8. Juni 2008, 04:00 Uhr Von Sebastian Wieschowski
Millionenwette auf den EM-Titel
Dutzende Buchmacher bieten Sportwetten im Internet an. Spieler sollten allerdings ein wenig Zeit investieren und Quoten vergleichen
Wenn die deutsche Nationalmannschaft heute gegen Polen spielt, werden viele Zuschauer das Spiel besonders konzentriert verfolgen - schießt Ballack ein Tor, gibt es eine Rote Karte, wird das nächste Tor per Freistoß erzielt? Mit diesen Entscheidungen kann der Fußballfan von zu Hause bares Geld verdienen - und ein sonst eher langweiliger Kopfball entscheidet, ob ein kleines Extrataschengeld im Geldbeutel des Fußballfans landet.
EM-Zeit ist Wettzeit. Rund 800 Millionen Euro werden deutsche Zocker nach Branchenberechnungen während der Europameisterschaft einsetzen. Aktuelle Zahlen über das Gesamtvolumen des Marktes gibt es nicht. Hochrechnungen aus dem Jahr 2005 gehen aber von mehr als drei Milliarden Euro aus, die jährlich in Deutschland verzockt werden.
Doch wie kann es sein, dass trotz des staatlichen Glücksspielmonopols etwa 3500 Anbieter um deutsche Kunden werben? "Es ist richtig, dass vorrangig nur die staatliche Gesellschaft Oddset solche Wetten anbieten darf", sagt der Kölner Jurist Gordon Pankalla, der das Onlineportal "sport-wetten-vergleich.de" betreibt. Daneben sind noch vier private Buchmacher im Geschäft, die sich DDR-Glücksspiellizenzen sichern konnten. Doch die restlichen Anbieter haben ihren Sitz im Ausland, vorrangig auf britischen Kanalinseln oder in der Karibik. Von dort aus bearbeiten sie den deutschen Markt.
Das Prinzip hinter Sportwetten ist leicht zu verstehen. Grundsätzlich gilt: je gewagter der Tipp, desto höher die Wettquote. Wer beispielsweise bei Bwin zehn Euro auf Österreich als Europameister setzt, erhält 810 Euro, wenn sie gewinnen. Weil die Buchmacher in den Wettbüros jedoch glauben, dass die Gastgeber chancenlos sind und ein deutscher Sieg viel wahrscheinlicher ist, gibt es für eine Wette von zehn Euro auf Deutschland nur 47,50 Euro zurück.
Neben der Jagd nach dem Europameistertitel haben die Wettanbieter noch unzählige weitere Sportarten im Angebot: Tennisinteressenten können auf den Sieger der US-Open setzen, Golffans auf den nächsten Sieg von Tiger Woods. Dazu gibt es exotische Sportarten wie Hunderennen, Innebandy oder Curling. Und sogar in den Bereichen Politik und Unterhaltung sind Wetten möglich - so können Nutzer von Bwin & Co. sogar Geld verdienen, wenn Topmodels, Superstars oder US-Präsidenten gesucht werden.
Wer jetzt zur EM seinen ersten Wettsieg feiern will, wird von den Anbietern mit Begrüßungsgeschenken gelockt, die an die erste Einzahlung gekoppelt sind. Bet-at-home etwa vergibt einen Einzahlungsbonus von bis zu 200 Euro. Intertops schenkt ein Startgeld in der Höhe eines Viertels des Einzahlungsbetrages. Und Bettingstar24 sowie Sportingbet verdoppeln die Einzahlungssumme bis 50 Euro.
Die Begrüßungsangebote haben aber allesamt einen Haken: Bevor das Geld endgültig in den Besitz des Spielers übergeht, muss es mehrfach verwettet werden - bei Sportingbet beispielsweise sechsmal zu einer Mindestquote von 1,30. Erst wenn diese sechs Wetten erfolgreich waren, gehört das Geld dem Spieler. "Früher gab es Bonusangebote, bei denen keine Mindestquote vorgeschrieben war. Der Spieler konnte den Bonusbetrag einfach fünfmal in einer Livewette auf ein sicheres Ergebnis setzen", sagt Gordon Pankalla. Dies ist jetzt nicht mehr möglich - und die Wahrscheinlichkeit, dass eine der fünf bis sechs Pflichtwetten nicht erfolgreich verläuft, trübt die Aussicht auf das Begrüßungsgeld.
Bevor sich der Wettspieler an seinen ersten Einsatz wagt, sollte er auch die aktuellen Quoten vergleichen: "Wer einfach beim erstbesten Anbieter seine Wette platziert, kann im Falle eines Sieges bares Geld verschenken", sagt Gordon Pankalla. Ein Beispiel: Für einen deutschen Gesamtsieg bei der Europameisterschaft bieten neun Online-Wettbüros insgesamt sechs verschiedene Quoten an - zwischen 4,00 (Intertops) und 5,30 (Bets4all). Bei einem Einsatz von zehn Euro bedeutet das: Ist die Wette erfolgreich, bekommen Intertops-Kunden 13 Euro weniger ausgezahlt als Bets4all-Wettspieler.
Unterschiedlich sind zudem die Mindesteinsätze: Während Kunden bei Bwin und Wetten.de mit 50 Cent pro Wette einsteigen können, sind Spieler bei Sportwetten Gera mit einem Euro dabei. Oddset-Kunden müssen sogar mindestens 2,50 Euro einsetzen.
Bei allem Ehrgeiz gelten jedoch zwei alte Zockerregeln: "Machen Sie kleine Schritte und setzen Sie sich ein Limit", rät Gordon Pankalla. "Machen Sie mit sich selbst ab, dass sie dreißig Euro pro Monat maximal für Wetten ausgeben oder höchstens zehnmal im Monat wetten." Sonst könnte die EM sogar zur Pleiteveranstaltung werden, wenn Deutschland den Titel gewinnt.
Millionenwette auf den EM-Titel
Dutzende Buchmacher bieten Sportwetten im Internet an. Spieler sollten allerdings ein wenig Zeit investieren und Quoten vergleichen
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