Wenn du schon den schwachen Euro so betonst ("wegen der Dollaraufwertung hat sich der Preis für Conergy-Module mehr als 15 % verbillig"), dann muss man aber schon auch die Relationen beachten und auch die Kehrseite der Medaille betrachten. So einfach wie du das schreibst ist das dann doch nicht.
Relation:
Conergy erzielte in Q1 77% der Umsätze in Europa (Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland) und 23% (34,6 Mio. €) im außereuropäischen Ausland (großteils in Kanada und Australien). Somit profitiert Conergy nicht allzu viel vom schwachen Euro, wenn man den Gesamtumsatz betrachtet.
Kehrseite des schwachen Euros:
Die Kehrseite des schwachen Euros wird nach meiner Meinung viel zu wenig beachtet bei den europäischen Solarwerten. Gerade die Wafer werden in US-Dollar eingekauft (LDK, MEMC, Renesola) und alleine die Wafer machen rd. 30 bis 35 % der Produktionskosten aus !! Da der US-Dollar stark gestiegen ist und die Waferpreise in Q1 stabil bei 0,83 $/W blieben, sind die Waferpreise auf Eurobasis somit angestiegen. Der weltgrößte chinesische Waferproduzent LDK hat am Donnerstag bei der Veröffentlichung der Q1-Zahlen mitgeteilt, dass die Waferpreise in Q2 sogar um rd. 5% auf 0,87 $/W steigen werden. So ähnlich hat sich auch Mitte Mai Renesola geäußert. Schon alleine durch die Preissteigerung der Waferpreise auf Eurobasis (ca. 20% in Q2 gg. Q1) dürfte Conergy vom schwachen Euro nicht großartig profitieren können - wenn überhaupt. Einzig Solarworld als europäischer Zellen/Modulbauer profitiert davon, da Solarworld seine Wafer selbst herstellt. Neben den Wafer werden auch andere Teile auf US-Dollarbasis eingekauft wie das Antireflexglas oder Halbleiter. Zudem sind durch den schwachen Euro die Logistikkosten (Schiffsfrachtkosten werden in US-Dollar bezahlt) gestiegen und die Vertriebskosten (Händlerprovisionen) fallen eh in der Landeswährung an.
Alles in Allem dürfte der schwache Euro nach meiner Einschätzung eher negativ für Conergy bei der Gewinnentwicklung sein. Vor allem wenn man sieht wo die Hauptumsätze generiert werden. Gilt aber nicht für Conergy, sondern für alle europäischen Zell/Modulhersteller mit Ausnahme von Solarworld. Den einzigen echten Vorteil des schwachen Euros den ich für Conergy erkennen kann ist der, dass die Chinesen im Euroraum nicht mehr so preisaggressiv auftreten können wie im letzten Jahr. Deshalb dürften die Modulpreise nicht mehr so stark fallen wie angenommen.
Wobei man aber an den Zahlen in Q1 der Chinesen sehr gut erkennen konnte, dass sie von den massiv aufgebauten Fertigungskapazitäten durch Skaleneffekte enorm profitiert haben. Trina Solar, JA Solar, Solarfun oder auch Yingli haben in Q1 eine klasse EBIT-Marge von über 20% erzielt (Conergys EBIT-Marge lag in Q1 bei 0,2% !!!). Das hat dann doch schön gezeigt wie groß der Hebel bei den Skaleneffekten einer wesentlich höheren Produktion ist. Geringere Fertigungseinzelkosten, geringere Entwicklungs/Forschungseinzelkosten oder auch geringere Einzelvertriebskosten und bessere Einkaufskonditionen. Das ist halt der riesengroße Vorteil einer wesentlich höheren Produktion.
@ Die geringe Fertigungsmenge von 200/250 MW - es kann doch von Anderen zugekauft werden
Da hast du schon Recht Hochrechnung, aber das ändert letztendlich doch nichts daran, dass die Produktionskosten inkl. der Entwicklungs/Forschungskosten und den zwangsläufig notwendigen Investitionen in die Produktion (die Fertigungslinien sind mittlerweile auch schon zwei Jahre alt und wohl nicht mehr up to Date der Technik) im Frankfurter Werk gegenüber der wesentlich größeren Konkurrenz logischerweise um einiges höher sind. Daran ändert auch keine 100%ige Auslastung großartig etwas. Der Bau des Frankfurter Werkes war ein riesengroßer Fehler von Conergy und der ist auch nicht mehr reparabel. Durch den Zukauf von Modulen lassen sich halt die hohen Produktionskosten besser kaschieren und sonst nichts. Wobei es bis jetzt ja nur ein paar Worte vom Ammer über dieses Thema gab. Was genau Conergy wirklich vor hat, weiß bis dato noch kein Außenstehender.
