24.05.2009
Verwässerung:Die Krone gebührt der Citigroup
von Antony Curie
Nach den Stresstests legen die betroffenen US-Banken gerade ihre Pläne vor, wie sie ihre notwendig gewordenen Kapitalerhöhungen umsetzen wollen. Und siehe da, für sie zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab: Denn trotz all ihrer Schwierigkeiten gibt es da eine bestimmte Bank, die ihre bestehenden Aktionäre auf jeden Fall einer noch größeren Verwässerung aussetzt. GMAC und Regions Financial muten ihren Investoren bereits erdrückende Verwässerungen zu. Die Aktien beider Institute mussten daraufhin schwere Schläge einstecken. Doch die Krone für die Verwässerung der Aktionäre im Bankensektor gebührt nach wie vor und unangefochten der Citigroup.
Und das will etwas heißen. Regions könnte nämlich die Anzahl ihrer Aktien von derzeit 695 Mill. Stück letztendlich fast verdoppeln. Die Bank könnte bis zu 460 Mill. neue Aktien verkaufen und wird diese um weitere 112 Mill. ausweiten, wenn Vorzugs- in Stammaktien getauscht werden. Durch Schuldtitel mit Wandlungspflicht kommen im nächsten Jahr weitere 62,5 Mill. Aktien hinzu.
Noch schlimmer sieht es für die private GMAC aus. Die auf Hypothekendarlehen und Autofinanzierungen spezialisierte Bank ist vielleicht bestenfalls ein Drittel des Buchwerts – das sind etwa sieben Mrd. Dollar – wert. Die Pflichtwandelanleihen über 7,5 Mrd. Dollar, die das US-Finanzministerium in die Bank pumpt, wurden so ausgestaltet, dass der Anteil der Regierung an GMAC unter der Schwelle von 50 Prozent bleibt. Doch GMAC muss immer noch 5,6 Mrd. Dollar an Stammaktien oder vergleichbaren Papieren einsammeln. Abhängig davon, wie dieser Betrag strukturiert wird, könnten die derzeitigen Eigentümer, darunter General Motors und Cerberus, am Ende nur noch etwa ein Drittel an dem Unternehmen halten. Oder weniger, wenn die Analysten Recht behalten, die davon ausgehen, dass das Geschäft nur noch vier Mrd. Dollar wert ist.
Auf der anderen Seite ist es einer oder zwei Banken gelungen, ihre erzwungene Kapitalerhöhung durchzuziehen, ohne ersichtliche Kerben zu schlagen: PNC erhöhte die Anzahl der Aktien um knapp über drei Prozent und Wells Fargo um weniger als zehn Prozent. Und nur die Nachfrage seitens der Investoren veranlasste Morgan Stanley dazu, die Anzahl ihrer Aktien um 15 Prozent auszudehnen statt es bei den vorgeschriebenen plus rund acht Prozent zu belassen.
Und im Vergleich zu Regions und GMAC sehen selbst einige der schwereren Fälle noch kerngesund aus. Der Verkauf von Stammaktien durch Fifth Third bewirkte zum Beispiel eine Verwässerung der bestehenden Aktionäre auf nur 85 Prozent – obwohl diese Marke durch der Plan der Bank, Vorzugsaktien gegen eine Mischung aus Stammaktien und Cash zu tauschen, weiter nach unten rutschen wird.
Doch die Citigroup nimmt eine Sonderstellung ein. Die marode Megabank hatte schon vor den Stresstests den Boden für eine Ausweitung ihrer Kapitalbasis bereitet. Sie wird die Anzahl ihrer Aktien von 5,5 Mrd. auf 22,9 Mrd. mehr als vervierfachen müssen, wenn sie Vorzugsaktien über 53 Mrd. Dollar in Stammaktien tauscht. Angesichts dieser Zahlen können sich die meisten anderen Banken relativ tugendhaft fühlen.
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