Zeit nicht in der Kursfindung berücksichtigt, um dann von einer Börsensitzung auf die nächste "überverarbeitet" zu werden.
Richtig teuer werden und im schlimmsten Fall den finanziellen Ruin bedeuten, kann indes eine andere Psychofalle. Es ist das Verhaltensmuster, mit dem Anleger ihr Anlageergebnis wahrnehmen. Haben sie einen Gewinn erzielt, wird er regelmäßig den eigenen Prognosefähigkeiten zugeschrieben. Behavioral Finance-Experten kennen das Phänomen. Sie sprechen von Over-Confidence - dem zu starken Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Psychologische Folge: Um vor sich selbst zu bestehen, sind viele Anleger bestrebt, ihre erzielten Buchgewinne vorzeitig zu realisieren. Langfristig entziehen sie sich damit jedoch der Chance, an einer weiteren Aufwärtsbewegung teil zu nehmen. Folge: Die Risikostruktur im Depot verschiebt sich zu Gunsten der Verlustbringer, die folglich ein umso größeres Gewicht erhalten. Und sich meist hartnäckig im Depot halten. "Es sind ja nur Buchverluste", denkt sich der Anleger und hofft weiter auf eine Trendwende - eine Fehleinschätzung, die sich am besten vor sich selbst rechtfertigen lässt, wenn fortan nur noch solche Nachrichten wahrgenommen werden, die die Anlageentscheidung nicht in Frage stellen. Die Folgen wiegen schwer: Hat sich die Abwärtsspirale erst etabliert, gibt es kaum ein Entrinnen. Dazu eine einfache Rechnung: Liegt die Aktie mit zwanzig Prozent im Minus, ist eine Aufwärtsbewegung von 25 Prozent erforderlich, um auf eine schwarze Null zu gelangen. Nach einem Kursverfall von 40 Prozent müssen bereits gut 66 Prozent verdient werden, um den Einstandspreis zu erreichen.
Tausend- und abertausendfach praktiziert, zeitigt dieses Verhaltensmuster an den Kapitalmärkten enorme Wirkungen. Indem Verlustbringer im Depot bleiben und rentable Papiere rasch veräußert werden, finanziert der Anleger anderen die Kursgewinne.
Profis wissen das zu schätzen. Sie versuchen aus solchen Verhaltensmustern der Hobbybörsianer Rendite zu schlagen. Befindet sich der Markt in einem klaren Trend, setzen sie mit der so genannten Momentum-Strategie auf den Herdentrieb. Das heißt: Sie kaufen Titel, die in einem fest definierten Zeitfenster die besten Resultate brachten.
Ist dagegen kein klarer Trend auszumachen, bemüht der Berufshändler meist Stimmungsindikatoren - allen voran das Verhältnis von gekauften Put-Optionen zu Call-Optionen (Put/Call-Ratio). Werden mehr Calls als Puts gekauft, folglich auf steigende Notierungen gesetzt, rechnen sie mit dem genauen Gegenteil und nehmen eine eher pessimistische Position ein - eine weitere Variante, mit der aus der Anlegerpsyche Gewinn generiert werden kann.
Beide Beispiele zeigen: Neben der technischen und der fundamentalen Analyse ist die Beschäftigung des Marktes mit sich selbst zu einem rentablen Instrumentarium geworden. Doch Vorsicht! Keiner der Ansätze ist für sich allein erfolgversprechend. Und selbst ein vermeintlich cleverer Mix aus allen ist keine Erfolgsgarantie. Es ist die - unter Berücksichtigung des magischen Dreiecks aus Sicherheit, Rendite und Liquidität festgelegt- persönliche Anlagestrategie, gepaart mit einem soliden Money Management, das am ehesten zum Erfolg führt.
Und der liegt umso näher, je strenger die Disziplin ist, die sich der Anleger selbst auferlegt. Joachim Goldberg, Verhaltensexperte und Gründer des auf Behavioral Finance spezialisierten Unternehmens Cognitrend, rät beispielsweise dazu, ein Börsentagebuch zu führen. Darin legt der Anleger fest, welche Ziele er verfolgt und welches Verlustrisiko er dafür bereit ist, in Kauf zu nehmen (Stopp-Loss-Grenze). Der erwartete Ertrag sollte dabei generell bei dem Dreifachen des Risikos liegen, so Goldberg. Auch sollten sich Anleger nicht vom Nachrichtenstrom zermalmen lassen. "Ignorieren Sie die Nachrichten!", empfiehlt der gelernte Devisenhändler.
So long,
Calexa
www.investorweb.de
Egal ob man die milliardenschwere Versteigerung der UMTS-Lizenzen, die Kursverluste nach den Terroranschlägen von New York oder die Hausse der Biotechaktien nach den Fortschritten des Humane Genome Projects heranzieht - wenn es um die Interpretation von Zukünftigem geht, wenn im Hier und Jetzt Investitionsentscheidungen gefällt werden müssen, bleibt ein Platz am Verhandlungstisch oft leer. Es fehlt der "homo oeconomicus", der in der klassischen Wirtschaftslehre stets vorausgesetzte rational denkende und handelnde Marktteilnehmer. Mit sachlichen Argumenten jedenfalls, sind viele der erratischen Kursfluktuationen nicht zu erklären. Vielmehr ist das Anlageverhalten von institutionellen Investoren, mehr noch aber der Privatanleger, von höchst subjektiven Bewertungen, Motiven und psychologischen Reaktionen geprägt - eine Erkenntnis, die schon Börsenaltmeister Kostolany Gewinn bringend einzusetzen wusste.
