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Einen sprunghaften Anstieg hat die Aktie der D+S europe AG (ISIN
DE0005336804) vergangene Woche nach dem Deutschen Eigenkapitalform in Frankfurt begonnen. Das Papier, das zu Jahresbeginn noch bei 3,50 Euro notierte, durchstieß souverän die 6 Euro-Marke. Aufgrund signifikanter Gewinnsteigerungen und einem Dimensionssprung im Umsatz betrachten Analysten den Wert als Outperformer mit weiterhin großem Steigerungspotential. Die D+S europe AG plant eine Steigerung des Ergebnisses pro Aktie von EUR 0,38 (2006e) auf EUR 0,50 (2007e). wallstreet-online sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der D+S europe AG, Dipl.-Ing. Achim Plate.
Gratulation, Herr Plate, zu Ihrer Präsentation auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt. Sie haben sehr viel Schwung in den Kurs gebracht. Die Notierung ist an einem Tag (intraday) um 10 Prozent gestiegen und das Handelsvolumen hat sich im Vergleich zum Vortag mehr als verdreifacht. War das beabsichtigt?
Plate: Die D+S europe AG etabliert sich in einer einzigartigen Marktstellung in Deutschland. Mit unserer Positionierung als spezialisierter Dienstleister für wertorientiertes Vertriebs- und Kundenkontaktmanagement differenzieren wir uns vom Wettbewerb und machen erhebliche Ergebnissteigerungen möglich. Kurzum: Ich sehe attraktive Zukunftsperspektiven für die D+S europe AG, über die wir mit unserer intensiven Kapitalmarkt-Arbeit informieren. Es zeigt sich, dass die Teilnehmer des Eigenkapital-Forums unsere Botschaften verstanden haben und unsere Ansicht teilen, dass die starke Aufstellung der D+S europe AG einen KGV-Faktor im Bereich von 20 rechtfertigt.
Nach dem jüngsten Kurssprung auf über 6 Euro ist die D+S-Aktie auf Basis der für 2006 prognostizierten Ergebnisse aktuell mit einem KGV von knapp 16 bewertet. Damit dürften Sie demnach nicht zufrieden sein.
Plate: Die D+S europe AG ist heute ein ganz anderes Unternehmen als noch vor zwei Jahren. Diese grundlegende Veränderung am Kapitalmarkt zu vermitteln, ist ein stufenweiser Prozess. Dabei kommt uns als Unternehmen die Aufgabe zu, die Erwartungen, die wir mit der im Sommer vollzogenen Übernahme der dtms AG verbunden haben, anhand harter Fakten zu belegen. Das haben wir mit dem Abschluss des dritten Quartals 2005 getan. Der Ergebnissprung im dritten Quartal 2005 von 0,1 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum) auf 4,1 Mio Euro ist der Vorbote unseres weiteren Ergebniswachstums in den kommenden Jahren. Der nächste Beleg wird unser Jahresabschluss sein. Wir behalten unsere intensive Kommunikation mit dem Kapitalmarkt bei und werden hoffentlich schon bald erleben, dass in der D+S europe AG und ihrer Aktie noch viel mehr Potential steckt.
Auf Jahressicht haben Sie EUR 9,2 Mio. EBIT bzw. ein Ergebnis pro Aktie in Höhe von EUR 0,20 angekündigt. Werden Sie Ihre Ziele erreichen?
Plate: Das vierte Quartal ist traditionell unser stärkster Jahresabschnitt. Zur Erfüllung unseres Jahresziels genügt uns in diesem Zeitraum eine Ergebniswiederholung des dritten Quartals. Wir liegen also voll im Plan.
In welchem Ausmaß hat die erstmalige Konsolidierung der dtms AG zum Gewinnsprung im dritten Quartal beigetragen?
Plate: Die D+S?Gruppe in ihrer Struktur vor der dtms-Übernahme erzielte im dritten Quartal 2005 ein EBIT von EUR 1,7 Mio. und hat sich damit deutlich um EUR 1,6 Mio. gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert. Dies unterstreicht die ganz erheblichen Potentiale der D+S AG. Die dtms AG trug mit einem EBIT in Höhe von EUR 2,4 Mio. zum Quartalsergebnis bei.
Die Gewinnsteigerung ist verbunden mit einer erheblichen Ausweitung des Konsolidierungskreises. Der Umsatz der D+S-Gruppe, der 2004 noch EUR 51,6 Mio. betrug, soll 2006 auf über EUR 175 Mio. bzw. brutto inklusive Vergütungen für Vorleistungen sogar auf EUR 330. Mio. steigen. Wie ertragsstark ist Ihr Wachstum?
Plate: Die beträchtliche Umsatzausweitung im D+S-Konzern haben wir einhergehend mit der Verlängerung unserer Wertschöpfungskette in weniger personalintensiven Bereichen herbeigeführt. Dadurch erreichen wir im Konzern eine signifikante Erhöhung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatzes auf mehr als das Doppelte gegenüber dem Jahr 2004. Umgerechnet auf Vollzeitäquivalente stieg der Pro-Kopf-Umsatz von gut EUR 7.000 im dritten Quartal 2004 auf über EUR 17.500 im dritten Quartal 2005. Durch den im Verhältnis zur Mitarbeiterzahl überproportionalen Umsatzanstieg erreichen wir eine deutlich höhere Ertragskraft. So planen wir von 2005 auf 2006 in der AG einen Umsatzzuwachs um über 55 Prozent von EUR 110 Mio. auf mehr als EUR 170 Mio. Im EBIT hingegen erwarten wir im gleichen Zeitraum eine Steigerung um gut 100 Prozent von EUR 9,2 Mio. in diesem Jahr auf ca. EUR 18,5 Mio. im kommenden Jahr. Die Umsatzausweitung bedeutet daher eine ganz erhebliche Steigerung unserer Ertragskraft.
