Depfa: Skandal um eine Gewinnwarnung


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 291 / Heute: 2
MJJK:

Depfa: Skandal um eine Gewinnwarnung

 
10.10.01 09:56
Depfa: Skandal um eine Gewinnwarnung
 
Die Bank veräppelt ihre Aktionäre
 
Wer denkt, zweifelhafte Kommunikationspolitik gibt es nur am Neuen Markt, sieht sich getäuscht: Die Depfa, bislang eher als stockkonservative Bank im Immobilien- und öffentlichen Kreditgeschäft tätig und bekannt, veräppelt ihre Aktionäre in einer nicht nachvollziehbaren Form.

Dienstag Nachmittag, kurz vor 16 Uhr: Die Depfa-Verantwortlichen verkünden der Welt per Ad-hoc, dass man eigene Aktien zurückkaufen wolle. Am Markt kursierende Gerüchte um eine Gewinnwarnung erteilt man eine Absage. Diese Gerüchte hatten der Aktie am Vormittag ein heftiges Minus eingebracht, das im Tagesverlauf – auch nach der Ad-hoc-Meldung – teilweise wieder aufgeholt wurde.

Am frühen Abend platzt dann die Hammermeldung über die Nachrichtenagentur Reuters: Ein Sprecher der Depfa habe gegenüber einem Reuters-Mitarbeiter bestätigt, dass man das Ergebnisziel von 280 Mio. Euro für das laufende Jahr geringfügig verfehlen werde. Was genau „geringfügig“ allerdings ist, bleibt mehr als Auslegungssache. Es gäbe im Immobiliengeschäft eine gewisse Schwäche, wird der Sprecher zitiert. Scheinbar hat man auf Grund der Geringfügigkeit der Abweichung, die Martgerüchten zufolge unter 10 Prozent liegen soll, keinen Grund für eine Gewinnwarnung gesehen.

Die Geschehnisse sind genauso unglaublich wie zweifelhaft und haben der Bank einen erheblichen, nur schwer zu reparierenden Imageschaden eingebracht. Dass die Verantwortlichen Aktien zurückkaufen, dürfte in den nächsten Tagen nicht allzu schwer fallen. Viele Investoren werden ihre Aktien verkaufen, vor allem institutionelle Anleger dürften da wenig Erbarmen kennen.

Die Geschehnisse werfen allerdings auch weitere Löcher im Regelwerk der Deutschen Börse auf. Was ist eine Gewinnwarnung und vor allem: Ab welcher Abweichung von den Planungen muss sie veröffentlicht werden? Doch die gesetzlichen Regelungen einmal beiseite gelegt: Was sich manche Vorstände gegenüber den Anteilseignern der durch sie repräsentierten Unternehmen erlauben, ist eine Frechheit und alles andere als im Sinne der viel beschworenen „Aktienkultur“. Zu der gehört nämlich vor allem eines: Offene und vertrauensvolle Kommunikation mit den Inhabern des Unternehmens. Das sind die Aktionäre, auch wenn sich Vorstände diverser AGs manchmal anders benehmen.

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--