Frankfurt (vwd) - Das im Auftrag der deutschen Börse wöchentlich erhobene DAX-Sentiment zeigt am Donnerstag erneut eine deutliche Zunahme der Skepsis. Nach dem Zuwachs im Lager der Bären um neun Prozent in der vergangenen Woche fiel das Plus mit drei Prozent dieses Mal etwas geringer aus. Insgesamt sind nun 41 Prozent bearish. Gegenüber der Vorwoche zeigen sich vier Prozent weniger bullish (insgesamt 36 Prozent), eine neutrale Haltung nehmen ein Prozent mehr und damit insgesamt 23 Prozent ein.
Gegen Ende der vergangenen Handelswoche hätten die Zweifler dominiert, urteilt der Autor der Studie, Gianni Hirschmüller. Selbst am Freitag, als US-Finanzkonzerne mit überraschend hohen Quartalsgewinnen aufwarteten und die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks wieder anzuziehen begannen, hätten sich hartgesottene Bären auf gewohntem Territorium gewähnt. Sie hätten die Besorgnis erregenden US-Arbeitslosenmeldungen sowie die Enttäuschung über das Yahoo!-Ergebnis in den Vordergrund gestellt.
Doch beide Ereignisse haben sich nach Ansicht von Hirschmüller lediglich als Schreckschuss entpuppt. Denn der DAX spurtete nach einer kurzen Irritationsphase am vergangenen Donnerstag fast täglich auf ein neues Jahreshoch. Und je höher die Kurse stiegen, desto vorsichtiger wurden die Ausblicke der Analysten und Marktkommentatoren. Dass die Investoren sich von diesem besorgten Unterton anstecken lassen, entlarve der Bull/Bear-Index. Erneut seien Long-Engagements, die gerade erst beim letzten Rückschlag vor zwei Wochen eingesammelt wurden, abgebaut worden.
Besonders Späteinsteiger, die Angst davor hatten, eine Long-Position längere Zeit zu halten, die bei Kursen von 3.200 Punkten oder höher aufgebaut wurde, dürften der Versuchung erlegen sein, schnell ihren Profit zu realisieren. Viele setzen nach Ansicht von Cognitrend auch bereits wieder auf eine Kehrtwende und sichern deshalb ihre Bestände ab bzw wagen sich an neue Short-Spekulationen. Die Pessimisten unter den Befragten, mittelfristig agierenden Investoren, warteten auf neue Rückschläge. Und je höher der DAX-Index steigt, desto höher steige scheinbar die Angriffslust der Bären.
Dennoch komme wenig Angebot in den Markt, da die Kurse weiterhin steigen. Auf der Käuferseite befänden sich wahrscheinlich keine Anleger mit dauerhaftem Interesse an deutschen Aktien. Vielmehr sei die jüngste Rallye ein Short-Squeeze unter kurzfristig orientierten Akteuren. Diese investierten nicht, sondern sie kauften, weil sie müssten. Aus dieser Ecke komme mittlerweile auch die ein oder andere positive Interpretation für den DAX-Anstieg. Händler sprechen nun vermehrt von deutlich besseren Konjunkturaussichten.
Die gegenwärtige Konfiguration sei ingesamt positiv für den DAX zu werten, so Hirschmüller, denn bis 3.205 Punkte lasse sich eine gute Nachfrage bei größeren Rückschlägen ableiten. Spätestens bei 3.190 bis 3.105 Punkten werde dieses Auffangbecken Abwärtsreaktionen eingrenzen. Tiefere Rückschläge müssen Cognitrend zufolge vermieden werden, da sie der gegenwärtigen Dynamik schaden würden. Prekär bleibe die Lage für alle, die vor dem jüngsten Aufschwung die Gelegenheit zum Kauf verpasst haben oder durch ihre Verkäufe der vergangenen zwei Wochen bei weiteren Rallys leer ausgehen bzw. Verluste erleiden würden. Sie stehen für die potenzielle Nachfrage, die die Kurse auf das neue Kursziel von 3.570 Punkten treiben dürfte, heißt es.
So long (oder doch besser short?)
Kalli 