Credit Agricole mit ins Unglück gerissen
Banco-Espirito-Santo-Desaster zieht Kreise
Oh heiliger Börsenschreck! Noch vor kurzem hatte mancher Experte die Aktie der Banco Espirito Santo noch als Schnäppchen eingestuft. Doch seit Freitag ist sie vom Handel ausgesetzt. Und die Krise des Finanzinstituts hat nun sogar für andere Banken verheerende Folgen.
Die Großbank Credit Agricole wird stark belastet von der Krise der portugiesischen Banco Espirito Santo (BES). Der Gewinn brach im zweiten Quartal um knapp 98 Prozent auf 17 Millionen Euro ein. Das genossenschaftliche Finanzinstitut aus Frankreich ist seit den 90er Jahren bei BES aktiv und hält 14,6 Prozent der Anteile. Diese Beteiligung belastete mit 708 Millionen Euro das Ergebnis. Die Credit Agricole schrieb den Wert der BES-Aktien komplett ab.
Credit AgricoleCredit Agricole: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs10.30Differenz absolut0.25Differenz relativ+2.49% In mein Depot
Die Schuld für das Desaster sieht Frankreichs drittgrößte Bank bei der Gründerfamilie des portugiesischen Geldinstituts, die bei der BES größter Aktionär ist. Man sei hinsichtlich ihrer Finanzprobleme in die Irre geführt worden, teilten die Franzosen mit. Diese Woche hatte die BES einen Rekordverlust von 3,6 Milliarden Euro eingefahren und mussten daraufhin vom Staat gerettet werden.
Während die Kontoinhaber bei dieser Rettungsaktion geschont werden dürften, könnten die Aktionäre der Banco Espirito Santo wohl leer ausgehen. Beim Fernsehsender BBC beispielsweise wird für die Aktie bereits ein "Delisting", also eine komplette Einstellung der Börsennotiz, erwartet. Dabei droht den Aktionären im schlimmsten Fall der Totalverlust.
Die Bank scheint gerettet, die Aktie tot…
Banco Espirito SantoBanco Espirito Santo: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs0.13Differenz absolut-0.08Differenz relativ-38.54% In mein Depot
Sie müssen sich in Geduld üben, seit die Deutsche Börse am Freitagnachmittag bekannt gegeben hatte, dass die Aktie bis "auf weiteres" vom Handel ausgesetzt werde. Zu dem Zeitpunkt war der Titel längst ein Pennystock und drohte, unaufhörlich in den Keller zu rutschen.
Allein am Donnerstag, nach der Bekanntgabe des Verlusts, hatte das Wertpapier fast die Hälfte an Wert verloren. Seit im Juni zum ersten Mal Zweifel an der finanziellen Verfassung des Geldinstituts aufkamen, büßte sie 89 Prozent ein. Derzeit ist sie bei einem Rekordtief von 0,126 Euro "festgefroren".
… vor kurzem galt sie als "verführerisches Angebot"
Dabei bezeichnete das "Handelsblatt" den Titel noch am vergangenen Montag als "verführerisches Angebot". Der Wert sei attraktiv, aber auch riskant, hieß es in dem Bericht. Dort empfohlen mehrere Analysten die Aktie zum Kauf. Die Experten von Alphaville setzten als Kursziel 46 Cents an, ihre Kollegen von Citi immerhin 65 Cents. Tenor: Das Schlimmste scheine eingepreist zu sein, allein das Engagement in Angola könne noch eine Gefahr für das Institut darstellen.
Noch weiter hatten sich die Bankanalysten von Nomura aus dem Fenster gelehnt. Bei ihrer Kaufempfehlung für die BES-Aktie setzten sie sogar einen fairen Wert von 1,10 Euro an. Wie lässt sich diese extreme Fehleinschätzung erklären?
Das "Wall Street Journal" merkte dazu an, dass die japanische Bank eine langjährige Verbindung zur BES unterhalte. Es sei sicher nicht das einzige Bankhaus, heißt es weiter. Aber die Berichte von Nomura zu der portugiesischen Bank seien ein gutes Beispiel dafür, wie auch spezialisierte Analysten ins Straucheln geraten könnten.
boerse.ard.de/aktien/...to-santo-desaster-zieht-kreise100.html