29.04.2010 13:08
S&P zwingt Europa in die Knie
von Stefan Wolff, ARD-Börsenstudio
Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat sich die Kreditwürdigkeit der so genannten "Wackelkandidaten" im Euroraum vorgeknöpft. Nach Griechenland und Portugal musste nun auch die Bonität Spaniens Federn lassen.
"Kill the PIIGs" könnte man das Spiel nennen, das bei S&P gerade läuft. Es werden Wetten angenommen, welchem Land die Ratingagentur als nächstes die Refinanzierungskosten hochtreibt. Irland? Oder doch lieber Italien? Natürlich ächzen alle Staaten derzeit unter den Lasten, die ihnen die Finanzkrise aufgebürdet hat. Doch auf der iberischen Halbinsel stehen die Zeichen schon wieder auf Wachstum.
Beim Blick auf die aktuellen Länder-Ratings fällt auf, dass S&P bei Italien, Spanien. Portugal und Griechenland deutlich negativer gestimmt ist als die Kollegen von Fitch und Moody’s. Moody’s lässt sogar für Griechenland das "A"-Rating unangetastet. Kein Wunder, denn bislang ist es noch zu keinerlei Zahlungsausfällen innerhalb der Euro-Währungsgemeinschaft gekommen.
Fast scheint es so, als lasse S&P bei seinen aktuellen Ländereinschätzungen übergroße Vorsicht walten. Das war in anderen Fällen nicht immer so. Die Lehman Brothers kollabierten mit einem "A+"-Label von S&P, auf dem die Druckerschwärze noch nicht ganz trocken war. Und all die toxischen Immobilienpapiere, die das Finanzsystem an den Rand einer Kernschmelze brachten, hüpften allesamt mit erstklassigen Bonitätsnoten versehen in den Abgrund.
Bleibt die Frage, wie lange der Schwanz mit dem Hund wedelt. Die Forderungen nach einer europäischen Rating-Agentur werden langsam in der Politik laut, so gefühlte 20 Jahre, nachdem Finanzexperten das US-amerikanische Monopol auf Ratings in Frage gestellt haben. Aber es sollte in der Tat passieren. Konkurrenz belebt das Geschäft, und wenn es wirklich gelänge, eine unabhängige Organisation zu installieren, wäre viel gewonnen. Vielleicht könnte man dann auch mal ein realistisches Rating für die USA erhalten, denn da trauen sich alle drei Platzhirsche nicht ran.
Schön, dass nun auch seitens der Politik ein wenig Bewegung in die Sache kommt. Die Aschewolke des Ejafjälla zwang die EU-Verkehrsminister schon nach fünf Tagen ans Telefon. Die Finanzminister brauchen da schon ein paar Tage mehr. Nachdem unsere Bundeskanzlerin durch ihre zaudernde Haltung die Refinanzierungskosten der betroffenen Länder mit in die Höhe treiben half, hält sie nun das Heft in der Hand.
Vorher aber muss noch schnell die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen werden. Erst danach wird man erfahren, was für Griechenland getan wird (und übrigens auch, welche Sparmaßnahmen der deutsche Finanzminister plant). Man muss halt Prioritäten setzen. NRW gerettet, Europas Wirtschaft mit dem Rücken an der Wand. Die derzeitige Politik sagt sehr viel über die Geisteshaltung unserer Eliten aus.
S&P zwingt Europa in die Knie
von Stefan Wolff, ARD-Börsenstudio
Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat sich die Kreditwürdigkeit der so genannten "Wackelkandidaten" im Euroraum vorgeknöpft. Nach Griechenland und Portugal musste nun auch die Bonität Spaniens Federn lassen.
"Kill the PIIGs" könnte man das Spiel nennen, das bei S&P gerade läuft. Es werden Wetten angenommen, welchem Land die Ratingagentur als nächstes die Refinanzierungskosten hochtreibt. Irland? Oder doch lieber Italien? Natürlich ächzen alle Staaten derzeit unter den Lasten, die ihnen die Finanzkrise aufgebürdet hat. Doch auf der iberischen Halbinsel stehen die Zeichen schon wieder auf Wachstum.
Beim Blick auf die aktuellen Länder-Ratings fällt auf, dass S&P bei Italien, Spanien. Portugal und Griechenland deutlich negativer gestimmt ist als die Kollegen von Fitch und Moody’s. Moody’s lässt sogar für Griechenland das "A"-Rating unangetastet. Kein Wunder, denn bislang ist es noch zu keinerlei Zahlungsausfällen innerhalb der Euro-Währungsgemeinschaft gekommen.
Fast scheint es so, als lasse S&P bei seinen aktuellen Ländereinschätzungen übergroße Vorsicht walten. Das war in anderen Fällen nicht immer so. Die Lehman Brothers kollabierten mit einem "A+"-Label von S&P, auf dem die Druckerschwärze noch nicht ganz trocken war. Und all die toxischen Immobilienpapiere, die das Finanzsystem an den Rand einer Kernschmelze brachten, hüpften allesamt mit erstklassigen Bonitätsnoten versehen in den Abgrund.
Bleibt die Frage, wie lange der Schwanz mit dem Hund wedelt. Die Forderungen nach einer europäischen Rating-Agentur werden langsam in der Politik laut, so gefühlte 20 Jahre, nachdem Finanzexperten das US-amerikanische Monopol auf Ratings in Frage gestellt haben. Aber es sollte in der Tat passieren. Konkurrenz belebt das Geschäft, und wenn es wirklich gelänge, eine unabhängige Organisation zu installieren, wäre viel gewonnen. Vielleicht könnte man dann auch mal ein realistisches Rating für die USA erhalten, denn da trauen sich alle drei Platzhirsche nicht ran.
Schön, dass nun auch seitens der Politik ein wenig Bewegung in die Sache kommt. Die Aschewolke des Ejafjälla zwang die EU-Verkehrsminister schon nach fünf Tagen ans Telefon. Die Finanzminister brauchen da schon ein paar Tage mehr. Nachdem unsere Bundeskanzlerin durch ihre zaudernde Haltung die Refinanzierungskosten der betroffenen Länder mit in die Höhe treiben half, hält sie nun das Heft in der Hand.
Vorher aber muss noch schnell die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen werden. Erst danach wird man erfahren, was für Griechenland getan wird (und übrigens auch, welche Sparmaßnahmen der deutsche Finanzminister plant). Man muss halt Prioritäten setzen. NRW gerettet, Europas Wirtschaft mit dem Rücken an der Wand. Die derzeitige Politik sagt sehr viel über die Geisteshaltung unserer Eliten aus.
www.longtermstrat.de