als "Lenker" und "Verantwortliche" finde ich sehr leichtfertig. Die beiden sind mMn nur darstellerisch begabte Marionetten des US-Systems, dessen Willen sie - in persona - vortragen.
Dass die Leute in der jetzigen Krise Greenspan als Sündenbock alles in die Schuhe schieben, ist dabei durchaus gewollt. Wenn sich die kollektive Wut an einer Einzelperson festbeißt, wird das Gesamtsystem nicht in Frage gestellt.
Ähnliches sehen wir in der Geschichtsschreibung zum Dritten Reich. US-Historiker haben das Dritte Reich gern als "Betriebsunfall" dargestellt, der verursacht wurde, weil ein "Wahnsinniger" die Massen verführte. Unterschlagen wird dabei, dass Hitler 1933 nicht zuletzt deshalb an die Macht kam, weil er der Industrie versprach, die Gewerkschaften zu zerschlagen, was er am 1. Mai 1933 auch in die Tat umsetzte. Wenn Hitler nicht eine Politik getrieben hätte, die den Industriellen ins Konzept gepasst hätte, wäre er nicht so weit nach vorn gekommen. Es ist daher unsinnig, hier von der "Einzeltat eines Wahnsinnigen" zu sprechen.
Die Personifizierung der aktuellen US-Krise und das "In-die-Schuhe-schieben" bei Greenspan und Bernanke geht in die gleiche Richtung. Angeblich haben die beiden "Dummköpfe" - in völliger Verkennung der Realitäten - "die Zinsen viel zu tief gesenkt und viel zu lange zu tief gelassen", lautet der Standardvorwurf. Sonst wäre alles prima gewesen.
Tatsache ist: Die Inflationierung des Systems und der Vermögenswerte war/ist eine tragende Säule des angelsächsischen Turbo-Kapitalismus. Jede andere Marionette, die anstelle von Greenspan 2001 an der Spitze der Fed gestanden hätte, hätte sich den "Systemzwängen" in gleicher Weise gebeugt bzw. beugen müssen.
Zur verzerrten Darstellung des Dritten Reiches durch US-Historiker siehe auch:
de.wikipedia.org/wiki/David_Irving