Seit spätestens einem Jahr, nachdem mit Daniel Kahneman erstmals ein Psychologe für seine Arbeiten zum Themenkomplex "Wie Menschen unter Unsicherheit entscheiden" den Nobelpreis für Ökonomie erhielt, hat sich die "Verhaltensforschung am Anleger" zum festen und ernst zu nehmenden Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften gemausert. "Behavioral Finance" heißt der junge Zweig, von dem Anleger einiges lernen können.
Und das beginnt bereits bei der Wahrnehmung potenziell kursrelevanter Nachrichten. Wissenschaftliche Untersuchungen etwa zeigen, dass Anleger nicht nur spontan und emotional auf Nachrichten reagieren, sondern ihnen oft auch eine zu große Bedeutung beimessen.
Beispielsweise übersteigen nach Streikankündigungen von Piloten die Kursverluste der betroffenen Luftfahrtgesellschaften den tatsächlichen Ausfall nicht selten um ein Vielfaches. Demgegenüber werden schleichende Entwicklungen, wie langsam steigende Ölpreise oder die allmähliche Abwanderung von Kunden zu Billigfliegern, lange Zeit nicht in der Kursfindung berücksichtigt, um dann von einer Börsensitzung auf die nächste "überverarbeitet" zu werden.
Richtig teuer werden und im schlimmsten Fall den finanziellen Ruin bedeuten, kann indes eine andere Psychofalle. Es ist das Verhaltensmuster, mit dem Anleger ihr Anlageergebnis wahrnehmen. Haben sie einen Gewinn erzielt, wird er regelmäßig den eigenen Prognosefähigkeiten zugeschrieben. Behavioral Finance-Experten kennen das Phänomen. Sie sprechen von Over-Confidence - dem zu starken Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Psychologische Folge: Um vor sich selbst zu bestehen, sind viele Anleger bestrebt, ihre erzielten Buchgewinne vorzeitig zu realisieren. Langfristig entziehen sie sich damit jedoch der Chance, an einer weiteren Aufwärtsbewegung teil zu nehmen. Folge: Die Risikostruktur im Depot verschiebt sich zu Gunsten der Verlustbringer, die folglich ein umso größeres Gewicht erhalten. Und sich meist hartnäckig im Depot halten. "Es sind ja nur Buchverluste", denkt sich der Anleger und hofft weiter auf eine Trendwende - eine Fehleinschätzung, die sich am besten vor sich selbst rechtfertigen lässt, wenn fortan nur noch solche Nachrichten wahrgenommen werden, die die Anlageentscheidung nicht in Frage stellen. Die Folgen wiegen schwer: Hat sich die Abwärtsspirale erst etabliert, gibt es kaum ein Entrinnen. Dazu eine einfache Rechnung: Liegt die Aktie mit zwanzig Prozent im Minus, ist eine Aufwärtsbewegung von 25 Prozent erforderlich, um auf eine schwarze Null zu gelangen. Nach einem Kursverfall von 40 Prozent müssen bereits gut 66 Prozent verdient werden, um den Einstandspreis zu erreichen.
Tausend- und abertausendfach praktiziert, zeitigt dieses Verhaltensmuster an den Kapitalmärkten enorme Wirkungen. Indem Verlustbringer im Depot bleiben und rentable Papiere rasch veräußert werden, finanziert der Anleger anderen die Kursgewinne.
Profis wissen das zu schätzen. Sie versuchen aus solchen Verhaltensmustern der Hobbybörsianer Rendite zu schlagen. Befindet sich der Markt in einem klaren Trend, setzen sie mit der so genannten Momentum-Strategie auf den Herdentrieb. Das heißt: Sie kaufen Titel, die in einem fest definierten Zeitfenster die besten Resultate brachten.
Ist dagegen kein klarer Trend auszumachen, bemüht der Berufshändler meist Stimmungsindikatoren - allen voran das Verhältnis von gekauften Put-Optionen zu Call-Optionen (Put/Call-Ratio). Werden mehr Calls als Puts gekauft, folglich auf steigende Notierungen gesetzt, rechnen sie mit dem genauen Gegenteil und nehmen eine eher pessimistische Position ein - eine weitere Variante, mit der aus der Anlegerpsyche Gewinn generiert werden kann.
Beide Beispiele zeigen: Neben der technischen und der fundamentalen Analyse ist die Beschäftigung des Marktes mit sich selbst zu einem rentablen Instrumentarium geworden. Doch Vorsicht! Keiner der Ansätze ist für sich allein erfolgversprechend. Und selbst ein vermeintlich cleverer Mix aus allen ist keine Erfolgsgarantie. Es ist die - unter Berücksichtigung des magischen Dreiecks aus Sicherheit, Rendite und Liquidität festgelegt- persönliche Anlagestrategie, gepaart mit einem soliden Money Management, das am ehesten zum Erfolg führt.
Und der liegt umso näher, je strenger die Disziplin ist, die sich der Anleger selbst auferlegt. Joachim Goldberg, Verhaltensexperte und Gründer des auf Behavioral Finance spezialisierten Unternehmens Cognitrend, rät beispielsweise dazu, ein Börsentagebuch zu führen. Darin legt der Anleger fest, welche Ziele er verfolgt und welches Verlustrisiko er dafür bereit ist, in Kauf zu nehmen (Stopp-Loss-Grenze). Der erwartete Ertrag sollte dabei generell bei dem Dreifachen des Risikos liegen, so Goldberg. Auch sollten sich Anleger nicht vom Nachrichtenstrom zermalmen lassen. "Ignorieren Sie die Nachrichten!", empfiehlt der gelernte Devisenhändler.
So long,
Calexa
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