Die Briten fliegen ein
Luftschiffbauer Advanced Technology Group zeigt Interesse an Cargolifter
Von Nikolaus Doll
Zwei Millionen Euro - mehr dürfen die Kummer gewöhnten 72 000 Cargolifter-Aktionäre nicht erwarten. Der Insolvenzverwalter des Unternehmens plant mit er Insolvenzmasse eine Auffanggesellschaft und will mit zwei Partnern die neue "United Airships" gründen.
Brand - Eine halbe Mio. Euro soll in der kommenden Woche an Aktionäre von Cargolifter ausgezahlt werden. In den folgenden Monaten kommen noch einmal rund 1,4 Mio. Euro hinzu. Das wars. Mehr Geld werden die 72 000 Anleger und Luftschiff-Enthusiasten, die seit 1996 rund 320 Mio. Euro in die AG, das Leichter-als-Luft-Konzept und den Standort Brand investiert hatten, wohl nicht sehen.
Die annähernd zwei Mio. Euro stammen von den beiden Rettungsversuchen, die der Vorstand der AG und die Aktionärsinitiative Zukunft-in-Brand im vergangenen Jahr getrennt voneinander unternommen hatten. Nach Scheitern des Vorstands im Dezember 2002 sollen die Einzahler die 1,4 Mio. Euro ohne Abzüge zurückbekommen, wie eine Sprecherin von Cargolifter erklärt.
Dennoch üben die Anleger, wie bereits Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, scharfe Kritik an dem Rettungsversuch. "Die Zeit, die man zur Zeichnung eingeräumt hatte, war zu kurz. Da konnte nicht mehr zusammenkommen", sagt Mirko Hörmann von Zukunft-in-Brand. Die von ihm und der Aktionärsinitiative gesammelte halbe Mio. Euro, Geld die für eine Wandelschuldverschreibung gedacht waren, will Hörmann ebenfalls zurückerstatten.
"Bei Interesse kann das Geld aber auch in einen Rechtshilfe-Fonds fließen. Wir wollen ein Rechtsgutachten erstellen lassen, denn die Anleger haben noch viele Fragen." Die hat auch die Potsdamer Staatsanwaltschaft, die gegen den Ex-Vorstand der AG wegen des Verdachts der Konkursverschleppung ermittelt.
Ob es hingegen noch viele Anleger gibt, die an einer Aufklärung interessiert sind, ist fraglich. "Die meisten haben ihr Geld wohl abgeschrieben", gibt Hörmann, Aktionär Nr. 226, zu. Denn auch die Anleger wissen, dass es für Cargolifter - neben der allenfalls theoretischen Chance einer Fortführung der Geschäfte - nur eine Zukunft durch eine Übernahme gibt.
Insolvenzverwalter Mönning setzt inzwischen ganz darauf. Er plant mit dem Hauptgläubiger, der Investitionsbank des Landes Brandenburg, das Vermögen als Insolvenzmasse aus der weiter börsennotierten AG herauszulösen und in eine Auffanggesellschaft zu überführen. Praktisch bedeutet das die Enteignung der Aktionäre.
Rückenwind bekommt Mönning sowohl von Cargolifter-Vorstand Wolfgang Schneider als auch von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Der hatte in der Vorwoche erklärt, man wolle alles tun, um den Standort Brand zu er- und die Technologie im Land zu behalten. Von der AG kein Wort.
Indessen scheint Mönning mit seinen Plänen für eine Auffanggesellschaft einige wichtige Schritte vorangekommen zu sein. Erstmals hat ein Sprecher der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH bestätigt, dass es Gespräche mit Cargolifter darüber gibt. Mit dem britischen Luftschiffbauer, der Advanced Technologies Group (ATG), dem Dritten im Bunde, mit dem Mönning die "United Airships" bilden will, existiert bereits ein Vorvertrag.
"Wir haben ein Luftschiff, das fliegt, realisierbare Pläne zur Serienproduktion und bereits acht Auftraggeber für unser AT-10. Und wir wollen mit Cargolifter am Standort Brand kooperieren", sagt ein ATG-Sprecher. Zweifel an der Liquidität zerstreut er: ATG verfüge über 420 Investoren, die bisher rund 25 Mio. Euro aufgebracht hätten. Weitere Finanziers stünden bereit.
Die dritte gute Nachricht lautet, dass sich die US-Fracht-Gruppe Universal Express neben einem Einstieg bei Cargolifter eine Kooperation mit "United Airships" vorstellen kann. Einen Investitionsplan haben die Amerikaner bereits vorgelegt. Bei den Verhandlungen wurden aber auch Hürden deutlich. Universal Express plant neben dem Luftschiffbau ein Logistikzentrum, will die Genehmigungsfristen zur Nutzungsänderung aber nicht abwarten. "Zieht sich das Verfahren Jahre hin, springen die Amerikaner ab", sagt Mönning.
Potsdam hat zwar rasche Bearbeitung des Falls zugesagt, dafür bröckelt das Konzept in Friedrichshafen. "Wir reden miteinander, aber ich sehe keine gemeinsame Schnittmenge mit Cargolifter", sagt ein Sprecher von Zeppelin. Das Unternehmen stellte zudem kürzlich den Bau weiterer Luftschiffe mangels Auftraggeber ein.
Auch das Hauptproblem, die Finanzierung weiterer Luftschiff-Pläne, ist ungeklärt. So wies die Mutter von Hoffungsträger Universal Express 2002 einen Nettoverlust aus. Bleibt die Frage, ob Land und Bund einsteigen. Bei den vergangenen Förderanfragen habe es vom Bund stets geheißen: "Nichts Belastbares dran", sagt Mönning. "Das neue Konzept ist weitaus positiver aufgenommen worden."