Börsen-Trends
Welche Werte versprechen noch gute Renditen?
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Die Aktie von Telekom lag am 9. Januar 2001 bei rund 33 Euro, gut 50 Prozent weniger als vor einem Jahr. Und die Aktie von Vodafone - der D 2 / Arcor / O.tel.o-Mutter - bei knapp 4 Euro, ebenfalls 50 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Die Anleger suchen zur Zeit lieber sichere Häfen. Bei neuen Technologien erwarten sie sowieso nur weitere Enttäuschungen. Also: was tun? Nach einer Emnid-Umfrage setzt auch jetzt noch jeder Zweite auf Aktien. Die Flops der New-Economy noch in den Knochen, preisen die Banken nun gerne die alten Werte: von Maschinenbau bis Tourismus. Zu recht?
Selbst bei einem mäßigen Kursverlauf wie im Jahr 2000 ist die Dividendenrendite bei mancher Aktie weit höher als der Sparbuchzins von nur 1,5 Prozent. Für kurzfristige Anlagen aber bleibt beim Aktienkauf ein Risiko. Denn fest steht: Eine hohe Dividendenausschüttung garantiert nicht auch einen steigenden Kursverlauf.
Wichtig ist zudem das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Denn zahlreiche Firmen-Pleiten der vergangenen Wochen haben gezeigt: Ideen allein sorgen höchstens kurzfristig für einen Kursanstieg. Die richtige Auswahl der Aktien entscheidet über Gewinn und Verlust beim Börsen-Monopoly.
Maschinenbau
Besonders der Maschinenbau brummt. Profitiert hat die Branche vor allem vom schwachen Euro. Hohe Auftragseingänge aus den USA und Südostasien waren die Folge. Auch für dieses Jahr rechnen die Unternehmen mit einem starken Wachstum.
Martin Wansleben, Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA):
Wir hatten für 2000 einen Umsatzanstieg von sechs bis sieben Prozent prognostiziert. In diesem Jahr gehen wir von fünf Prozent aus. Im Moment fühlen wir uns in dem Optimismus bestätigt. Die Auftragslage ist hervorragend. Manche Unternehmen schwimmen sogar in Aufträgen, es wird viel darauf ankommen, dass im Inland und Europa die Konjunktur stabil bleibt, damit wir Risiken im überseeischen Ausland kompensieren können.
Als ein Problem könnten sich fehlende Facharbeiter und die bereits volle Auslastung der Maschinen erweisen. Bekommen die Unternehmen das in den Griff, steht einem Umsatzplus und sprudelnden Gewinnen nichts im Wege.
Automobilindustrie
Auch nicht schlecht: die Lage in der Automobilindustrie. Und das trotz Absatzrückgang im Inland. Rettung bot das boomende Auslandsgeschäft, vor allem in den USA.
Jürgen Hubbert (DaimlerChrysler):
Sicher gehen wir davon aus, wie ich sagte, dass das Inland eher ein bisschen besser wird als 2000. Und der Export, das wird sich von Region zu Region unterscheiden. Ich glaube, dass die deutschen Angebote auch in Zukunft attraktiv sind für die USA, selbst wenn der Markt hier zurückgeht. Ich glaube nicht, dass die deutschen Hersteller, insbesondere wir, Einbrüche erleben werden.
Die Konjunkturschwäche in den USA wird auf alle Fälle zu schärferem Wettbewerb führen. In Deutschland dagegen erwarten Experten wenigstens einen kleinen Zuwachs bei den Neuzulassungen. Kostensenkungen können zudem zu steigenden Gewinnen und damit auch Kursen führen.
Touristikbranche
Positive Prognosen gibt es für die Touristikbranche. Sie glänzte schon 2000 mit einem Umsatzplus von sieben Prozent. Zur Nummer Eins auf dem Weltmarkt stieg die TUI-Mutter Preussag auf.
Michael Frenzel (Preussag):
Wir gehen davon aus in der Tat, dass auch 2001 und die Jahre danach ein starkes Wachstum in der Tourismusbranche stattfinden wird. Es gibt ja Studien der Welttourismusorganisation, die ein durchschnittliches Wachstum von sieben Prozent vorsehen, welches überproportional ist. Damit gehört Tourismus zu den Wachstumsbranchen insgesamt.
Optimismus schöpft die Branche aus Wirtschaftsaufschwung und Steuerreform. Die Aussichten stehen gut, dass Umsatz und Gewinne deutlich steigen.
Bleibt für den Anleger die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen oder sollte man zunächst noch abwarten?
