Energie Gemeinde schließt Fernwärme-Vertrag mit drei Neerstedter Landwirten
Den Fernwärme-Vertrag unterschrieben: (vorne, von links) Helge Vosteen, Bürgermeister Heino Pauka, (stehend) Thorsten Grashorn und Gernot Kuhlmann BILD: Ulrich Suttka 
von Ulrich Suttka
Neerstedt - Wenn im kommenden Winter in der Grundschule Neerstedt die Heizung aufgedreht ist und für wohlige Wärme sorgt, dann kommt die Energie dafür vom Krusenbusch in Neerstedt. Am Donnerstag hat die Gemeinde Dötlingen mit der Neerstedter Bio-Energie GmbH & Co. KG einen „Wärmeliefervertrag /Sondernutzungsvereinbarung“ abgeschlossen und offiziell im Rathaus unterschrieben. Die drei Neerstedter Landwirte Gernot Kuhlmann, Helge Vosteen und Thorsten Grashorn bauen 2010 eine 500-kW-Biogasanlage abseits des Dorfes an einer Wegegabelung des Krusenbuschs (bei den Putenställen von Kuhlmann). Mit der Nutzung der Fernwärme komme Dötlingen im Landkreis Oldenburg eine Vorreiterrolle zu, so Bürgermeister Heino Pauka: „Das ist beispielhaft.“ Andere Kommunen im Oldenburger Land, so Rastede und Bakum, heizen bereits mit Fernwärme.
Rund 55 000 Euro hat die Gemeinde im Jahr 2009 für Gas gezahlt in der Grundschule Neerstedt (einschließlich des kirchlichen Gemeindezentrums), in der Sporthalle, in der Turnhalle sowie im Kindergarten. Diese öffentlichen Einrichtungen werden künftig mit Fernwärme aus der neuen Biosgasanlage versorgt. Dadurch spare die Kommune rund 25 Prozent der Kosten ein, erläuterte Pauka. Der Vertrag läuft über zwölf Jahre.
Die Gespräche über den fünfseitigen Liefervertrag haben einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen. „Wir haben gut zusammen gearbeitet“, so Pauka, wobei um Details durchaus gerungen worden sei. Auch im Gemeinderat, dem einer der Betreiber, Gernot Kuhlmann, angehört, ist das Thema diskutiert worden. Dabei handelte es sich um nicht-öffentliche Sitzungen. Es gebe „immer gewisse Vorbehalte gegen Biogasanlagen in der Gemeinde, da die Entwicklung inflationäre Züge aufweist“, so der Bürgermeister.
Diese Bauten seien aber vom Gesetzgeber angesichts der Privilegierung von landwirtschaftlichen Bauten im Außenbereich gewollt und daher nicht zu verhindern, so Pauka. Daher sei es auch vernünftig, wenn die daraus entstehenden Möglichkeiten vernünftig genutzt würden. Die Fernwärme biete neben der Kostenersparnis die Chance, regenerative Energien zu unterstützen, Wertschöpfung vor Ort zu fördern „und ein dezenter Hinweis auf die Gewerbesteuer darf auch nicht fehlen“, so der Bürgermeister. Die Versorgung der Gemeinde mit Fernwärme habe vertraglich die erste Priorität. Falls die Lieferung nicht ausreichen werde, würden die eigenen Heizungsanlagen in den Liegenschaften automatisch anspringen. „Wir bleiben selbstständig in Energiefragen“, betonte Pauka, dass sich niemand fürchten müsse, beim Ausfall der Biogasanlage womöglich in kalten Klassenzimmern zu sitzen.
Auch die beiden Blockheizkraftwerke in der Sporthalle werden weiter betrieben wie bisher und selber Strom produzieren.
am Krusenbusch bezeichnete Helge Vosteen als „optimal“. So bekämen die Neerstedter möglichst wenig von der ersten Anlage dieser Art im Dorf mit (der elften genehmigten in der Gemeinde Dötlingen). Über eine Biogasleitung geht es zunächst einen Kilometer zum Hof Kuhlmann, wo ein Blockheizkraftwerk errichtet wird (auf 35 Dezibel heruntergedimmt, so Vosteen). Dann wird die Fernwärmeleitung über Hof Vosteen, unter dem Denkmal, über den Hof Grashorn an die Turnhalle gebracht. Größtenteils liegt das Netz damit auf privatem Grund.
beträgt die Investition. Mit der Baugenehmigung wird in Kürze gerechnet. Rund vier Monate Bauzeit sind für Anlage und Leitungen kalkuliert. Die drei Landwirte werden die Anlage mit Mais, Putenmist, Schweinegülle, Getreide betreiben. Die Anlage baut die Firma Biogas-Nord aus Bielefeld. Drei Behälter entstehen am Krusenbusch. Der Strom geht in das Netz der EWE.