Ich höre ja generell nicht auf Analysten, aber es gibt Ausnahmen. Wenn Brokat,
dann die Anleihe.
05.10.2001: Brokat Wichtige Ad hoc gut für Anleihen-Besitzer - Aktionäre verlieren fast alles
Heute teilte Brokat in einer Ad hoc-Mitteilung eine Kapitalmaßnahme zur Sanierung der Gesellschaft mit. Diese wird nach
Ansicht von FN einen Rückgang der Aktie auf 0,10-0,20 Euro sowie einen Kursanstieg der Anleihe zur Folge haben.
Hier einmal der Wortlaut der Ad hoc-Mitteilung:
Dreistufige Kapitalmaßnahme zur Sanierung des Unternehmens
Brokat plant Herabsetzung des Grundkapitals und anschließende Kapitalerhöhung / E-Finance wird in eigene
Tochtergesellschaft ausgelagert
Stuttgart, 5. Oktober 2001. Die Brokat Technologies AG plant als Teil des Sanierungskonzeptes eine dreistufige
Kapitalmaßnahme. Hauptziel ist es, die im März letzten Jahres begebene hochverzinsliche Anleihe zu restrukturieren. Im
Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung, die momentan am 12. November 2001 geplant ist, wird der
Vorstand diese Maßnahmen erläutern. Im ersten Schritt ist geplant, das Grundkapital der Gesellschaft im Verhältnis 50:1
auf 745.057 Euro herabzusetzen. Mit diesem Kapitalschnitt sollen Wertminderungen ausgeglichen und das Grundkapital
an den veränderten wirtschaftlichen Wert des Unternehmens angepasst werden.
Der zweite Schritt sieht eine Sachkapitalerhöhung aus bereits genehmigtem Kapital vor. Das ermöglicht es den
Bondholdern, gegen die Gewährung von jungen Aktien ihre Bondanteile als Sacheinlage in die Gesellschaft einzulegen.
Um zusätzlich weiteres Kapital bereitzustellen, ist im dritten Schritt eine Barkapitalerhöhung von bis zu 14,9 Mio. auf bis zu
16,8 Mio. Euro geplant. Brokat verhandelt derzeit mit den Bondholdern über dieses Sanierungskonzept.
Darüber hinaus plant Brokat seinen Geschäftsbereich E-Finance in einer Tochtergesellschaft auszulagern. Diese soll alle
Aktivitäten des Geschäftsbereiches übernehmen. Mit diesem Schritt soll die Weiterentwicklung und der Vertrieb der
E-Finance Produkte sichergestellt werden.
Zudem wird die Hauptversammlung über den am 24. August 2001 angekündigten Verkauf des Geschäftsbereiches
Mobile Business an eOne Global, Nappa (Kalifornien/USA), abstimmen.
Auswirkung auf Aktionäre – Aktienwert 0,02 Euro!
Jetzige Aktionäre werden nach der Kapitalmaßnahme nur mehr einen relativ geringen Anteil an der Brokat AG halten.
Bitte beachten Sie, dass das derzeitige Aktienkapital auf ein Fünfzigstel reduziert wird. Generell ist es so, dass sich ein
Split positiv auf einen Kurs auswirkt, ein Reverse Split im Gegensatz dazu negativ.
Von derzeit 37 Mio. Aktien wird die Anzahl der Anteilspapiere auf 745.057 reduziert. Das heisst, dass jemand, der nun 50
Aktien besitzt, dann nur mehr 1 neue Aktie in seinem Depot liegen hat. Dann wird die Aktienanzahl durch eine
Barkapitalerhöhung von bis zu 14,9 Mio. Euro sowie durch eine Sachkapitalerhöhung von rund 1,2 Mio. Euro auf bis zu
16,9 Mio. Aktien erhöht. Die Folge könnte somit sein, dass die derzeitigen Aktionäre dann noch einen Anteil von 4,4 %
haben.
Wir gehen davon aus, dass die „Brokat Neu AG“ im Jahr 2002 einen Umsatz von 20 Mio. Euro erwirtschaften kann bei
einem ausgeglichenen operativen Ergebnis. Dabei berücksichtigt ist allerdings, dass alle Anleihen-Besitzer das
Umtausch-Angebot wahrnehmen werden. Dies wird aber bestimmt nicht der Fall sein, 10-20 Mio. Euro Nominale (10-20 %
der noch ausstehenden Anleihe) werden selbst bei einem unglaublich attraktiven Angebot vermutlich nicht umgetauscht,
da die Anleihen-Besitzer Fristen versäumen bzw. sich nicht darum kümmern.
Eine Firma mit 20 Mio. Euro Umsatz mit operativ ausgeglichenem Ergebnis (EBITDA) würden wir mit dem halben bis
dreifachen Jahresumsatz bewerten. Dies entspricht einem Firmenwert von 10 bis 60 Mio. Euro. Zieht man nun die 10-20
Mio. Euro verbliebene Schulden ab und geht man davon aus, dass die derzeitigen Barreserven zur Gänze für die
Anleihen-Restrukturierung aufgewandt wurden, so ergibt sich ein Unternehmenswert von minus 10 Mio. Euro (!) bis 40
Mio. Euro. Im Schnitt somit 15 Mio. Euro.
Berücksichtigt man nun, dass die derzeitigen Aktionäre dann noch 4,4 % Anteil an diesem Unternehmen haben, so
entspricht dies 0,66 Mio. Euro. Bei derzeit 37 Mio. ausstehenden Aktien wäre eine Aktie in diesem Szenario derzeit 0,02
Euro wert. Es wird deshalb in den nächsten Tagen einen deutlichen Kurseinbruch auf 0,10-0,20 Euro geben. Bei Kursen
von derzeit rund 0,70 Euro sollte die Aktie deshalb verkauft werden.
Auswirkung auf Anleihen
Die Firma lässt die Katze noch nicht ganz aus dem Sack, welches Angebot sie den Anleihe-Gläubigern machen wird.
Eines steht fest, mit so vielen Aktien, wie die Firma den Anleihe-Besitzern nun anbieten kann, haben wir nicht gerechnet.
Immerhin könnte dann der Anteil am Aktienkapital bei rund 87 % (= Volumen der Barkapitalerhöhung) liegen!
Die Aktie notiert um 10:30 Uhr bei 0,66 Euro um 0,10 Euro oder 13,16 % schwächer. Die Anleihe kostet in Berlin 33,20 %.
Dies entspricht einem Minus von 5,80 Prozentpunkten oder 14,87 %. Offensichtlich wird die Anleihe von einigen
Kleinanlegern in den selben Topf geworfen wie die Aktie. Dies ist allerdings falsch. Deshalb könnte die Aktie im
Tagesverlauf noch deutlich einbrechen und die Anleihe massiv ansteigen.