Prof. Norbert Walter (Deutsche Bank):
Die Indizien sind für mich so, dass es ein eher schwieriges erstes Quartal werden wird. Wir bekommen noch schlechte Nachrichten aus den USA, insbesondere aber auch in Europa wird es noch schlechte Stimmung geben, und das alle schlechten Gewinnzahlen schon da sind, glaube ich nicht. Insofern wird es erst noch einmal etwas schlechter werden, bevor es dann allerdings besser wird.
Wer sein Geld eher langfristig anlegen möchte, kann demnach langsam mit ersten Käufen starten - im Vertrauen darauf, dass jeder Krise fast immer ein Kursfeuerwerk gefolgt ist.
Dieser Text gibt den Inhalt des Fernseh-Beitrages von PLUSMINUS vom 9. Januar 2001 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
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Gebührenschneiderei
Wie Geldanleger gemolken werden
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Churning, auf Deutsch "Buttern", ist eine Beschäftigung, die auch so mancher Anlageberater beherrscht. Doch statt Rahm schöpft er mit hohen Provisionen Geld ab - das der Kunden.
Seiner Anlagefirma vertraut hat auch Otto Schlenkermann. Durch einen Fernseh-Werbespot wird er auf die Göttler Finanz AG aufmerksam. Er ruft die Hotline an. Von diesem Tag an lassen die Göttler-Berater nicht mehr locker. Der Schwabe lässt sich überreden - und überweist erst mal 20.000.- DM. Doch Göttler will mehr.
Otto Schlenkermann: "Und es lief so ab, dass immer aussichtsreiche Optionen, Kauf von Optionen, in Aussicht gestellt wurden, die eigentlich fast garantiert mit Gewinn abgeschlossen werden können. Dazu braucht man Kapital, also wurde man immer wieder aufgefordert, hier Kapital rüberzubringen."
Kleinere Gewinne am Anfang wiegen Otto Schlenkermann in Sicherheit. Daraufhin überweist er sein gesamtes Erspartes - insgesamt mehr als 100.000.- DM. Plötzlich aber folgen hohe Verluste. Und bereits ein halbes Jahr nach Depoteröffnung ist von Otto Schlenkermanns Geld fast nichts mehr übrig. Sein Minus: Rund 92.000.- DM.
Otto Schlenkermann: "Also ich bin so enttäuscht worden, und das ist ja auch das, ich meine, der Verlust des Geldes wiegt schwer, aber das, der moralische Aspekt, das war für mich so niederschmetternd. Einer Firma, der ich so viel Vertrauen geschenkt habe, von der ich überzeugt war, dass sie sich für ihre Kunden einsetzt und dass sie wirklich nur das Beste des Kunden im Auge haben, das man da so reingelegt wird. Das ist deprimierend."
Die Firma Göttler, nach eigener Auskunft ein Spezialist im Optionsscheinhandel, fühlt sich für Schlenkermanns Verluste nicht verantwortlich. Und das obwohl sie den 55-jährigen ganz schön gemolken hat: Zusätzlich zu 33.000.- DM Kursverlusten belastet ihn Göttler auch noch mit 59.000.- DM an Gebühren. Ein typisches Kennzeichen für Churning, also Provisionsschinderei. Und Otto Schlenkermann ist nicht allein.
Christoph Öfele, Sachverständiger für Kapitalanlagen: "Bei der Firma Göttler ist es bemerkenswert, dass hier immer die gleiche Masche gefahren wird. Es ist zum einen ein sehr hohes Aufgeld, eine Kontoeröffnungsgebühr zu bezahlen, die Kommissionen sind zu hoch und letztendlich die Gewinnbeteiligung. In der Summe sind die Gebühren dann so hoch, dass regelmäßig ein Verlust für den Anleger auftritt."
Das sieht die Göttler Finanz AG anders. Laut ihrer schriftlichen Stellungnahme "... kann es vorkommen, dass Gebühren im ersten Moment als hoch erscheinen, welches sich bei genauerer Betrachtung relativiert."
Christoph Öfele hat die Gebühren genau unter die Lupe genommen. Sein Gutachten belegt: Während die maximale marktübliche Kommission 50 US-Dollar beträgt, verlangt die Göttler Finanz AG etwa 120 US-Dollar pro abgewickeltem Geschäft, also mehr als das Doppelte. Erfolgreiches Buttern, das Abschöpfen des Kundenkapitals, bringt immer mehr Anleger in Schwierigkeiten. Bis sie das Plündern ihres Kontos durchschauen ist es zu spät.
