"Noch dümmlicher und lächerlicher"
Online-Broker Consors hat Probleme mit dem Niveau seines Chat-Boards. Nun greifen erstmals Webmaster ein
Hamburg hö - "Sick ist endlich gesperrt! Hoch lebe der Webmaster!!" Wer sich da so freut, nennt sich im Internet-Chat von Consors "geilo kastello". Sein Beitrag im Web-Forum des Discount-Brokers, in dem es eigentlich um die Werte des Neuen Marktes gehen sollte, ist durchaus repräsentativ für die aktuelle Lage im Consors-Chat. Es hat keinerlei Börsenbezug, bekundet Schadenfreude gegenüber einem anderen Chatter und rückt zudem den Community-Manager in den Mittelpunkt. Während sich Beleidigungen, Pushversuche und sachfremde Themen zuletzt proportional zu den fallenden Börsenkursen ausbreiteten, zeugt die Bemerkung über den Webmaster von einer echten Neuerung.
"Wir haben im Bereich Community neue Leute eingestellt", bestätigt Consors-Sprecher Michael Kläver. "Und unsere Community-Manager greifen jetzt in der Tat häufiger in die Diskussionen ein." Das fallende Niveau, das den wirklich börseninteressierten Usern das Diskutieren schwer und das Abwandern zu offensichtlich hochwertigeren Angeboten wie "wallstreet-online" leicht macht, ist für den Onlinebroker also zu einem ernsten Problem geworden. Schließlich stellt der Chat, der nach Firmenangaben täglich bis zu 20.000 Einträge ("Postings") verzeichnet, ein wichtiges Marketinginstrument dar. "Für uns ist das Board auch ein Weg, an neue Kunden heranzukommen", sagt Kläver. Gerade hier werden die begehrten "Heavy Trader" vermutet, die auch in schlechten Börsenzeiten für stabile Provisionsumsätze sorgen, weil sie sich im Day-Trading versuchen.
"Die Börse soll wieder alleiniger Gegenstand der Diskussionen werden", gibt Kläver das Ziel vor, "bei Pushversuchen, Beleidigungen und ähnlichem machen wir zur Not auch schon mal kurzen Prozess und sperren den Autor." Für die User, die sich im Laufe des vergangenen Jahres an den rüden Umgangston gewöhnt hatten, ist die plötzlich allgegenwärtige Kontrollinstanz stark gewöhnungsbedürftig. So hatte "Bruder B" den "Big Brother" offenbar völlig vergessen, als er seinen Mit-Chatter "MacPush" schriftlich diffamierte: "Wie krank bist du eigentlich? Volldepp." Glück gehabt: Dieser Verstoß gegen die neue Etikette bei Consors blieb ungesühnt.
Das war durchaus im Sinne von "Trude Kloppmann". Sie - oder er - gibt offenbar nicht viel auf "die letzten Versuche, das Board zu retten". Und auch "Bed Shoes" zweifelt am Erfolg des Eingriffs von oben: "Seitdem der Webmaster hier ist, wird alles noch dümmlicher und lächerlicher. Die Chaoten bleiben an Board, die anderen wandern ab." Wenn schon nicht erwünscht, so haben die Eingriffe der Webmaster doch auch ihr Gutes: Sie sorgen zumindest zeitweise für willkommene Ablenkung bei zugleich hohem Unterhaltungswert. Und das ist an Tagen, an denen die Börse mal nicht ganz so gut läuft, ja auch schon was wert.
Quelle: www.welt.de
erschienen am: 24.06.2001
Online-Broker Consors hat Probleme mit dem Niveau seines Chat-Boards. Nun greifen erstmals Webmaster ein
Hamburg hö - "Sick ist endlich gesperrt! Hoch lebe der Webmaster!!" Wer sich da so freut, nennt sich im Internet-Chat von Consors "geilo kastello". Sein Beitrag im Web-Forum des Discount-Brokers, in dem es eigentlich um die Werte des Neuen Marktes gehen sollte, ist durchaus repräsentativ für die aktuelle Lage im Consors-Chat. Es hat keinerlei Börsenbezug, bekundet Schadenfreude gegenüber einem anderen Chatter und rückt zudem den Community-Manager in den Mittelpunkt. Während sich Beleidigungen, Pushversuche und sachfremde Themen zuletzt proportional zu den fallenden Börsenkursen ausbreiteten, zeugt die Bemerkung über den Webmaster von einer echten Neuerung.
"Wir haben im Bereich Community neue Leute eingestellt", bestätigt Consors-Sprecher Michael Kläver. "Und unsere Community-Manager greifen jetzt in der Tat häufiger in die Diskussionen ein." Das fallende Niveau, das den wirklich börseninteressierten Usern das Diskutieren schwer und das Abwandern zu offensichtlich hochwertigeren Angeboten wie "wallstreet-online" leicht macht, ist für den Onlinebroker also zu einem ernsten Problem geworden. Schließlich stellt der Chat, der nach Firmenangaben täglich bis zu 20.000 Einträge ("Postings") verzeichnet, ein wichtiges Marketinginstrument dar. "Für uns ist das Board auch ein Weg, an neue Kunden heranzukommen", sagt Kläver. Gerade hier werden die begehrten "Heavy Trader" vermutet, die auch in schlechten Börsenzeiten für stabile Provisionsumsätze sorgen, weil sie sich im Day-Trading versuchen.
"Die Börse soll wieder alleiniger Gegenstand der Diskussionen werden", gibt Kläver das Ziel vor, "bei Pushversuchen, Beleidigungen und ähnlichem machen wir zur Not auch schon mal kurzen Prozess und sperren den Autor." Für die User, die sich im Laufe des vergangenen Jahres an den rüden Umgangston gewöhnt hatten, ist die plötzlich allgegenwärtige Kontrollinstanz stark gewöhnungsbedürftig. So hatte "Bruder B" den "Big Brother" offenbar völlig vergessen, als er seinen Mit-Chatter "MacPush" schriftlich diffamierte: "Wie krank bist du eigentlich? Volldepp." Glück gehabt: Dieser Verstoß gegen die neue Etikette bei Consors blieb ungesühnt.
Das war durchaus im Sinne von "Trude Kloppmann". Sie - oder er - gibt offenbar nicht viel auf "die letzten Versuche, das Board zu retten". Und auch "Bed Shoes" zweifelt am Erfolg des Eingriffs von oben: "Seitdem der Webmaster hier ist, wird alles noch dümmlicher und lächerlicher. Die Chaoten bleiben an Board, die anderen wandern ab." Wenn schon nicht erwünscht, so haben die Eingriffe der Webmaster doch auch ihr Gutes: Sie sorgen zumindest zeitweise für willkommene Ablenkung bei zugleich hohem Unterhaltungswert. Und das ist an Tagen, an denen die Börse mal nicht ganz so gut läuft, ja auch schon was wert.
Quelle: www.welt.de
erschienen am: 24.06.2001