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13.07.2008 11:31
Übernahme von Conti?
Der Autozulieferer Schaeffler will laut angeblich den Reifenhersteller Continental kaufen. Der stark gebeutelten Conti-Aktie könnte das am Montag Auftrieb geben.
Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach habe Conti ein Angebot vorgeschlagen, das den hannoverschen Autozulieferer mit mehr als zehn Milliarden Euro bewerten könnte, berichtete die "Financial Times" am Samstag. Der Konzern wurde an der Börse zuletzt mit rund 8,7 Milliarden Euro bewertet. Die Aktie, die am Freitag um knapp acht Prozent auf 53,96 Euro abgerutscht war, hat in den vergangenen zwölf Monaten rund die Hälfte ihres Werts eingebüßt.
Wie die Financial Times berichtet, arbeitet Schaeffler mit der Royal Bank of Scotland (RBS) zusammen und sei notfalls auch zu einer feindlichen Übernahme bereit. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus nicht näher genannten "Kreisen". Eine Übernahme von Continental wäre der größte Unternehmenskauf in diesem Jahr in Europa, betont die Zeitung. Das Übernahmeangebot komme zu einem Zeitpunkt, in dem der Hannoveraner Autozulieferer wegen steigender Rohstoffpreise und sinkenden Autoabsatzes zunehmend unter Druck gerate.
"Kein Kommentar"
Schaeffler und Continental wollten sich nicht zu dem Bericht äußern. "Wir kommentieren Marktgerüchte grundsätzlich nicht", sagte ein Sprecher des Unternehmens aus Herzogenaurach. Ein Conti-Sprecher verwies ebenfalls auf die grundsätzliche Haltung seines Unternehmens: "Wir haben keine Berührungsängste gegenüber Investoren, die die langfristige Strategie und Geschäftspolitik des Unternehmens unterstützen und die Conti nicht zerschlagen wollen. Jedem Interessenten mit Absichten einer feindlichen Übernahme wünschen wir viel Glück, er wird es brauchen."
Schaeffler hatte im vergangenen Jahr mit rund 66.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der unter anderem auf Wälzlager spezialisierte Konzern mit den Marken INA, LuK und FAG macht nach eigenen Angaben rund 60 Prozent seines Geschäfts mit der Autoindustrie, der Rest verteilt sich auf andere Branchen wie etwa Luft- und Raumfahrt. Conti kam 2007 mit knapp 152.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 16,6 Milliarden Euro, mit dem im Dezember übernommenen Autoelektronik-Spezialisten VDO wären es 26,4 Milliarden Euro gewesen.
In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Marktspekulationen über einen Übernahmeinteressenten gegeben. Im Jahr 2006 war der hannoversche Konzern bereits ins Visier von Finanzinvestoren geraten.