Auch dieser Anleger, der unerkannt bleiben will, hat ein Vermögen verloren. Rund 700.000.- DM investierte der 43-jährige Sachse bei der Hamburger Firma U&S Future Bond. Ein gutes halbes Jahr später verbleiben auf seinem Depot nur noch 65.000.- DM.
Der Anleger: "Die Information kam schon sehr plötzlich. Unser Berater hat uns angerufen und über diesen massiven Verlust informiert. Ich konnte es überhaupt nicht fassen. Wir waren völlig am Boden zerstört. Eine Erfahrung, die kann man sich überhaupt nicht vorstellen."
Zwar bedauert U&S Future Bond die Verluste des Anlegers, doch letztendlich sei er selbst für die An- und Verkäufe verantwortlich. Und sie seien in einer schwierigen Börsenzeit geschehen. Der Anleger "... hat bedauerlicherweise in einer Marktphase investiert, welche für die Anwendung eines Handelssystems sehr problematisch war."
Dass neben der Börsensituation auch U&S Future Bond zum Niedergang des Depots beitrug, zeigt dieses Optionsgeschäft. Eigentlich erzielt der Anleger einen Handelsgewinn, doch die Gebühren von U&S sind fast doppelt so hoch. Ergebnis: Ein Verlust von circa 4.500 US-Dollar.
Insgesamt muss der Anleger rund 290.000.- DM an Gebühren bezahlen.
Ursache: Die häufigen Depot-Umschichtungen. Auch dies ein typisches Zeichen von Provisionsschinderei. Rettung verspricht sich auch dieses Churning-Opfer allein vom Anwalt.
Dr. Werner Maier, Rechtsanwalt: "Wenn etwas nachgewiesen werden kann, verstehen sich Firmen sehr häufig darauf, im Wege eines Vergleiches eine Kontobeziehung zu beenden. Mit der Folge, dass natürlich für den einzelnen Geschädigten möglicherweise ein ganz zufriedenstellender Ausgleich herbeigeführt werden konnte."
Indem diese Firmen im Einzelfall nachgeben, vermeiden sie Staatsanwalt und Gericht.
Auf der einen Seite geeinigt, auf der anderen Seite auf der Suche nach neuen Churning-Opfern. So ist die Gebührenschneiderei nicht abzustellen. Und das "Buttern" wird weitergehen.
Dieser Text gibt den Inhalt des Fernseh-Beitrages von PLUSMINUS vom 6. November 2001 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Welche Werte versprechen noch gute Renditen?
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Die Aktie von Telekom lag am 9. Januar 2001 bei rund 33 Euro, gut 50 Prozent weniger als vor einem Jahr. Und die Aktie von Vodafone - der D 2 / Arcor / O.tel.o-Mutter - bei knapp 4 Euro, ebenfalls 50 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Die Anleger suchen zur Zeit lieber sichere Häfen. Bei neuen Technologien erwarten sie sowieso nur weitere Enttäuschungen. Also: was tun? Nach einer Emnid-Umfrage setzt auch jetzt noch jeder Zweite auf Aktien. Die Flops der New-Economy noch in den Knochen, preisen die Banken nun gerne die alten Werte: von Maschinenbau bis Tourismus. Zu recht?
Selbst bei einem mäßigen Kursverlauf wie im Jahr 2000 ist die Dividendenrendite bei mancher Aktie weit höher als der Sparbuchzins von nur 1,5 Prozent. Für kurzfristige Anlagen aber bleibt beim Aktienkauf ein Risiko. Denn fest steht: Eine hohe Dividendenausschüttung garantiert nicht auch einen steigenden Kursverlauf.
Wichtig ist zudem das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Denn zahlreiche Firmen-Pleiten der vergangenen Wochen haben gezeigt: Ideen allein sorgen höchstens kurzfristig für einen Kursanstieg. Die richtige Auswahl der Aktien entscheidet über Gewinn und Verlust beim Börsen-Monopoly.
Maschinenbau
Besonders der Maschinenbau brummt. Profitiert hat die Branche vor allem vom schwachen Euro. Hohe Auftragseingänge aus den USA und Südostasien waren die Folge. Auch für dieses Jahr rechnen die Unternehmen mit einem starken Wachstum.
Martin Wansleben, Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA):
Wir hatten für 2000 einen Umsatzanstieg von sechs bis sieben Prozent prognostiziert. In diesem Jahr gehen wir von fünf Prozent aus. Im Moment fühlen wir uns in dem Optimismus bestätigt. Die Auftragslage ist hervorragend. Manche Unternehmen schwimmen sogar in Aufträgen, es wird viel darauf ankommen, dass im Inland und Europa die Konjunktur stabil bleibt, damit wir Risiken im überseeischen Ausland kompensieren können.
