Ist jetzt so nicht ganz richtig cashman. Es gibt durchaus einige Zell/Modulbauer die eine Produktionsauslastung von 70 bis 80% haben und damit fast Vollauslastung. Bei den Zelbauern sind das vorallem die Taiwanesen (z.B. Motech, Gintech, Neosolar), die von den US-Zöllen gegen die China-Solaris profitieren und bei den Modulbauern sind das die Japaner (z.B. Kycoera), die vom derzeitigen Boom in ihrem Land profitieren, und auch einige China Solaris wie Yingli, Trina Solar oder Jinko Solar, da die chinesische Regierung in diesem Jahr ihr Solarzubauziel auf riesige 10 GW veranschlagt hat und das wäre etwas mehr als doppelt so viel wie im letzten Jahr.
Die Deutsche Bank geht derzeit von einer 2013er Nachfrage von knapp 34 GW aus und IHS von 35 GW (2012: ca. 30 GW). Das heißt, dass das Wachstum bei Solar voll intakt ist und ich gehe sogar von einer noch höheren Nachfrage aus, die vor allem aus China, Japan und den USA gespeist wird, aber auch kleinere Solarländer wie z.B. England, Griechenland, Rumänien oder Thailand boomen aktuell.
So viel mal zur Nachfrageseite und die gute Nachfrage bei den Zell/Modulbauern wird über kurz oder lang auch bei den Maschinenbauer wie Centrotherm ankommen. Zumal ja die Zell/Modulbauern ihre Produktionskosten trotz der doch sehr guten Nachfrage sinken müssen und das geht halt meist nur mit neuen Fertigungsanlagen und die bauen halt mal u.a. Centrotherm. Nicht zu vergessen dabei, die Solarbranche hat im letzten Jahr kaum noch in neue Fertigungsanlagen investiert und damit wird es zwangsläufig zu einem Investitionsstau kommen, vor allem bei Zellen und Modulen. Die Gretchenfrage wird dabei sein wann es zur ersten Auflösung des Investitionsstau kommen wird ?? Schon im Herbst diesen Jahres oder erst Mitte 2014 ??
Eines dürfte aber auch klar sein, dass selbst wenn das Solarmaschinenbaugeschäft wieder anziehen wird, werden zunächst die Margen für Centrotherm und Co wohl recht niedrig sein, da so gut wie alle Solarmasichnenbauer nach neuen Aufträgen richtig lächzen und somit mit Kampfpreisen um neue Aufträge auf den Markt gehen. Deshalb ist mir die Prognose von Centrotherm für 2014 viel zu hoch angesetzt mit einem Umsatz von 372 Mio. € (2013e: 148 Mo. €) und einem Nettogewinn von 22 Mio. € (2013e: - 24 Mio. €). Zumal ja Centrotherm noch zwei Großaufträge mit Algerien (Zell- und Modulfertigungslinien) und Katar (Polysilizium) an der Backe hat die wohl alles andere als hoch profitabel sein werden. Wohl eher das Gegenteil dürfte der Fall sein, denn sonst würde Centrotherm nicht über diese zwei Großaufträge nachverhandeln und das schon seit fast einem Jahr. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Konkurrenz doch mittlerweile richtig groß ist mit Applied Materials, Meyer Burger, GT Solar, der Schmid Gruppe, RENA, Komatsu NTC, Apollo Solar und dem 48th Research Institute um nur mal die größten Solarmaschinenbauer neben Centrotherm zu nennen.
Wie bei (fast) allen Solarunternehmen kann man in der derzeitigen Branchenverfassung eigentlich kaum Prognosen abgeben. Das haben auch die letzten 2 Jahre super gut gezeigt. Deshalb ist es auch mehr oder weniger eine Glaubensfrage ob man in einen Solarwert investiert. Bei Centrotherm kommen aber auch noch weitere Unsicherheiten ins Spiel, denn man weiß doch überhaupt nicht wie nach dem Debt Equity Swap die Bilanz aussehen wird (z.B. wie hoch wird die Nettofinanzverschuldung noch sein ? 50 oder 100 Mio. €), in wie weit wurde die Bilanz in der Insolvenz überhaupt bereinigt (z.B. welche Risiken stecken noch drin ? was ist z.B. mit der Klage in China gegen Centrotherm über mehr als 100 Mio. € wegen des Bau eines Polysiliziumwerkes), wie hoch werden die Kosten/Investitionen sein um das zweite Standbein mit dem Halbleitergeschäft aufzubauen und welche Kreditlinien werden Centrotherm zugesprochen, denn erstens wird Centrotherm in diesem Jahr sicherlich noch Geld verbrennen (das könnte aber durch die noch vorhandene Liquidität ausgeglichen werden, da Centroherm nach meinem Wissenstand aktuell noch über eine Liquidität von über 60 Mio. € verfügt), zweitens wird der Aufbau des Halbleitergeschäftes die eine oder andere Mio sicherlich kosten (Entwicklung, Vertrieb) und drittens muss ja der erhoffte Auftragsaufschwung Ende 2013 bzw. erst Mitte 2014 auch irgendwie bezahlt werden, denn dann wird das Working Capital zwangsläufig massiv ansteigen und das muss erst mal bezahlt werden können von Centrotherm.
Weiteres Problem wird sein wenn der Debt Equity Swap durch sein wird ob und wann denn die Verwaltungsgesellschaft, die ja dann 80% der Centrothermaktien hält, beginnt "ihre" Centrothermaktien für die einzelnen Gläubiger zu verkaufen. Dem Vernehmen nach sind das ja über 100 Gläubiger die Centrothermaktien via dem Debt Equity Swap halten. Wenn regelmäßig über den Treuhändler Centrothermaktien auf den Markt geworfen werden, dann hat die Centrothermaktie theroretisch doch kaum eine Chance zu steigen.
Lange Rede kurzer Sinn, allzu viel weiß man halt nicht (eigentlich weiß man gar nichts bis auf die Tatsache, dass Centrotherm in den nächsten 18 Monate nicht in die Pleite gehen wird) und so ist halt Centrotherm mehr oder weniger eine reine rassige Black Box mit einer Marktkapitalisierung von rd. 140 Mio. € wenn der Debt Equity Swap durch ist beim aktullen Kurs von 1,40 €. Ist dann für mich schon eine ganz stolze Marktkapitalisierung bei diesen riesigen Unsicherheiten.