Zur Person: Helmut Jeggle ist Vermögensverwalter und hat sich 2021 mit seiner eigenen Firma
Salvia selbstständig gemacht, mit dem Schwerpunkt auf Direktinvestitionen in innovative Unternehmen.
Der 51-jährige Betriebswirt kümmerte sich lange Jahre als persönlich haftender Gesellschafter des Family
Office um das Vermögen der Familie Strüngmann. In dieser Rolle war er bei der Gründung von Biontech
beteiligt. Er ist seit der Gründung Aufsichtsrats-Vorsitzender des Impfstoffherstellers und engagierte sich
bereits bei der Gründung von Biontech als Angel Investor. Der Unternehmer handelte 2008 den Vertrag
mit Biontech-Gründer Ugur Sahin aus, worauf die Strüngmann-Brüder mit 150 Millionen Euro bei dem
Impfstoff-Spezialisten eingestiegen sind und heute noch mehr als 40 Prozent an Biontech halten.
Und alles wurde 2008 in Kronberg im Taunus zwischen Ihnen und Herrn Sahin besiegelt. Warum haben
Sie den Biontech-Gründern so viel Vertrauen geschenkt?
Jeggle: Geschenkt wird einem im Business nichts. Das Vertrauen entwickelte sich über Jahre hinweg.
Wie wussten um die wissenschaftliche Exzellenz von Frau Türeci und Herr Sahin, weil wir am
Vorgänger-Unternehmen Ganymed der beiden beteiligt waren. Mich überzeugten schon damals ihre
unglaublich guten Projekte und ihr enorm ethischer Ansatz als Ärzte und Unternehmer. Herr Sahin
erzählte mir, dass er früher als Arzt in einer Krebsstation eines Krankenhauses Patientinnen und Patienten
zu oft sagen musste, dass es keine weitere Behandlungsmöglichkeit für ihre Erkrankung gibt. Das wollte
er nicht akzeptieren und fing an, an der Universität an besseren Behandlungsmöglichkeiten zu forschen.
Wie kam es dann zum Handschlag im Taunus? Der Deal schien damals auf wackligen Füßen zu stehen.
Jeggle: Als wir über die Details sprachen, sagte mir Herr Sahin, er würde nur mitmachen, wenn er sich
nicht jedes Jahr wegen einer weiteren Finanzierung wieder auf Investorentour begeben müsse. Dann kam
es zwischen Sahin und mir zum Handschlag auf eine Absichtserklärung, den langen gemeinsamen Weg zu
gehen. Biontech hatte damals bewusst keine Pressemitteilung gemacht, um die ersten Jahre unter dem
Radar zu fliegen. Selbst als wir nach zwei Jahren etwa 300 Beschäftigte hatten, gab es keine Homepage.
www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/...rs-id61816166.html