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BÖRSEN-AUSBLICK/Verwöhnt und ängstlich


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xpfuture:

BÖRSEN-AUSBLICK/Verwöhnt und ängstlich

 
06.08.04 16:49
Verwöhnt und ängstlich sind die Anleger zur Zeit - und dass ist keine
Grundlage für steigende Kurse. Tendenziell muss daher mit weiter fallenden
Kursen in Europa gerechnet werden. Verwöhnt, weil auf gute
Unternehmenszahlen nur noch gelangweilt reagiert und stets "mehr erhofft"
worden ist. Ängstlich, weil der hohe Ölpreis die Konjunkturerholung zu
ersticken droht. Institutionelle Anleger sind nicht mehr auf der Käuferseite
zu sehen, stattdessen verabschieden sie sich durchs Ausstoppen aus dem
Markt. Im DAX rückt die 3.600er-Marke näher und im Dow die 9.700 Punkte. Für
die kommende Woche scheint ein Aufenthalt am Geldmarkt die erste Wahl.

Ganz unberechtigt scheint die Ängstlichkeit der Anleger leider nicht zu
sein : "Öl, Öl und nochmals Öl" ist das Thema am Markt. Denn, so heißt es,
was nutzen gute Gewinnausweise für vergangene Quartale, wenn die
Ölpreisrekorde den Gewinnanstieg in den kommenden auffressen. Auch der
US-Arbeitsmarktbericht mit einer "desaströs" geringen Anzahl neugeschaffener
Stellen gibt keinen Grund für neue Investments. Gute Unternehmensdaten gehen
unter in diesem rein auf Konjunkturdaten fixierten Markt. Dies sei schon
länger abzulesen gewesen, berichten Händler: Fast alle DAX-Werte bewegten
sich im Gleichschritt, ihre "Korrelation" sei sehr hoch. Händler werten dies
als Zeichen eines "Makromarktes", der allein auf konjunkturelle Impulse von
außen reagiert und Unternehmensmeldungen ignoriert.

Ein bisschen verwöhnt sind die Investoren dennoch: Selbst auf die
wirklich guten und teilweise über Marktkonsens liegenden Quartalszahlen
wurde in der vergangenen Woche zumeist mit Kursverlusten reagiert. "Man hat

eben doch mehr erwartet", hieß es lapidar im Handel. Der Verweis auf
fallende Wachstumsraten in der Zukunft kann indes nicht gelten: Jeder
Anleger sollte doch wissen, dass die Zuwächse von einem statistischen
Basiseffekt dominiert werden, heißt es etwas achselzuckend von Analysten:
Nach der Rezession brachte die Erholung gewaltige rechnerische Anstiege bei
den Unternehmensgewinnen. Da diese nun als neue Basis dienen, können die
Zuwächse der Zukunft schon rechnerisch nicht den gleichen Prozentaufschlag
erbringen. So dient derzeit in den USA der größte Gewinnschub seit rund 30
Jahren als Bezugsbasis - selbst im Wirtschaftsboom hätten kommende
Unternehmensgewinne nicht den Hauch einer Chance, prozentual noch besser
auszusehen. Folgerichtig wurden die weiterhin positiven US-Frühindikatoren
wie die Einkaufsmanagerindizes von Chicago und ISM ignoriert.

Nur in Deutschland sieht es wirklich schlechter aus. Hier wurden bereits
fallende Auftragseingänge vermeldet. Vor allem die Auslandsorders brachen im
Juni um mehr als 7% ein. Rekordzahlen schafft Deutschland derzeit nur bei
der Arbeitslosigkeit. Das Land erfährt gerade jene "Jobless Recovery", die
eigentlich nur für die USA befürchtet worden war. Die OECD-Wachstumprognose
für 2005 liegt noch immer unter der Marke, bei der mit fallender
Arbeitslosigkeit zu rechnen ist. Bis zur Rückkehr von Arbeistplatzsicherheit
- und damit zur Konsumfreude - ist es noch ein weiter Weg: Konsumaktien
scheinen daher die letzte Wahl.

Ohnehin ist nicht mit einer Aktienerholung zu rechnen, solange sich
Institutionelle Anleger weiter aus dem Markt verabschieden. Genau das wird
aber beobachtet, heißt es von Händlern: Die niedrigen Umsätze der
vergangenen Wochen hätten bereits die generelle Interesselosigkeit gezeigt,
nur auf Geschäftszahlen hin sei mit Spitzenumsätzen reagiert worden. Dies
lasse auf reine Portfolio-Anpassungen schließen und sei typisch für einen
Markt, in dem Langfristanleger keine neuen Positionen aufbauen - stattdessen
verabschieden sie sich punktuell aus dem Markt. Seit dem Unterschreiten der
200-Tage-Linie im DAX hätten Fonds große Stop-Loss-Orders in ihren Aktien
platziert. Fällt eine Aktie durch eine dieser Marken, explodieren die
Umsätze auf der Verkaufsseite. "Die Fonds lassen sich langsam ausstoppen",
erklärt ein Händler. Ein Meinungswechsel sei derzeit nicht erkennbar.

Auch von der Chartanalyse kommen keine guten Signale: Hier weisen
Analysten in DAX und Euro-Stoxx auf die sogenannte "Dreiecksformation" hin.
Beide Europa-Indizes sind aus dieser Formation nach unten herausgefallen.
Der Kursaufschwung der vergangenen Wochen sei nur ein Versuch gewesen,
dessen untere Begrenzungslinie noch einmal von unten anzutesten. Die Linie
bildet sich aus den Tiefs vom März und Mai. An ihr ist vor allem der DAX
gescheitert und geht nun auf Südkurs. Hier scheint ein Ziel von 3.600
Punkten erreichbar. Auch in den USA sieht es schlecht aus: Hier hat der
Dow-Jones-Index einen kraftlosen Ansturm auf die 38- und 200-Tage-Linie
versucht. Beide Linien kreuzen sich gerade bei rund 10.200 Punkten über dem
Index. Sollte der Dow beide Linien nicht sofort und schnell zurückerobern,
sei auch er daran gescheitert, heißt es. Dann drohe eine beschleunigte
Abwärtsbewegung bis 9.700 Punkte.

An Geschäftszahlen steht kommende Woche wieder die übliche Fülle an. Sie
sparen keinen Sektor aus und können demnach alle belasten: Eine Woche im
Geldmarkt scheint daher eine gute Wahl.

Die Woche eröffnen Henkel, Heidelberger Druck und Postbank. Am Dienstag
folgen Schwergewichte wie RWE und UBS, sowie Deutsche Börse. Am Mittwoch
stehen eher die kleineren Werte wie Beiersdorf, T-Online, Jenoptik und Elmos
im Blick. Am Donnerstag scheinen folgt eine ganzer Schwung von DAX- und
MDAX-Werten, darunter E.ON, Lufthansa, Linde, MAN, Telekom, ThyssenKrupp und
Stada. Der Freitag steht dann mit US-Erzeugerpreisen und -Handelsbilanz
sowie mit der Verbraucherstimmung der Uni Michigan eher im Zeichen der
Konjunktur. Auch einige MDAX-Werte berichten

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