Als ein Problem könnten sich fehlende Facharbeiter und die bereits volle Auslastung der Maschinen erweisen. Bekommen die Unternehmen das in den Griff, steht einem Umsatzplus und sprudelnden Gewinnen nichts im Wege.
Automobilindustrie
Auch nicht schlecht: die Lage in der Automobilindustrie. Und das trotz Absatzrückgang im Inland. Rettung bot das boomende Auslandsgeschäft, vor allem in den USA.
Jürgen Hubbert (DaimlerChrysler):
Sicher gehen wir davon aus, wie ich sagte, dass das Inland eher ein bisschen besser wird als 2000. Und der Export, das wird sich von Region zu Region unterscheiden. Ich glaube, dass die deutschen Angebote auch in Zukunft attraktiv sind für die USA, selbst wenn der Markt hier zurückgeht. Ich glaube nicht, dass die deutschen Hersteller, insbesondere wir, Einbrüche erleben werden.
Die Konjunkturschwäche in den USA wird auf alle Fälle zu schärferem Wettbewerb führen. In Deutschland dagegen erwarten Experten wenigstens einen kleinen Zuwachs bei den Neuzulassungen. Kostensenkungen können zudem zu steigenden Gewinnen und damit auch Kursen führen.
Touristikbranche
Positive Prognosen gibt es für die Touristikbranche. Sie glänzte schon 2000 mit einem Umsatzplus von sieben Prozent. Zur Nummer Eins auf dem Weltmarkt stieg die TUI-Mutter Preussag auf.
Michael Frenzel (Preussag):
Wir gehen davon aus in der Tat, dass auch 2001 und die Jahre danach ein starkes Wachstum in der Tourismusbranche stattfinden wird. Es gibt ja Studien der Welttourismusorganisation, die ein durchschnittliches Wachstum von sieben Prozent vorsehen, welches überproportional ist. Damit gehört Tourismus zu den Wachstumsbranchen insgesamt.
Optimismus schöpft die Branche aus Wirtschaftsaufschwung und Steuerreform. Die Aussichten stehen gut, dass Umsatz und Gewinne deutlich steigen.
Bleibt für den Anleger die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen oder sollte man zunächst noch abwarten?
Prof. Norbert Walter (Deutsche Bank):
Die Indizien sind für mich so, dass es ein eher schwieriges erstes Quartal werden wird. Wir bekommen noch schlechte Nachrichten aus den USA, insbesondere aber auch in Europa wird es noch schlechte Stimmung geben, und das alle schlechten Gewinnzahlen schon da sind, glaube ich nicht. Insofern wird es erst noch einmal etwas schlechter werden, bevor es dann allerdings besser wird.
Wer sein Geld eher langfristig anlegen möchte, kann demnach langsam mit ersten Käufen starten - im Vertrauen darauf, dass jeder Krise fast immer ein Kursfeuerwerk gefolgt ist.
Dieser Text gibt den Inhalt des Fernseh-Beitrages von PLUSMINUS vom 9. Januar 2001 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
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Gebührenschneiderei
Wie Geldanleger gemolken werden
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Churning, auf Deutsch "Buttern", ist eine Beschäftigung, die auch so mancher Anlageberater beherrscht. Doch statt Rahm schöpft er mit hohen Provisionen Geld ab - das der Kunden.
Seiner Anlagefirma vertraut hat auch Otto Schlenkermann. Durch einen Fernseh-Werbespot wird er auf die Göttler Finanz AG aufmerksam. Er ruft die Hotline an. Von diesem Tag an lassen die Göttler-Berater nicht mehr locker. Der Schwabe lässt sich überreden - und überweist erst mal 20.000.- DM. Doch Göttler will mehr.
Otto Schlenkermann: "Und es lief so ab, dass immer aussichtsreiche Optionen, Kauf von Optionen, in Aussicht gestellt wurden, die eigentlich fast garantiert mit Gewinn abgeschlossen werden können. Dazu braucht man Kapital, also wurde man immer wieder aufgefordert, hier Kapital rüberzubringen."
Kleinere Gewinne am Anfang wiegen Otto Schlenkermann in Sicherheit. Daraufhin überweist er sein gesamtes Erspartes - insgesamt mehr als 100.000.- DM. Plötzlich aber folgen hohe Verluste. Und bereits ein halbes Jahr nach Depoteröffnung ist von Otto Schlenkermanns Geld fast nichts mehr übrig. Sein Minus: Rund 92.000.- DM.
