Ein paar Anmerkungen zur Einschätzung AT&S
Der Vorstand hat zu Jahresanfang eine Prognose herausgegeben, an der hält er auf Nachfrage im CC zu den Halbjahreszahlen fest mit der Begründung der üblichen Saisonalität. Richtig ist, daß möglicherweise die Feiertagssituation im 2. Halbjahr weniger Arbeitstage haben als letztes Jahr, aber die Prognose wird er toppen.
Prognose: 5 % Umsatzwachstum bei EBITDA von 18 - 20 %.
Zum Halbjahr: Fast 20 % Wachstum bei 22 % EBITDA mit EPS 57 Cent
Gründe für das Übertreffen der AT&S Prognosen:
1. Wachstum Allgmein: Smartphones/Tablets: AT&S ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Mittlerweile gibt es keinen Anbieter unter den Top-Ten der Smartphone-Hersteller, die man nicht mehr bedient. Zuletzt ist Samsung dazugekommen. Bei Nokia hat man sich zurückgezogen, um das margenschwächere Geschäft abzustossen. Dieser Bereich wächst weiterhin überdurchschnittlich auch in den kommenden Jahren, weil die Featur-Phones abgelöst werden.
2. Segment Mobile: Das 2. Quartal war im Bereich Mobile das mit Abstand stärkste der Geschichte bei Umsatz und Ertrag. Ich rechne mit keinem Abbruch im 3. Quartal. Man mache sich klar: Der mit Abstand stärkste Bereich Mobile wird mit einem EBIT von 15 % (aus dem Kopf) betrieben.
3. Der Bereich Industrie/Automotive wächst ebenfalls. Allerdings hat man hier die Schließung des Werkes Klagenfurt im 1. Halbjahr mit 3 Mio. zu berücksichtigen. Deshalb zum Halbjahr Ergebnisniveau mäßig und gegenüber VJ rückläufig. Im 2. Halbjahr erwarte ich deshalb ein steigendes Ergebnis gegenüber H1.
4. Saisonalität: Was bedeutet Saisonalität bei AT&S, wenn man das Gesamtjahr bewertet?
Zur Erinnerung: Im letzten GJ betrug der Ergebnis-Anteil im 2. Halbjahr 55 % und im 1. Halbjahr 45 %. Beim Umsatz noch extremer. Das Q3 war mit Abstand das beste Quartal, was aufgrund des Weihnachtsgeschäftes auch einleuchtet. Was also ist das stärkere Halbjahr?
5. Prognose 2013/14: Berücksichtigt man nun die Informationen des Vorstands, daß dieses Jahr weniger Arbeitstage zur Verfügung stehen und ich trage dem Rechnung dadurch, daß ich den Umsatzanteil/Ergebnisanteil dieses Jahr im 2. Halbjahr mit 45 % ansetzte, dann komme ich bei einem EBITDA von 60 Mill. raus, einem EBIT von 25 Mill., bei niedrigeren Zinsen von 5 Mill. Euro und einem Steuerstatz von kleiner 10 % bei einem EAT von 18 Mill. Euro. Macht im 2. Halbjahr, so komm ich bei einem EPS von etwa 47 Cent raus. Im Jahr auf 1,05 Euro.
6. Nettoverschuldung: AT&S hat die Nettoschulden zum Halbjahr auf 200 Mill. reduziert von zuvor 250 Mill. Euro. Wenn nun die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung hinzukommen, liegt die Nettoverschuldung kurzfristige bei etwas über 100 Mill. Euro, je nach CAPEX im Q3. Eine gute Basis wie ich finde, um das Projekt neues Werk mit Investvorhaben 350 Mill. gestreckt über 2013-2015 anzugehen.
7. Cashflow: AT&S hat eine Profitabilität erreicht durch höherwertige Leiterplatten, Verlegung Produktion nach Asien etc., die der Markt noch nicht wahrgenommen hat, auch wegen der Kapitalmassnahme. Bei operativen Cash-flows von 60-70 Mill. p.a. sollte der CAPEX der nächsten Jahre gestemmt werden können.
8. Neue Partner: Man hat gerade erst TDK, Intel mit an Bord geholt. D.h. die Planungen für das neue Werk scheint auf einer guten Basis zu stehen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
9. Investmentzeitpunkt: Aktuell nehmen die Zeichner der Kapitalmassnahem Gewinne mit. Deshalb kommt der Wert nicht wirklich vom Fleck. Hat sich diese Situation bereinigt und wir bekommen die bésseren Q3-Daten als erwartet, rechne ich damit das 2-stellige Kurse möglich und gerechtfertigt sind.
10. Kursziel: Unter den gemachten Annahmen sehe ich Kurse auf Basis des Buchwertes Ende des Jahres von 11 Euro als nicht zu ambitioniert an. Mein Anlagehorizont betont in diesem Fall lediglich einen kurzfristigen Zeitraum, denn die Ertragskraft/hebel des neuen Werkes abzuschätzen zu diesem Zeitpunkt macht (noch) keinen Sinn.
PS: Wenn es nicht so kommt wie ich das abschätze, besteht wenig Risiko. Der Hebel nach Norden lohnt ein Invest aus meiner Sicht alle Male.