02.04.2001
Konjunktur ist, was wir daraus machen
Die US-Konjunktur kann uns ziemlich wurscht sein, findet Herbert
Geyer
Der Konjunkturrückgang in den USA hat die Wirtschaftsforscher
veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für heuer und für das
kommende Jahr teilweise spürbar zurückzunehmen. Das fügt sich
nahtlos in das seltsame Bild, das Konjunkturumfragen in der
Industrie seit einigen Monaten bieten: Während Quartal für Quartal
der Pessimismus für die jeweils kommenden Monate wächst,
ergeben die aktuellen Einschätzungen – davon offenbar völlig
unbeeinflusst – auch im folgenden und im nächsten Quartal das
Bild ungetrübter Hochkonjunktur.
Alle warten auf den Einbruch in den USA, der auch unsere
Wirtschaft nach unten ziehen könnte – doch er kommt nicht.
Dabei kann uns die US-Konjunktur ziemlich wurscht sein: Der
Aussenhandel der EU macht lediglich zwischen zehn und 15
Prozent der gesamten Wirtschaftstätigkeit in der Union aus. Das
heisst, selbst wenn das Wachstum der gesamten übrigen
Weltwirtschaft abrupt von fünf auf null Prozent abstürzen würde,
würde das für die EU-Wirtschaft nur eine Verlangsamung des
Wachstums von 0,5 bis 0,7 Prozent bedeuten. Zum Vergleich:
Das ist etwa so viel wie der Unterschied, wenn nach den Launen
des Kalenders ein Jahr einmal 52 und einmal 53 Sonntage
umfasst.
Und sogar dieser Einfluss ist noch zu hoch gegriffen. Denn von
den zehn bis 15 Prozent Aussenhandelsverflechtung der EU ist
ein steigender Anteil den europäischen Nicht-EU-Staaten
(Schweiz, Norwegen, mittel- und osteuropäische Reformstaaten)
zuzurechnen. Und die reagieren viel stärker auf
Konjunkturschwankungen der EU als auf jene der USA.
Die Entwicklung der europäischen Wirtschaftszentren beeinflusst
unsere Konjunktur also viel mehr als jene auf der anderen Seite
des grossen Teichs: Gerhard Schröders Schnupfen muss uns
mehr Sorgen machen als ein Beinbruch George Bushs.
Jedenfalls real. Denn natürlich kann man eine Konjunktur auch
krank beten. Und irgendwann einmal wirken sich auch ständig
unbegründete Sorgen negativ auf den momentanen
Gesundheitszustand des Patienten Wirtschaft aus.
Das aber liegt an uns Europäern selbst. Niemand zwingt uns,
stets ängstlich über den Atlantik zu schielen, ob von dort Wolken
am Konjunkturhimmel auftauchen. Unsere eigene Wirtschaft ist
stark genug.
Konjunktur ist, was wir daraus machen.
(Von daher sollte die EU sich auch in der Zinspolitik nicht den Kurs von den USA diktieren lassen. - kleine Anmerkung meinerseits)
Konjunktur ist, was wir daraus machen
Die US-Konjunktur kann uns ziemlich wurscht sein, findet Herbert
Geyer
Der Konjunkturrückgang in den USA hat die Wirtschaftsforscher
veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für heuer und für das
kommende Jahr teilweise spürbar zurückzunehmen. Das fügt sich
nahtlos in das seltsame Bild, das Konjunkturumfragen in der
Industrie seit einigen Monaten bieten: Während Quartal für Quartal
der Pessimismus für die jeweils kommenden Monate wächst,
ergeben die aktuellen Einschätzungen – davon offenbar völlig
unbeeinflusst – auch im folgenden und im nächsten Quartal das
Bild ungetrübter Hochkonjunktur.
Alle warten auf den Einbruch in den USA, der auch unsere
Wirtschaft nach unten ziehen könnte – doch er kommt nicht.
Dabei kann uns die US-Konjunktur ziemlich wurscht sein: Der
Aussenhandel der EU macht lediglich zwischen zehn und 15
Prozent der gesamten Wirtschaftstätigkeit in der Union aus. Das
heisst, selbst wenn das Wachstum der gesamten übrigen
Weltwirtschaft abrupt von fünf auf null Prozent abstürzen würde,
würde das für die EU-Wirtschaft nur eine Verlangsamung des
Wachstums von 0,5 bis 0,7 Prozent bedeuten. Zum Vergleich:
Das ist etwa so viel wie der Unterschied, wenn nach den Launen
des Kalenders ein Jahr einmal 52 und einmal 53 Sonntage
umfasst.
Und sogar dieser Einfluss ist noch zu hoch gegriffen. Denn von
den zehn bis 15 Prozent Aussenhandelsverflechtung der EU ist
ein steigender Anteil den europäischen Nicht-EU-Staaten
(Schweiz, Norwegen, mittel- und osteuropäische Reformstaaten)
zuzurechnen. Und die reagieren viel stärker auf
Konjunkturschwankungen der EU als auf jene der USA.
Die Entwicklung der europäischen Wirtschaftszentren beeinflusst
unsere Konjunktur also viel mehr als jene auf der anderen Seite
des grossen Teichs: Gerhard Schröders Schnupfen muss uns
mehr Sorgen machen als ein Beinbruch George Bushs.
Jedenfalls real. Denn natürlich kann man eine Konjunktur auch
krank beten. Und irgendwann einmal wirken sich auch ständig
unbegründete Sorgen negativ auf den momentanen
Gesundheitszustand des Patienten Wirtschaft aus.
Das aber liegt an uns Europäern selbst. Niemand zwingt uns,
stets ängstlich über den Atlantik zu schielen, ob von dort Wolken
am Konjunkturhimmel auftauchen. Unsere eigene Wirtschaft ist
stark genug.
Konjunktur ist, was wir daraus machen.
(Von daher sollte die EU sich auch in der Zinspolitik nicht den Kurs von den USA diktieren lassen. - kleine Anmerkung meinerseits)
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