Otto Schlenkermann: "Also ich bin so enttäuscht worden, und das ist ja auch das, ich meine, der Verlust des Geldes wiegt schwer, aber das, der moralische Aspekt, das war für mich so niederschmetternd. Einer Firma, der ich so viel Vertrauen geschenkt habe, von der ich überzeugt war, dass sie sich für ihre Kunden einsetzt und dass sie wirklich nur das Beste des Kunden im Auge haben, das man da so reingelegt wird. Das ist deprimierend."
Die Firma Göttler, nach eigener Auskunft ein Spezialist im Optionsscheinhandel, fühlt sich für Schlenkermanns Verluste nicht verantwortlich. Und das obwohl sie den 55-jährigen ganz schön gemolken hat: Zusätzlich zu 33.000.- DM Kursverlusten belastet ihn Göttler auch noch mit 59.000.- DM an Gebühren. Ein typisches Kennzeichen für Churning, also Provisionsschinderei. Und Otto Schlenkermann ist nicht allein.
Christoph Öfele, Sachverständiger für Kapitalanlagen: "Bei der Firma Göttler ist es bemerkenswert, dass hier immer die gleiche Masche gefahren wird. Es ist zum einen ein sehr hohes Aufgeld, eine Kontoeröffnungsgebühr zu bezahlen, die Kommissionen sind zu hoch und letztendlich die Gewinnbeteiligung. In der Summe sind die Gebühren dann so hoch, dass regelmäßig ein Verlust für den Anleger auftritt."
Das sieht die Göttler Finanz AG anders. Laut ihrer schriftlichen Stellungnahme "... kann es vorkommen, dass Gebühren im ersten Moment als hoch erscheinen, welches sich bei genauerer Betrachtung relativiert."
Christoph Öfele hat die Gebühren genau unter die Lupe genommen. Sein Gutachten belegt: Während die maximale marktübliche Kommission 50 US-Dollar beträgt, verlangt die Göttler Finanz AG etwa 120 US-Dollar pro abgewickeltem Geschäft, also mehr als das Doppelte. Erfolgreiches Buttern, das Abschöpfen des Kundenkapitals, bringt immer mehr Anleger in Schwierigkeiten. Bis sie das Plündern ihres Kontos durchschauen ist es zu spät.
Auch dieser Anleger, der unerkannt bleiben will, hat ein Vermögen verloren. Rund 700.000.- DM investierte der 43-jährige Sachse bei der Hamburger Firma U&S Future Bond. Ein gutes halbes Jahr später verbleiben auf seinem Depot nur noch 65.000.- DM.
Der Anleger: "Die Information kam schon sehr plötzlich. Unser Berater hat uns angerufen und über diesen massiven Verlust informiert. Ich konnte es überhaupt nicht fassen. Wir waren völlig am Boden zerstört. Eine Erfahrung, die kann man sich überhaupt nicht vorstellen."
Zwar bedauert U&S Future Bond die Verluste des Anlegers, doch letztendlich sei er selbst für die An- und Verkäufe verantwortlich. Und sie seien in einer schwierigen Börsenzeit geschehen. Der Anleger "... hat bedauerlicherweise in einer Marktphase investiert, welche für die Anwendung eines Handelssystems sehr problematisch war."
Dass neben der Börsensituation auch U&S Future Bond zum Niedergang des Depots beitrug, zeigt dieses Optionsgeschäft. Eigentlich erzielt der Anleger einen Handelsgewinn, doch die Gebühren von U&S sind fast doppelt so hoch. Ergebnis: Ein Verlust von circa 4.500 US-Dollar.
Insgesamt muss der Anleger rund 290.000.- DM an Gebühren bezahlen.
Ursache: Die häufigen Depot-Umschichtungen. Auch dies ein typisches Zeichen von Provisionsschinderei. Rettung verspricht sich auch dieses Churning-Opfer allein vom Anwalt.
Dr. Werner Maier, Rechtsanwalt: "Wenn etwas nachgewiesen werden kann, verstehen sich Firmen sehr häufig darauf, im Wege eines Vergleiches eine Kontobeziehung zu beenden. Mit der Folge, dass natürlich für den einzelnen Geschädigten möglicherweise ein ganz zufriedenstellender Ausgleich herbeigeführt werden konnte."
Indem diese Firmen im Einzelfall nachgeben, vermeiden sie Staatsanwalt und Gericht.
Auf der einen Seite geeinigt, auf der anderen Seite auf der Suche nach neuen Churning-Opfern. So ist die Gebührenschneiderei nicht abzustellen. Und das "Buttern" wird weitergehen.
Dieser Text gibt den Inhalt des Fernseh-Beitrages von PLUSMINUS vom 6. November 2001 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.