Wie wirkt sich die Steigerung der Erträge auf die Gewinnmarge aus?
Plate: Im dritten Quartal 2005 haben wir eine EBIT-Marge von 12,4 % erreicht. 2006 planen wir erstmals ganzjährig eine zweistellige Umsatzrendite.
Wie wird sich vor diesem Hintergrund in Zukunft Ihr Ergebnis pro Aktie entwickeln?
Plate: Auf der Grundlage des 2006 geplanten EBIT von EUR 18,5 Mio. bei einer Steigerung des Brutto-Umsatzes inklusive weiterberechneter Vorleistungen auf EUR 330 Mio. erwarten wir im kommenden Jahr auf Konzernebene eine annähernde Verdoppelung des Ergebnisses pro Aktie auf 38 Cent. Im Jahr 2007 rechnen wir mit einer weiteren Steigerung des Ergebnisses pro Aktie auf 50 Cent.
Sind in Ihrer zukünftigen Ergebnisplanung bereits weitere Zukäufe eingeplant?
Plate: Weitere Zukäufe sind in unserer Planung noch nicht berücksichtigt. Unsere kommunizierten Ziele beziehen sich nur auf die Unternehmen, die wir bis heute im Konzern konsolidiert haben. Wir ernten jetzt die Früchte unserer 2004 erfolgten Neuausrichtung zum breit aufgestellten Outsourcing-Dienstleister. Damit haben wir erreicht, dass unsere Auftraggeber immer mehr Aufgaben an D+S übertragen. Und aufgrund der Größe, die wir jetzt erreicht haben, werden auch die Auftragsvolumina immer größer, weil die großen Konzerne die Zahl ihrer Dienstleister möglichst gering halten möchten.
Speziell mit der Verbindung der Tätigkeiten von D+S, die in ihren Communication Centern operatives Kundenmanagement anbietet, und dtms, die mit Erreichbarkeitskonzepten und Bezahllösungen innerhalb ihres Intelligenten Netzes eine technologische Plattform für klassische D+S-Services bereitstellt, hält unser Konzern den Schlüssel für zukunftsweisende Lösungen in Händen. Aus dieser deutlichen Verlängerung unserer Wertschöpfungskette heraus erwarten wir im kommenden Jahr in unserem Kerngeschäft ein überproportionales Wachstum um über 15 Prozent sowohl bei der dtms AG als auch bei der „alten D+S Gruppe“..
Sie gehören bereits zu den drei Spitzenunternehmen Ihrer Branche. Können Sie überhaupt noch eine weitere Steigerung erreichen?
Plate: Mein Ziel ist es, die D + S europe AG zum deutschen Marktführer für Integriertes Kundenwertmanagement zu machen. Auf dem Weg dahin ist der Kauf von dtms, einem führenden Telekommunikations-Dienstleister für professionelle Portallösungen rund um den unternehmerischen Kundenservice, ein wichtiger Schritt. Das Unternehmen ergänzt unser Dienstleistungsangebot ideal. Wir können unseren Auftraggebern jetzt neue Konzepte mit moderneren Service- und Abrechnungsmodellen anbieten. Im Mittelpunkt steht dabei das Integrierte Kundenwertmanagement mit differenzierten, vom Kundenwert abhängigen Service-Strategie. Denn bisher nutzen alle Anrufer, die ein Call Center erreichen wollen, die gleiche Rufnummer, sie stehen in der gleichen Warteschleife und zahlen für die erbrachte Leistung einen einheitlichen Betrag. Künftig wird es möglich sein, eine Beratung je nach Aufwand abzurechnen oder Kunden nach dem Wert, den sie für ein Unternehmen haben, individueller zu bedienen. Obwohl wir erst seit knapp 100 Tagen mit der dtms vereint sind, bekommen wir von unseren Auftraggebern schon erste Rückmeldungen, dass sie das neue Angebot sehr begrüßen.
Wie wirken sich Ihre Verpflichtungen aus der Fremdkapitalaufnahme und dem vorgesehenen schnellen Wachstum auf den Cash Flow aus?
Plate: Die Übernahme der dtms und die Ausrichtung unseres übrigen Geschäftes auf margenstarke Bereiche der Vertriebsprozesskette führen zu erheblich anwachsenden EBITDA von EUR 28 Mio. in 2006(e) und EUR 35 Mio. in 2007(e). Aus diesen werden wir nach der Finanzierung unseres Wachstums und unserer Investitionen auch unsere Verbindlichkeiten zurück führen können, so dass sich das Verhältnis zwischen verzinslicher Verschuldung und Eigenkapital (Gearing) von 60 Prozent Ende 2005 bereits Ende 2007 auf 40 Prozent reduziert haben sollte.
Sie sind seit diesem Jahr ein Aufnahmekandidaten für den SDax. Werden Sie den Sprung schaffen?
Plate: Wenn Sie sich das aktuelle Ranking im SDax vom 31. Oktober 2005 anschauen, dann werden Sie erkennen, dass mittlerweile ein gutes Dutzend der dort gelisteten Unternehmen in der wesentlichen Kennzahl des Market Cap und sogar mehr als 20 in der Turnover-Betrachtung hinter uns liegen. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass unsere gute Performance dazu führen wird, dass wir über kurz oder lang in den SDax aufgenommen werden.