Jugendliche aus den neuen Bundesländern sind neue HIV-Risikogruppe - Zahl schwuler Neu-Infizierter könnte sich 2004 verdoppeln - Ärzte bezeichnen Entwicklung in Osteuropa als "katastrophal"
Agence France-Presse - August 26, 2004
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Berlin, 26. August (AFP) - Deutschlands Jugend wird gegenüber Aids immer leichtsinniger, Experten befürchten deshalb vor allem im Osten einen deutlichen Anstieg der HIV-Infektionen. Nach dem Halbjahresbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin könnte sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen bei Homosexuellen in den neuen Bundesländern in diesem Jahr verdoppeln. "Die hohe Sorglosigkeit lässt uns aufschrecken", sagte Bernhard Bieniek vom Aids-Arbeitskreis der Berliner Ärzte am Donnerstag in Berlin. In Osteuropa sei die Ausbreitung des HIV-Virus sogar "katastrophal". Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kündigte verstärkte Präventionsmaßnahmen an.
Laut Bieniek stellen Ärzte derzeit eine "Häufung" der Neuinfektionen bei unter 30-Jährigen fest; viele von ihnen seien sogar unter 25 Jahre alt. Nach Angaben der RKI stellen schwule Männer nach wie vor die größte Gruppe der Neuinfizierten dar. In Ostdeutschland waren 43 Prozent von ihnen unter 30 Jahre alt. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr bei 829 Menschen die Neudiagnose HIV-positiv gestellt.
Grund für den vermehrten Anstieg in Ostdeutschland ist nach Bienieks Angaben unter anderem ein geringeres Problembewusstsein. Von den großen, teilweise schockierenden Aufklärungskampagnen und der öffentlichen Debatte über Aids in den 80-er Jahren in den alten Bundesländern hätten die Menschen im Osten nichts mitbekommen.
Laut Bundesgesundheitsministerin Schmidt lässt aber das Schutzverhalten der Deutschen insgesamt nach: So seien zwar fast hundert Prozent der Erwachsenen über die Ansteckungsmöglichkeiten informiert, nur zwei Drittel aller Menschen mit wechselnden Geschlechtspartnern schützten sich aber in Risikosituationen. Diese Sorglosigkeit gäben die Erwachsenen an die Jugendlichen weiter. Die Bundesregierung habe für dieses Jahr mehr als neun Millionen Euro für Aidsprävention in Deutschland zur Verfügung gestellt, sagte Schmidt. Damit wolle man versuchen, auch Migranten mit Sprachproblemen zu erreichen, die ebenfalls zur HIV-Risikogruppe in Deutschland gehören.
In Osteuropa nimmt die Ausbreitung des HIV-Virus laut Bieniek eine "Entwicklung, die nur noch mit Afrika zu vergleichen ist". Länder wie Weißrussland, die Ukraine oder Estland hätten inzwischen die weltweit höchsten HIV-Zuwachsraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spreche sogar von einer "explosionsartigen Ausbreitung". Hauptübertragungswege sind der Austausch benutzter Spritzen unter Drogenabhängigen sowie ungeschützter Geschlechtsverkehr. Nach WHO-Angaben sind allein in der Ukraine mittlerweile 600.000 Menschen HIV-positiv.
Agence France-Presse - August 26, 2004
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Berlin, 26. August (AFP) - Deutschlands Jugend wird gegenüber Aids immer leichtsinniger, Experten befürchten deshalb vor allem im Osten einen deutlichen Anstieg der HIV-Infektionen. Nach dem Halbjahresbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin könnte sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen bei Homosexuellen in den neuen Bundesländern in diesem Jahr verdoppeln. "Die hohe Sorglosigkeit lässt uns aufschrecken", sagte Bernhard Bieniek vom Aids-Arbeitskreis der Berliner Ärzte am Donnerstag in Berlin. In Osteuropa sei die Ausbreitung des HIV-Virus sogar "katastrophal". Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kündigte verstärkte Präventionsmaßnahmen an.
Laut Bieniek stellen Ärzte derzeit eine "Häufung" der Neuinfektionen bei unter 30-Jährigen fest; viele von ihnen seien sogar unter 25 Jahre alt. Nach Angaben der RKI stellen schwule Männer nach wie vor die größte Gruppe der Neuinfizierten dar. In Ostdeutschland waren 43 Prozent von ihnen unter 30 Jahre alt. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr bei 829 Menschen die Neudiagnose HIV-positiv gestellt.
Grund für den vermehrten Anstieg in Ostdeutschland ist nach Bienieks Angaben unter anderem ein geringeres Problembewusstsein. Von den großen, teilweise schockierenden Aufklärungskampagnen und der öffentlichen Debatte über Aids in den 80-er Jahren in den alten Bundesländern hätten die Menschen im Osten nichts mitbekommen.
Laut Bundesgesundheitsministerin Schmidt lässt aber das Schutzverhalten der Deutschen insgesamt nach: So seien zwar fast hundert Prozent der Erwachsenen über die Ansteckungsmöglichkeiten informiert, nur zwei Drittel aller Menschen mit wechselnden Geschlechtspartnern schützten sich aber in Risikosituationen. Diese Sorglosigkeit gäben die Erwachsenen an die Jugendlichen weiter. Die Bundesregierung habe für dieses Jahr mehr als neun Millionen Euro für Aidsprävention in Deutschland zur Verfügung gestellt, sagte Schmidt. Damit wolle man versuchen, auch Migranten mit Sprachproblemen zu erreichen, die ebenfalls zur HIV-Risikogruppe in Deutschland gehören.
In Osteuropa nimmt die Ausbreitung des HIV-Virus laut Bieniek eine "Entwicklung, die nur noch mit Afrika zu vergleichen ist". Länder wie Weißrussland, die Ukraine oder Estland hätten inzwischen die weltweit höchsten HIV-Zuwachsraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spreche sogar von einer "explosionsartigen Ausbreitung". Hauptübertragungswege sind der Austausch benutzter Spritzen unter Drogenabhängigen sowie ungeschützter Geschlechtsverkehr. Nach WHO-Angaben sind allein in der Ukraine mittlerweile 600.000 Menschen HIV-positiv.
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