43 Millionen halten ihn auf Trab
Eine ganze Menge Bares: Klaus Sattler, Sprecher der Lotto-Zentrale in Stuttgart, ist einer der gefragtesten Gesprächspartner zur Zeit.
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Rekord-Jackpot treibt Lotto-Sprecher Klaus Sattler in Medienmarathon - "Zwangsläufig habe ich mir fast schon das Rauchen abgewöhnt"
Stuttgart - Er ist derzeit einer der gefragtesten Männer in Deutschland. Für Klaus Sattler, Sprecher der Lotto-Zentrale in Stuttgart, wird der Jackpot von 43 Millionen Euro zum Dauerthema. Morgens im Frühstücks-Fernsehen, anschließend im Radio, danach gut 50 Anfragen von Printmedien. "Zwangsläufig habe ich mir fast schon das Rauchen abgewöhnt", sagt der Mann, den der Medien-Marathon um die Rekordsumme im deutschen Lotto fast rund um die Uhr auf Trab hält. "Ich habe die Zahl der Interviews und O-Töne nicht mehr gezählt."
Am Sonntag habe er sein Handy drei Mal komplett aufladen müssen. "Seit zwei Wochen ist das Medien-Interesse am Lotto-Jackpot geradezu explodiert", berichtet der 55-Jährige. Selbst ausländische Medien wollen Statements vom baden-württembergischen Lottosprecher, dessen Stuttgarter Toto-Lotto Gesellschaft derzeit federführend im Deutschen Lotto- und Toto-Block ist. Falls der Jackpot am Mittwoch geknackt werden sollte, wird Sattler dies am Donnerstagmorgen verkünden und später auch mit dem Multimillionär telefonieren, wenn der sich in der "Zentrale des Glücks" meldet und ein Gespräch wünscht.
Sattler kennt sich aus im Umgang mit Lotto-Millionären, denn er erlebt Lottoglück häufig hautnah. Bei ihm lassen die Glückspilze ihrer Euphorie freien Lauf, schmieden Pläne und zählen auf, was sie mit dem gewonnenen Geld alles machen wollen. Sattler weiß natürlich auch, wer der oder die Glücklichen sind, die den höchsten Gewinn in der deutschen Lotto-Geschichte kassieren werden. Aber nur er. "Denn an oberster Stelle steht das Spielgeheimnis", sagt der Sprecher. Der Gewinner habe das Recht, unerkannt zu bleiben. "Zu dem Glückspilz wird auch kein Herr im Anzug mit einem Geldkoffer kommen." Vielmehr legt der Gewinner seine Spielquittung vor, wozu er 13 Wochen lang Zeit hat, und wird dann in die Lotto-Zentrale eingeladen.
Dort gibt Sattler den Millionären auf Wunsch besonnen Ratschläge. Etwa, das süße Geheimnis für sich zu behalten. "Am besten ist es, einen Finanzfachmann hinzu zu ziehen und nicht sofort eine Einkaufsliste anzulegen", erklärt der Sprecher und Berater. Wer gleich auf große Shoppingtour gehe, Luxusgüter erwerbe und mit Geld um sich werfe, laufe Gefahr, als Gewinner erkannt zu werden. "Schließlich können bei Nachbarn Neidgefühle entstehen, wenn der Lamborghini passend zur Nagellackfarbe in der Hofeinfahrt steht." Die Gespräche lassen Sattler nicht kalt: "Man erfährt viel über diese Menschen im Gespräch. Das ist emotional sehr ergreifend." Dennoch verkaufe Lotto nur Träume und mache Millionäre: "Wir sind aber keine Seelsorger."
"Es gibt nichts Schöneres, als das Leben eines Lottosprechers", betont der 55-Jährige, der sich in seiner Freizeit sozial engagiert. Er hat die Toto-Lotto-Fußballmannschaft sowie die Golf-"Bogeys" gegründet, denen ehemalige Fußballprofis, Spitzensportler und Wirtschaftsbosse angehören und die bei Benefiz-Veranstaltungen bereits mehr als 1,5 Millionen Euro eingespielt haben. Natürlich spielt der Lotto-Sprecher auch selbst Lotto, doch "zu mehr als einem Vierer hat es nicht gereicht". Und welchen Traum würde sich Sattler erfüllen, falls er den Jackpot knacken sollte? "Das kann ich spontan gar nicht sagen", meint der eloquente Sprecher und gerät unverhofft ins Grübeln: "Vielleicht ein Ferienhäuschen kaufen."
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