Auch Robert Hartmann, Chef des Münchener Gold-Handelshauses Pro Aurum, wundert sich nicht über den Aufwärtstrend des Goldpreises seit dem US-Zinsschritt. "Es ist schon richtig", so Hartmann zu manager magazin online. "Gold wirft keine Zinsen ab und verliert deshalb theoretisch an Attraktivität, wenn der Zins alternativer Anlagen steigt." Entscheidend ist nach Ansicht des Experten jedoch nicht der nominale Zins, sondern der reale.
"Der reale Zins ergibt sich, nachdem vom nominalen Zins die allgemeines Preissteigerung abgezogen wurde", erläutert Hartmann. "Solange dieser reale Zins negativ bleibt - was derzeit noch in weiten Teilen der Finanzwelt der Fall ist -, solange ändert sich auch nicht viel an der Attraktivität von Gold."
Im Klartext heißt das: Die Notenbank Fed erhöht zwar die Zinsen - sie tut es gemessen an der Inflation in den USA jedoch nicht schnell genug. In Europa sei das Bild noch klarer, so Hartmann, denn die Europäische Zentralbank habe noch nicht einmal mit Zinsanhebungen begonnen. Der Pro-Aurum-Chef ist sich vielmehr sicher: "In der Euro-Zone werden wir in nächster Zeit noch eine Ausweitung des negativen Realzinses erleben."
Christoph Rottwilm auf Twitter
Was vor allem Goldkäufer in der Euro-Zone ebenfalls bedenken sollten: Die politischen Unsicherheiten angesichts der kommenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland könnten den Euro zusätzlich unter Druck setzen. Wohl dem also, der angesichts dessen bereits Gold besitzt. Denn fällt der Euro und steigt demgegenüber der Dollar, so steigt auch der Wert des in Dollar nominierten Goldes im Depot.