@ Meines Erachtens läuft momentan alles optimal für Conergy
Die Eigenkapitalquote ist von Ende 2009 bis Ende Q1 von 19 auf 15% gefallen, die Nettoverbindlichkeiten sind in Q1 um rd. 30 Mio. € gestiegen und die Refinanzierungsverhandlungen dauern immer noch an, obwohl der Ammer schon im März gesagt hat, dass diese Verhandlungen recht schnell beendet seien. Dazu gibt es immer noch kein testierten Geschäftsbericht für 2009 und die Hauptversammlung musste daraufhin auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Wenn du das alles ignorierst, dann kann man schon sagen, dass "momentan alles bei Conergy optimal läuft". Optimismus ist zwar immer gut, aber ob der bei Conergy gerechtfertigt ist, mag ich dann doch eher bezweifeln, wenn ich mir die hohe Marktkapitalisierung von knapp über 300 Mio. € betrachte. Solon ist in etwa gleich groß wie Conergy, gleich aufgestellt wie Conergy und hat die sehr ähnliche Bilanz-Schieflage wie Conergy, aber Solon wird nur mit einer Marktkapitalisierung von 58 Mio. € bewertet. Sollte einen dann schon mal zum Nachdenken bewegen.
@ deren Aktienwert (z. B. Yingli) steht aber tiefst im Keller
Aber genau das ist doch der Hauptgrund, dass man sich einige Chinawerte genauer anschauen sollte. Ich habe vor kurzem mir Trina Solar für 14 € ins Depot gelegt. Die Chinawerte haben deshalb so deutliche Kursverluste eingefahren, weil der Euro so schwach geworden ist. Mit dem eigentlichen operativen Geschäft hat das aber nichts zu tun. Das operative Geschäft bei den Chinesen läuft schon mehr als rund und die schreiben auch wirklich schöne Gewinne. Trina Solar hat in Q1 ein Umsatz von 227 Mio. € (Conergy 150,3 Mio. €) und knapp 200 MW ausgeliefert (Conergy hat gerade mal eine Jahresfertigungskapazität von 250 MW), einen operativen Gewinn von 63 Mio. € (Conergy gerade mal 0,3 Mio. €) mit einer EBI'T-Marge von 22,6% (Conergy 0,2%) und einen Nettogewinn von 37 Mio. € (Conergy hatte einen Nettoverlust in Q1 von 5 Mio. €).
Vor allem wenn man mal einen Blick auf die Bruttomarge wirft, dann sieht man sehr schnell, dass die Kostenstruktur von Conergy ganz einfach von hinten bis vorne nicht passt. Conergy erreichte in Q1 eine Bruttomarge von 31,3% und die ist unwesentlich niedriger als die von Trina Solar mit 32%. Aber beim Gewinn sind Welten zwischen Trina Solar und Conergy. Das zeigt, dass die Kostenstruktur bei Conergy unterhalb der Bruttomarge alles andere als effizient ist (aufgeblähte Holdingstruktur, Verwaltung, Logistik, Personalaufwand, Zinszahlungen) Jedoch ist ein solcher Vergleich bei der Bruttomarge zwischen Conergy und einem reinrassigen integrierten Modulbauer wie Trina Solar nicht allzu zielführend, da bei Conergy auch Umsätze und damit Gewinne bei Ingenieurdienstleistungen zu Solarparkprojekte, Wartung und Service von Solarparks und auch den kompletten Bau von Solarparks anfallen. Leider ist bei Conergy keine Transparenz bezüglich der einzelnen Bereichsumsätze und Margen (Modulproduktion, Projektierung, Wechselrichter, Gestellbau) vorhanden.
Aber nochmal kurz zurück zu Trina Solar. Die Aktie wird derzeit nur noch mit einem 2010er KGV von 8 bewertet (EPSe für 2010 von 2,10 $). Genau das macht für mich Trina Solar so hoch attraktiv. Bei Conergy wird für das laufende Jahr ein Nettoverlust von 14,5 Mio. € von den Analysten erwartet und somit würde sich bei Conergy ein negatives 2010er KGV ergeben. Das entspricht auch in etwa der Unternehmensprognose vom Ammer, denn der hat ja anlässlich der Q1-Zahlen ein EBITA im niedrigen zweistelligen Bereich prognostiziert, was im Endeffekt zu einem Nettoverlust führen würde. Sollte der Euro wieder stärker werden, dann sollten nach meiner Meinung die China-Solarwerte von Suntech, Yingli über JA Solar und Trina Solar (mein Favorit) bis zu Solarfun ganz genau beobachtet werden, da diese Aktien nur wegen des schwachen Euros so in den Keller gingen. Dass bei denen operativ schon mehr als alles in Ordnung ist, das haben die Q1-Ergebnisse sehr beindruckend bewiesen.
Auch nicht ganz uninteressant könnte Solarworld sein, denn Solarworld profitiert ganz besonders von einem schwachen Euro, da man Wafer selbst herstellt für die eigene Produktion und auch die Waferproduktion wieder hochfahren kann um sie verkaufen zu können, da die Waferpreise auf Eurobasis stark gestiegen sind. Gerade die Waferproduktion war ja bei Solarworld im letzten Jahr mit ein Problem, da die Wafer-Verkaufspreise massiv in den Keller gingen und somit auch die Margen des Gesamtkonzerns. Wenn es denn einen großen Profiteur vom schwachen Euro bei den europäischen Zellen/Modulbauer geben sollte, dann dürfte das nach meiner Meinung Solarworld sein. Wobei Solarworld aktuell mit einem 2010er KGV von 17 alles andere als billig bewertet ist.